Die räumliche Nähe zur CDU-Bundesgeschäftsstelle und zur Konrad-Adenauer-Stiftung, so die Vorsitzende der Stiftung, Annegret Kramp-Karrenbauer, mache die Auswahl des Ortes für die Helmut-Kohl-Allee zu einer „guten Entscheidung“. Straßenbenennungen seien immer etwas Politisches, wie sich ihr bereits als Kommunalpolitikerin eingeprägt habe. Es sei Teil der Demokratie über die Benennung von Straßen auch zur Auseinandersetzung mit jener Person anzuregen, die auf dem Straßenschild benannt sei. Aber nicht nur die geographischen Bezüge stellte sie heraus: Dass kurz zuvor der „Margot-Friedländer-Platz“ eingeweiht worden sei, das sei ein passender zeitlicher Zusammenhang.
Bei Helmut Kohls Verdiensten hob Kramp-Karrenbauer anlässlich des ebenfalls passenden „Europatags“ vor Friede Springer, dem früheren Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, der früheren Präsidentin der freigewählten Volkskammer der DDR, Sabine Bergmann-Pohl und den zahlreichen anderen Wegbegleitern von Helmut Kohl und Ehrengästen der festlichen Versammlung, die die Adenauer-Stiftung, die Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung und die Senatskanzlei als Kooperationsveranstaltung durchgeführt haben, besonders das große Engagement des früheren Bundeskanzlers für die europäische Einigung hervor. Europa als Projekt des Friedens, der Freiheit und des Zusammenhalts, diese Vision habe Kohl zeitlebens verfolgt. Als Beispiele nannte sie – auch aus der Perspektive als Saarländerin heraus – die enge Freundschaft zu Frankreich, das Schengener-Abkommen sowie die damals nicht unumstrittene Einführung des Euro.
Die große Bedeutung des ‚Kanzlers der Einheit‘ für Berlin betonte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, in seiner Ansprache: Maueröffnung und Wiedervereinigung seien eng mit Kohls Namen verbunden. Der damalige Bundeskanzler habe den Freiheitswünschen der Menschen in der DDR 1989/90 ein politisches Fundament gegeben. „Europa, Deutschland, ja und insbesondere auch Berlin, haben Helmut Kohl unendlich viel zu verdanken“, so Wegner. Berlin als Stadt der Freiheit sei heute das Symbol der Überwindung der deutschen Teilung. Der Regierende Bürgermeister erinnerte in diesem Zusammenhang auch an das Eintreten Kohls für die Verlegung des Regierungssitzes vom Rhein an die Spree. Dank ihm sei Berlin heute die Hauptstadt des wiedervereinten Deutschlands.
Von einem bedeutsamen Tag für Berlin sprach Carsten Spallek, Stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat Bezirksamt Mitte von Berlin. Er berichtete von seiner persönlichen politischen Prägung durch Helmut Kohl und dessen Einsatz für das geteilte Berlin. Er gestand aber auch ein: „Ich hätte mir einen noch prominenteren Ort gewünscht und vorstellen können“ bekannte Spallek, so beispielsweise die Straße des 17. Juni, die zum Brandenburger Tor führe. Mit Blick auf die mehrjährige öffentliche Debatte über eine Straßenbenennung nach Helmut Kohl und die passende Ortswahl fügte er hinzu, dass das realistisch betrachtet politisch jedoch nicht durchsetzbar gewesen sei.
In dem sich anschließenden, vom Journalisten der „Welt“ Sven Felix Kellerhoff moderierten Podiumsgespräch diskutierten die Stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung und frühere Bundesministerin Gerda Hasselfeldt sowie der ehemalige Bürgerrechtler und heutige Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Frank Ebert, über die Bedeutung Kohls mit Blick auf Berlin und die Überwindung der deutschen Teilung. Sie habe Kohl als „glühenden Verfechter für die Stadt Berlin“ erlebt, so Hasselfeldt, angefangen mit einem klaren Bekenntnis zu Berlin in seiner ersten Regierungserklärung vom Oktober 1982. Sie erinnerte zudem an Kohls wichtige Rede am Tag nach der Maueröffnung vor dem Schöneberger Rathaus. Auch von Pfeifkonzerten wie am 10. November 1989 habe er sich nicht beeindrucken lassen. ‚Geht zu den Menschen‘, das sei sein Ratschlag an die Kabinettsmitglieder gewesen.
Als Jugendlicher und Teil der ökologischen Opposition in der späten DDR habe Kohl für ihn damals zunächst keine große Rolle gespielt, bekannte Ebert. Er führte zudem die Bedeutung der Friedlichen Revolution in der DDR als Voraussetzung für Kohls Erfolg bei der Realisierung der Deutschen Einheit ins Feld, was die Verdienste des CDU-Politikers in keiner Form schmälere. Damals habe er die Wiedervereinigung wie große Teile der Bürgerrechtsbewegung eher kritisch gesehen, heute erkenne er aber Kohls besondere Rolle an. Und er fügte hinzu: „Stelle man sich mal vor, wir hätten Oskar Lafontaine […] als Bundeskanzler gehabt.“ Passend zum europapolitischen Engagement Kohls war auch die musikalische Umrahmung. Die „Ode an die Freude“ aus Beethovens 9. Symphonie leitete dann zur anschließenden Enthüllung des Straßenschildes über.О циклах публикаций
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