Am 24. September am Otto-Hahn-Gymnasium in Göttingen und am 6. Oktober 2026 am Gymnasium Große Schule in Wolfenbüttel veranstaltete das Politische Bildungsforum Niedersachsen zwei Zeitzeugengespräche mit Manfred Casper. Vor insgesamt rund 150 Schülerinnen und Schülern des 11. Jahrgangs berichtete der in der DDR aufgewachsene Referent im Rahmen seines „Zeitreisemobils“ von seiner Kindheit und Jugend im Erzgebirge sowie von seinen Erfahrungen mit dem DDR-Regime.
Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand die Frage, wie sich das Leben in einem Staat anfühlt, der die Freiheiten seiner Bürgerinnen und Bürger stark einschränkt. Anhand seiner persönlichen Geschichte schilderte Casper, wie aus einer zunächst weitgehend unbeschwerten Kindheit nach und nach Misstrauen gegenüber dem System entstand. Dabei berichtete er von den begrenzten Möglichkeiten, den eigenen Lebensweg selbst zu gestalten, von staatlicher Kontrolle im Alltag und von den Unterschieden zwischen der DDR und der Bundesrepublik, die er bei Besuchen im Westen wahrnahm. Diese Erfahrungen weckten in ihm den Wunsch nach mehr Freiheit und führten schließlich zu seinem letztendlich gescheiterten Fluchtversuch über die Grenze zwischen Bulgarien und Jugoslawien. Nach seiner Festnahme verbrachte er eineinhalb Jahre in Haft, bevor er im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik Deutschland gelangte.
Im Anschluss nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, dem Zeitzeugen zahlreiche Fragen zu stellen und mit ihm über seine Erlebnisse ins Gespräch zu kommen. Am Gymnasium Große Schule in Wolfenbüttel beschäftigten sich die Jugendlichen darüber hinaus in Arbeitsgruppen mit verschiedenen Themen der DDR-Geschichte. Dabei kamen unter anderem originale DDR-Schulbücher und Jugendzeitschriften als Anschauungsmaterial zum Einsatz.
Die beiden Veranstaltungen boten den Schülerinnen und Schülern einen anschaulichen Einblick in den Alltag der DDR und machten deutlich, welche Bedeutung Freiheit, Demokratie und individuelle Selbstbestimmung für das Leben jedes Einzelnen haben. Besonders beim Thema DDR sind die persönlichen Erfahrungen eines Zeitzeugen von großem Wert, da sie jungen Generationen einen unmittelbaren Zugang zu einem wichtigen Kapitel der deutschen Geschichte ermöglichen.
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