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US-Meinungen nach dem ersten Jahr in Trumps zweiter Amtszeit

Dr. Hardy Ostry, Jan Bösche

“Move Fast and Break Things”

Stärke zeigen, Traditionen in Frage stellen, die Interessen Amerikas – und die eigenen – in den Mittelpunkt stellen: Das erste Jahr der zweiten Amtszeit von Präsident Trump war ein Wirbelwind an nationalen und internationalen Veränderungen. Besonders außenpolitisch hat er die Rolle der USA tiefgreifend verändert – und die bestehende Ordnung in Frage gestellt.

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Meinungsumfragen

In den letzten Jahren ist es für US-Präsidenten immer schwieriger geworden, große Mehrheiten der Amerikaner von ihrer Politik zu überzeugen und hohe Zustimmungswerte zu erreichen. Das sieht für Präsident Trump nicht anders aus: Seine Zustimmungswerte waren zuletzt im März vergangenen Jahres positiv. Seitdem wird Trump immer unbeliebter. RealClearPolitics fasst verschiedene Umfragen zusammen und sieht für Trump jetzt eine Ablehnung von fast 56 Prozent.[1] Lediglich beim Thema Sicherheit an den Grenzen liegt die Zustimmung im Plus; bei alle anderen Themen wie Einwanderung, Sicherheit, Außenpolitik oder Wirtschaft steigt die Ablehnung.[2] Inflation, Gesundheit und Jobs sind für die befragten Amerikaner die wichtigsten Themen, für die eine Mehrheit die Kompetenz jetzt bei den oppositionellen Demokraten sieht. Auch Trumps Republikaner sind mit der Wirtschaftspolitik des Präsidenten eher unzufrieden: Laut einer AP-Umfrage meinen nur 16 Prozent der Republikaner, dass er viel getan habe, um die Lebenshaltungskosten zu reduzieren. Grundsätzlich stehen sie aber zu Trump: Acht von zehn befragten Republikanern geben ihm eine gute Note.[3]

 

Innenpolitik

„Move fast and break things“ – mit diesem Mantra des Silicon Valley beschreibt der Christian Science Monitor das vergangene Jahr des Präsidenten. Trump habe einen Blitzstart hingelegt: „Er hat die Grenzen der präsidialen Macht erweitert und in seinem ersten Jahr nach seiner Rückkehr mehr Exekutivverordnungen erlassen als in seiner gesamten ersten Amtszeit. Er umging den Kongress, forderte die Gerichte heraus, ist in Venezuela einmarschiert und hat dessen Staatschef verhaftet, hat sich an seinen vermeintlichen Gegnern gerächt und das Weiße Haus selbst mit goldener Ausstattung und einem großen geplanten Ballsaal umgestaltet.“ Trumps zweite Amtszeit lasse seine erste Amtszeit wie eine Generalprobe erscheinen: „Es ist fast so, als hätte er seine ersten vier Jahre im Amt damit verbracht, herauszufinden, wie viel Macht er wirklich hat, und wäre dann entschlossen zurückgekommen, diese Macht auch voll auszuschöpfen.“

Nach dem ersten Jahr der zweiten Trump-Regierung spüre die amerikanische Arbeitnehmerschaft die Folgen einer fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik, analysiert der progressive Think Tank Center for American Progress: „2025 war geprägt von chaotischen Zollankündigungen, steigenden Kosten für Dinge des täglichen Bedarfs und steigender Arbeitslosigkeit sowie historischen Kürzungen im Gesundheitswesen, bei der Lebensmittelhilfe und bei sauberer Energie, die die Kosten in die Höhe treiben.“ Die wirtschaftlichen Turbulenzen des ersten Jahres lassen die meisten Amerikaner skeptisch in das neue Jahr blicken. Der Think Tank zitiert eine Umfrage, wonach fast 70 Prozent der Befragten davon ausgingen, dass 2026 ein Jahr wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein werde. „Trotz Trumps Behauptung, dass 2025 das „beste erste Jahr in der Geschichte“ für einen amerikanischen Präsidenten gewesen sei, sprechen die Einstellung der Amerikaner zu ihrer wirtschaftlichen Sicherheit und die neuesten Wirtschaftsdaten eine andere Sprache.“

„Versucht Trump, die Zwischenwahlen für den Kongress zu verlieren?“ fragt der frühere republikanische Präsidentenberater Karl Rove im Wall Street Journal: „Es war ein Jahr voller rascher Veränderungen, Kontroversen und Umbrüche. Es war auch ein Jahr voller Rätsel.“ Warum unternehme der Präsident immer wieder Dinge, die seinen politischen Interessen zuwiderliefen? „Trump verpasst die Chance, wichtige Wechselwähler für die Republikaner zu gewinnen.“ Als Beispiel nennt Rove die Einwanderungspolitik und Trumps Vorgehen an der Grenze: „Er hat den Strom illegaler Migranten gestoppt. Er hatte Recht. Wir brauchten kein neues Gesetz, sondern nur einen anderen Präsidenten. Doch Trump hat keinen Siegeszug angetreten, um den Erfolg publik zu machen.“ Stattdessen habe das Team Trump seine Karten falsch gespielt, als es die Einwanderungspolizei in Baumärkte schickte, um Tagelöhner ohne gültige Papiere festzunehmen, die sich ansonsten nichts haben zu Schulden kommen lassen. „Die Amerikaner sind zunehmend beunruhigt über die wirren Auftritte und nächtlichen Tiraden des Präsidenten. Ob es nun sein Alter ist oder seine Berater, die seine schlimmsten Instinkte nicht zügeln können – Trump verhält sich anders als alle amerikanischen Präsidenten vor ihm.“

Trump dominiere viele Nachrichtenzyklen, treibe aber keine belastbaren politischen Veränderungen voran, schreibt der konservative Analyst Yuval Levin im Magazin The Atlantic: „Er hat mehr um die formellen Befugnisse des Präsidentenamtes herum gearbeitet als mit ihnen, und sein Ziel scheint oft weniger das Regieren als vielmehr das Zeigen von Stärke zu sein.“ Dieser Ansatz wirke attraktiv, besonders für diejenigen auf der politischen Rechten, die sich von den amerikanischen Eliten benachteiligt fühlten. Trump habe einigen Institutionen echte Zugeständnisse abringen können. Dieses Vorgehen sei aber kurzsichtig und reaktiv. Levin schreibt, Trump habe in seinem ersten Amtsjahr weniger Gesetze als jeder andere Präsident der Neuzeit unterschrieben, und die meisten seien in Umfang und Zielen begrenzt gewesen. Das einzige bedeutende Gesetz sei im Kern eine Verlängerung der bestehenden Steuerpolitik gewesen. Ansonsten habe es Durchgriffe wie DOGE und Deals gegeben. Dabei würden die Ermessensspielräume des Präsidenten „als Hebel eingesetzt, um Verhalten zu beeinflussen, anstatt die Verwaltungsbefugnisse der Regierung zu nutzen, um vorhersehbare, einheitliche Regeln für ganze Bereiche der Gesellschaft festzulegen. Mit anderen Worten: Sie nutzen Willkür als Instrument. Dies kann kurzfristig eine Quelle echter Macht sein, ist aber letztlich sehr gefährlich für das öffentliche Leben in den USA.“

Donald Trump werde eine dritte Amtszeit bekommen – indem er seinen Nachfolger in den Schatten stelle, analysiert John Harris von Politico. Trump sei auf dem besten Weg, den Charakter der amerikanischen Regierung und die internationalen Beziehungen der USA tiefgreifender zu verändern als jeder seiner Vorgänger in den vergangenen Jahrzehnten: „Die Reichweite von Trumps Politik und seine disruptive Art, sie umzusetzen, werden fast zwangsläufig den Wahlkampf und die erste Amtszeit seines Nachfolgers dominieren – vielleicht sogar noch mehr, wenn dieser Nachfolger ein Demokrat ist.“ So bekomme Trump eine dritte Amtszeit, auch wenn er nicht verfassungswidrig versuche, im Amt zu bleiben. „Die Aufgabe, zu reparieren, was Demokraten und viele andere als Trumps Vandalismus betrachten, bedeutet, dass der erste Tag des nächsten Präsidenten rückwärtsgewandt sein wird – und wahrscheinlich auch der erste Monat und das erste Jahr.“ Trump habe seinen Mix aus Ideen, Beschwerden und Eitelkeiten viel konkreter programmatisch zum Ausdruck gebracht, als Freunde oder Gegner es erwartet hätten. Er sei radikaler und weniger zurückhaltend geworden. „In seiner ersten Amtszeit riefen seine Kritiker: ,Das ist nicht normal!‘ Nur dass es jetzt normal ist.“

 

Außenpolitik

Benn Steil vom Council on Foreign Relations analysiert „Trumps neue Weltordnung“ und den Widerspruch zwischen seinem Wahlkampfversprechen, sich auf die USA zu konzentrieren und Interventionen wie in Venezuela: „Der offensichtliche Widerspruch spiegelt einen grundlegenden Wandel im außenpolitischen Denken der USA wider, der zwar mit Trumps Präferenz übereinstimmt, aber unabhängig davon ist: Das dominieren, was leicht zu dominieren ist, und das zu beschwichtigen oder zu ignorieren, was nicht zu dominieren ist.“ Es gebe einen Konsens innerhalb der Regierung, die sich der Vorrangstellung der Hemisphäre verschrieben habe. Es gebe den Versuch, einen Rückzug aus hartnäckigen Konflikten in Übersee durch eine gleichzeitige Demonstration von Stärke näher an der Heimat auszugleichen. Es gehe darum, die Weltordnung wiederherzustellen, die vor dem Ersten Weltkrieg herrschte, als Amerikas globale Ambitionen noch zurückhaltender waren und es in seiner Nachbarschaft sicherer war.

Welche Rolle werden die USA international in diesem Jahr spielen, fragt Leslie Vinjamuri vom Chicago Council on Global Affairs: „Werden sie eine stabilisierende Kraft sein? Ein Friedensstifter? Oder werden sie weiterhin für Unruhe sorgen?“ Die Ereignisse zu Jahresbeginn hätten gezeigt, dass Trump einen Nutzen in letzterem sehe. Trump fühle sich nicht an Präzedenzfälle, Normen oder Gesetze gebunden und lasse sich nicht davon abschrecken. Weder Verbündete noch Kongress oder Gerichte hätten bisher Anlass zur Annahme gegeben, dass sich daran etwas ändern könne. Trump verändere die öffentliche Meinung über Souveränität, Territorium und nationale Sicherheit langsam: „Bereits jetzt betrachten viele Menschen Karten von Grönland und denken anders über dessen Geografie, Bedeutung und angemessenen Platz in der internationalen Ordnung.“ Ob Trumps Wunsch nach öffentlicher Anerkennung ihn von seinem Streben nach globaler Macht abbringen werde – oder ob die Öffentlichkeit sich von Trump mitreißen lasse – bleibe abzuwarten.

William Alan Reinsch vom Center for Strategic and International Studies analysiert die Handelspolitik und immer neuen Zolldrohungen des Präsidenten. Ob dies wirtschaftlich sinnvolle Schritte sind, sei umstritten, aber es handele sich zweifellos um kluge politische Schritte. Die ständige Ankündigung neuer „glitzernder Objekte“ mache jede detaillierte Analyse der vorherigen irrelevant: „Bei der Bekanntgabe dieser Entscheidungen werden nur wenige Fakten veröffentlicht, und bis Journalisten, Wissenschaftler und andere Analysten herausgefunden haben, was tatsächlich beschlossen wurde, und sich die Zeit genommen haben, um dessen Bedeutung zu ergründen, interessiert sich die Öffentlichkeit nicht mehr dafür, da sie bereits vom nächsten neuen glitzernden Objekt in den Bann gezogen wurde.“ Die Folge sei eine mangelnde Verantwortlichkeit. „Wenn Historiker irgendwann einmal über diese Ära schreiben, wird es zwar eine geben, aber dann wird es zu spät sein.“ Die Verfassungsautoren hätten eine Regierung schaffen wollen, die umsichtig handelt Kontrollmechanismen sollten sicherstellen, dass kein einzelner Teil der Regierung unverhältnismäßig viel Macht gegenüber den anderen Teilen habe. Wenn ein Präsident so viele politische Maßnahmen verfolgt, dass sie den Raum überfluten und die Kontrollmechanismen untergraben, verschwinde diese Rechenschaftspflicht.

Donald Trump starte 2026 als der wahre Anführer Europas, schreibt Nile Gardiner von der Trump-freundlichen Heritage Foundation. Bereits im ersten Jahr der zweiten Amtszeit habe die Trump-Regierung die Grundfesten Europas bis ins Mark erschüttert: „Trump mag in Europa nicht beliebt sein, aber er wird zunehmend als eine Kraft respektiert, mit der man rechnen muss.“ Trump werde fälschlicherweise vorgeworfen, ein Isolationist zu sein. In Wahrheit interessiere er sich weitaus mehr für Europa als seine Vorgänger: „Er ist der transatlantischste amerikanische Präsident seit Ronald Reagan und betrachtet die Rettung Europas als ein vitales nationales Interesse der Vereinigten Staaten. Seine Herangehensweise an Europa ist geradezu revolutionär. Er ist der erste US-Präsident, der das europäische Projekt in Frage stellt, und sein Endziel ist von großer Tragweite: die Rettung der westlichen Zivilisation selbst.“ Die USA hätten jedes Recht, sich zur EU und zur Zukunft Europas zu äußern, weil die Amerikaner seit Jahrzehnten die Sicherheit Europas finanzierten.

Ob Präsident Trump wirklich einen Plan habe, fragt Thomas de Waal vom Carnegie Endowment. Eine Version besage, er versuche die Monroe-Doktrin wiederzubeleben und die westliche Hemisphäre zu regieren – eine Anknüpfung „an eine Ära des Imperialismus und der Einflussbereichspolitik“: „Die Bedrohung, die er derzeit darstellt, ist in erster Linie eine Bedrohung durch Chaos. Die Herausforderung als neue Monroe-Doktrin zu bezeichnen, ist nur teilweise die richtige Antwort: Es handelt sich eher um eine ‚Gone-Rogue-Doktrin‘. Es sei aber nicht mehr möglich, im 21. Jahrhundert Einflussbereiche alter Prägung aufzubauen. Trump müsse daran erinnert werden, dass er bereits über eine moderne Variante verfüge: ein freundschaftliches Bündnis, das sich von Vancouver bis Kiew erstreckt und das er nun verliere.

 


 

[1]https://www.realclearpolling.com/polls/approval/donald-trump/approval-rating

[2] Beispielhaft bei Strength in Numbers: https://www.gelliottmorris.com/p/new-poll-trump-slips-on-immigration

[3] https://apnews.com/article/poll-trump-republicans-immigration-economy-inflation-costs-634472fc2ee3b4477a7be997bbd0c69e

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Dr. Hardy Ostry
Leiter des Auslandsbüros Washington, D.C.
hardy.ostry@kas.de

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