Lehr, Robert

Oberbürgermeister, Oberpräsident, Bundesminister, Dr. jur., * 20.08.1883 Celle, † 13.11.1956 Düsseldorf, evangelisch

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Studium der Rechtswissenschaften in Marburg, Berlin, Bonn und Heidelberg, 1908 Promotion, 1912 große juristische Staatsprüfung, 1913 Stadtassessor in Düsseldorf, Ende 1914–1918 Leiter des Polizeidezernats, 1919–1924 des Finanzdezernats, 1924–1933 Oberbürgermeister; 1945 Mitgründer der CDU Düsseldorf; 1945 Oberpräsident der Nordrheinprovinz; 1946–1950 MdL Nordrhein-Westfalen, 1946-47 Landtagspräsident; 1949–1953 MdB; 1950–1953 Bundesinnenminister.

Als Nachfolger des von der französischen Besatzungsmacht ausgewiesenen Düsseldorfer Oberbürgermeisters Emil Koettgen wurde Lehr am 12. Juli 1924 zu dessen Nachfolger gewählt und wirkte in den folgenden Jahren sehr erfolgreich für die wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung Düsseldorfs. Seit Anfang 1929 Mitglied der DNVP, wurde Lehr in der NS-Zeit von den neuen Machthabern verhaftet und entlassen. Bis 1945 lebte er als Privatmann in Düsseldorf, hatte aber Kontakte zum Düsseldorfer Widerstandskreis um Karl Arnold und Walther Hensel. Nach Kriegsende wirkte Lehr an der CDU-Gründung in Düsseldorf mit und wurde Vorstandsmitglied der CDU-Rheinland. Die britische Besatzungsmacht setzte ihn im November 1945 als Nachfolger von Johannes Fuchs zum Oberpräsidenten der Nordrhein-Provinz ein, machte ihn aber nicht, wie Lehr wohl gehofft hatte, zum ersten Ministerpräsidenten des im Juli 1946 neu gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen. Als Landtagsabgeordneter und Mitglied des Parlamentarischen Rates sowie des Deutschen Bundestages übernahm Lehr mehr und mehr Aufgaben in der Bundespolitik und wurde von Bundeskanzler Konrad Adenauer am 11. Oktober 1950 als Nachfolger des zurückgetretenen Innenministers Gustav Heinemann ins Bundeskabinett berufen. Lehr betrieb eine christlich-konservative Politik der inneren Sicherheit, stärkte die Polizei und baute den Bundesgrenzschutz auf.

Literatur

W. Först, in: Ders. (Hg.), Aus dreißig Jahren. Rheinisch-Westfälische Politiker-Porträts (1979); B. Kaff, in: G. Buchstab/K. Gotto (Hg.), Die Gründung der Union (1980); 50 Jahre Landtag Nordrhein-Westfalen. Das Land und seine Abg. (1996); H. Fenske, in: U. Kempf/H.-G. Merz (Hg.), Kanzler und Minister 1949–1998 (2001). – Bestand: Stadtarchiv Düsseldorf; BA Koblenz.

Kurt Düwell