Seit Jahren scheinen die Mietpreise in den Städten nur eine Richtung zu kennen: die nach oben. In der Konsequenz sind bezahlbare Wohnungen mittlerweile in vielen Städten Mangelware, was erheblichen sozialen Sprengstoff birgt. Verlockende einfach scheint es, in dieser Situation den Rufen nach Mietendeckel und Enteignung stattzugeben. Doch würde das die Wohnungsnot wirklich lindern? Was sind die Ursachen für die aktuelle Knappheit? Wie kann diese beseitig werden hier in Erfurt? Um diese Fragen sachlich und lösungsorientiert zu diskusstieren, veranstaltete das politische Bildungsforum Thüringen der Konrad-Adenauer-Stiftung die Gesprächsrunde „Was tun gegen die Wohnungsnot?“. Mit als Gäste dabei waren der Wohnungsmarktexperte Dr. Reiner Braun, der CDU-Stadtrat Dominik Kordon, der SPD Stadtrat und Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds Thüringens Frank Warnecke, sowie der Immobilienentwickler Tobias Schallter.
Nach einigen kurzen einleitenden Worten durch den betreuenden Referenten Daniel Braun, startete die Veranstaltung mit einem ca. 30-minütigen Vortrag des Wohnungsbauexperten Dr. Reiner Braun. Analytische arbeitete dieser die vielschichtigen Ursachen für die akute Wohnungsknappheit in den Städten heraus und beleuchtete im ersten Schritt die Nachfrageseite. So hab es zum Ersten in den letzten Jahren drei große Zuwanderungswellen nach Deutschland gegeben. Zum Zweiten würde es insbesondere unter den Jüngeren eine starke Wanderbewegung von dem Land in die Städte geben. Zum Dritten würden die aktuellen Niedrigzinsen zunehmend zur Umschichtung von Kapital in den Wohnungsmarkt führen, was zusätzlich die Nachfrage befeuern würde. An dieser Stelle plädierte Dr. Braun dafür, die Haltungskosten von Bauland zu erhöhen, mit dem Ziel Bodenspekulationen unattraktiver zu machen. Verschärft wird die einstehende Knappheit insbesondre durch ein nicht in der gleichen Geschwindigkeit wachsendes Angebot. Auch hierfür seien die Ursachen vielfältigen und reichen von einer unzureichenden Stadtentwicklungspolitik bis hin zu einem extrem restriktiven deutschen Baurecht und langwierigen Planungsbürokratie. Als Resultat herrsche in den Städten Wohnungsknappheit, währen auf dem Land zunehmend Wohnfläche leer stehen würde. Dr. Braun schlussfolgerte, dass es notwendig sei, dass Land für junge Familien durch gute ÖPNV Anbindungen und reichhaltiges Kulturangebote wieder attraktiver zu machen.
Im Anschluss folgte eine sehr lebhafte, spannende und interessante Diskussion zwischen den verschiedenen Teilnehmern. Dabei füllten die Diskussionsteilnehmer die allgemeinen analytischen Ausführungen von Dr. Braun mit konkreten Beispielen, Problemen und Umsetzungen für Erfurt. Deutlich wurde, wie schwierig im Konkreten die Abwägung der verschiedenen berechtigten Interessen ist. So könne zwar Wohnungsraum durch Verdichtung gewonnen werden, aber um den Preis, dass die Kleingartensiedlungen aus den inneren Stadtbezirken verschwinden. Zum Ende der Diskussionsrunde beteiligte sich lebhaft auch das Publikum. Nach einer regen Diskussion beendete Herr Braun um 20.00 Uhr die Veranstaltung.
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