Wie viele andere Länder des Westbalkans hat Montenegro eine wechselhafte Geschichte durchlebt. Als uraltes Kulturland wurde es bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. In Antike, Mittelalter und Neuzeit unterlag es sehr unterschiedlichen Einflüssen, die die Kultur des Landes bis heute prägen. So findet man Spuren zum Beispiel aus byzantinischer Zeit, vom Osmanischen Reich, aus der Blütezeit Venedigs und der Habsburger. Bis heute wirken selbstverständlich auch die Einbettung im Vielvölkerstaat Jugoslawien und die heftigen Konflikte an dessen Ende deutlich nach. Erst 2006 erlangte Montenegro seine Unabhängigkeit wieder. Die Gesellschaft ist multiethnisch und multireligiös, wobei fast zwei Drittel der serbisch-orthodoxen Kirche zuzurechnen sind.
Der Leiter des Auslandsbüros Serbien und Montenegro der Konrad-Adenauer-Stiftung, Jakov Devčić, erläuterte zu Beginn der Studienreise in einem Vortrag und einem anschließenden Gespräch die aktuelle politische Situation des Landes. Montenegro ist eine Demokratie auf dem Weg in die Europäische Union. Es gibt aber großen Handlungsbedarf, insbesondere hinsichtlich Korruptionsbekämpfung und der weiteren Anpassung an demokratische Standards, wie sie in westlichen Staaten üblich sind. Auch wirtschaftlich gibt es Nachholbedarf. Der Tourismus und die von ausländischen Investoren angeheizte Bauwirtschaft boomen. Darüber hinaus gibt es jedoch kaum positive wirtschaftliche Entwicklungen. Sozial-, Gesundheits- und Bildungssystem bedürfen ebenfalls des Ausbaus.
Ausgangspunkt der Studienreise war Podgorica. Es ist eine moderne, pragmatische Stadt. Sehenswert ist die markante Millenniumsbrücke. Von der Altstadt sind nur wenige Reste erhalten. Ganz anders verhält es sich dagegen in Städten wie Kotor oder Budva. Beide haben sehr schöne mittelalterliche Stadtkerne.
Budva hat sich zu einem attraktiven Badeort an der Adria entwickelt, dessen auf einer Halbinsel gelegene, pittoreske Altstadt unbedingt sehenswert ist. Mittelalterliche Häuser, Kirchen, Stadtmauern und Festungsanlagen prägen das Bild.
Noch imposanter ist die mittelalterliche Stadt Kotor. Sie hat UNESCO-Welterbe-Status. Mittelalterliche Häuser, Kirchen und nicht zuletzt die berühmte, fast fünf Kilometer lange und zum Teil in atemberaubender Weise in die Felsen gebaute Stadtmauer zeugen von der einstmaligen Bedeutung der Stadt als wirtschaftlich und politisch-militärisch wichtiger Seehafen der östlichen Adria.
Die geografische Lage trug sehr viel zu ihrem Erfolg bei: Die Bucht von Kotor bot nämlich eine von Natur aus geschützte Lage, die sie vor feindlichen Angriffen sicher machte. Die Bucht von Kotor ist landschaftlich einmalig schön: Meeresausbuchtungen und Landzungen bieten ein atemberaubendes Panorama. In der Bucht von Kotor liegt die künstlich aufgeschüttete Kircheninsel Gospa od Škrpjela mit der Kirche „Maria vom Felsen“.
Völlig andersartig als die Altstädte von Budva und Kotor wirkt Cetinje, die ehemalige Hauptstadt Montenegros. Nur noch der Amtssitz des montenegrinischen Präsidenten befindet sich dort, während die Regierung des Landes in die neue Hauptstadt Podgorica verlagert wurde. Cetinje hat den Charme einer beschaulichen Kleinstadt. Sehenswert sind vor allem der Präsidentenpalast und die ehemaligen herrschaftlichen Botschaftsgebäude.
Eindrucksvoll war auch der Besuch der Ruinenstadt Stari Bar. Die Stadt wurde mehrfach durch Erdbeben und Kriege zerstört und nicht mehr aufgebaut. Geblieben sind Ruinen mit einem romantisch wirkenden Flair – heute ein Ort zum Verweilen und Ausruhen.
Nicht nur Städte, sondern auch Klöster zeugen vom kulturellen Reichtum Montenegros. Die Klöster Ostrog und Moraca sind herausragende Beispiele dafür. Sie sind Anziehungspunkte sowohl für serbisch-orthodoxe Wallfahrer als auch für kulturell interessierte Touristen.
Montenegro zeichnet sich auch durch wunderschöne Naturräume aus. Adria, Felsenküsten und vorgelagerte Inseln gehören dazu, aber auch alpine Landschaften. Besonders eindrucksvoll war eine Bootsfahrt auf dem unter Naturschutz stehenden Skutarisee im Grenzgebiet von Montenegro und Albanien, die es ermöglichte die Pflanzen- und Tierwelt, einschließlich wilder Pelikane, zu beobachten. Bemerkenswert war auch eine Wanderung im alpinen Nationalpark Biogradska mit seinen ausgedehnten Urwäldern.
Am letzten Tag der Reise stand eine Fahrt mit dem sogenannten „Tito-Zug“, der Serbiens Hauptstadt Belgrad mit der montenegrinischen Hafenstadt Bar verbindet, auf dem Programm. Die Teilstrecke von Kolasin bis Podgorica gilt mit ihren tiefen Schluchten als besonders schön.
Welches Fazit bleibt nach achttägiger Rundreise mit einem dichten Besuchs- und Besichtigungsprogramm? Ein kleines Land, aber in jeder Hinsicht vielfältig und abwechslungsreich: Montenegro ist eine Reise wert.
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