Warum Hemingway lesen? Was macht der Nobelpreisträger mit einem Autor wie Michael Kleeberg? Vor 40 Zuhörenden nicht nur aus Deutschland, auch aus Bergen, Brüssel, dem Kamerun, Kanada und den USA las der Literaturpreisträger der KAS aus seinem jüngst erschienenen Buch „Achilles in Taormina“. Und überzeugte mit den Abenteuern, in die er seinen Helden auf Hemingways Lebensspuren schickt.
Mit Abenteuern hatte auch Kleebergs Faszination für Hemingway begonnen. Aber bald entdeckte er, dass das Bild vom Aufschneider und Bonvivant auch ein „Missverständnis“ stecke, wie er im Gespräch mit dem Literaturreferenten der Stiftung sagte. Wichtiger beim Schreiben seien die Faktoren Zeit und Humor.
Kleeberg schickt seinen Erzähler, der wie er heißt, aber im Unterschied zum realen Autor ein promovierter amerikanischer Hemingway-Forscher ist, an Hemingways Lebensorte, lässt ihn mit überlebenden Zeitzeugen, Ex-Geliebten und Hemingways Freunden, Söhnen und Nachlassverwaltern zusammentreffen. In den Kapiteln, die Kleeberg vorstellte, ist es Martha Gellhorn, Hemingways dritte Frau, legendäre Journalistin, die bei dreistöckigen Whiskys mit einigen überraschenden Wahrheiten über Hemingway herausrückt.
Hemingway, so kristallisierte sich heraus, ist mehr als ein Pionier der Kurzgeschichte, mehr als Frauenheld, Großwildjäger, trinkfester Abenteurer. Auf Taormina, einem Ort in Sizilien, kam Hemingway 1918/19 zu sich selbst: als postheroische homosoziale Figur, die sich in geselligen Männerrunden wohlfühlte und über den es postum Spannendes zu erzählen gibt. Michael Kleeberg hat eine faszinierende Doppelbiographie über Realität und Fiktion eines berühmten Schriftstellerlebens geschrieben.
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