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IMAGO / ZUMA Press Wire

Thailand vor den Wahlen

Richtungswechsel oder Status Quo?

Am 8. Februar 2026 wird in Thailand eine neue Regierung gewählt, weniger als drei Jahre seit dem letzten regulären Urnengang. Notwendig wurden die vorgezogenen Neuwahlen durch die Amtsenthebung von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra im August 2025, in deren Folge eine Minderheitsregierung unter Anutin Charnvirakul, dem dritten Premierminister seit 2023, geschäftsführend und befristet die Geschicke übernahm. Diese Zeit geht nun zu Ende – am 12. Dezember 2025 wurde das Parlament aufgelöst, im Januar der Wahltermin bekannt gegeben. Zudem findet am selben Tag ein Referendum zum Für und Wider einer Verfassungsreform statt, die über die grundsätzliche politische Architektur des Landes langfristig entscheidet. Was steht auf dem Spiel, welche Szenarien zeichnen sich ab und was bedeutet das für die Zukunft des Landes? Ein Überblick.

IMAGO / Bashir Daher

Neuer Jemen, neuer Golf

Der Krieg im Jemen und das Zerwürfnis zwischen Riad und Abu Dhabi

Im Zuge der dramatischen Ereignisse im jemenitischen Bürgerkrieg über den Jahreswechsel haben sich die Karten im regionalen Machtgefüge zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) neu gemischt. Die Militäroffensive von emiratisch-unterstützten Separatisten und der Gegenschlag der mit Saudi-Arabien verbündeten jemenitischen Regierung sind mehr als nur ein weiteres Kriegskapitel – sie brachten das Fass der Spannungen zwischen den beiden Golf-Monarchien zum Überlaufen. Nicht nur trat erstmals die lange schwelende Animosität zwischen Riad und Abu Dhabi offen zu Tage, die Auseinandersetzung macht auch eine weitere Runde an Konfrontationen am Golf wahrscheinlicher und wirft grundlegende Fragen über die Stabilität im Nahen Osten auf, für welche die Golf-Staaten noch vor kurzem als Garantiemächte galten. Nun könnte eine neue Phase der Politik am Golf eintreten, mit zwei konträren Polen des Golf-Kooperationsrates (GCC), die mithilfe unterschiedlicher Koalitionäre gegensätzliche regionale Visionen verfolgen. Ebenso bleibt der Bruch des einstigen Bündnisses Saudi-VAE nicht ohne Konsequenzen für Europas Außenpolitik in Nahost, welche eigentlich auf beide Protagonisten als Stabilitätsanker setzt.

IMAGO / Zoonar

Mexiko-Ausblick 2026

Mexiko im Stresstest: US-Interventionsdruck, Demokratieabbau und fragile Sicherheit

Seit der US-amerikanischen Militärintervention in Venezuela gelten mögliche Operationen der USA in Mexiko nicht länger als bloße Drohkulisse. Entsprechende Ankündigungen aus Washington werden inzwischen auch in Mexiko als reales politisches Risikoszenario wahrgenommen und stellen Präsidentin Sheinbaum vor eine außen- wie innenpolitische Bewährungsprobe. Gleichzeitig befindet sich das Land in einer Phase tiefgreifender institutioneller Umbrüche. Nach der weitreichenden Schwächung rechtsstaatlicher Strukturen im Jahr 2025 könnte 2026 mit der angekündigten Wahlrechtsreform auch die Legislative faktisch unter die Kontrolle der Regierungspartei geraten. Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, würde die ohnehin fragile demokratische Balance weiter substanziell beschädigt. Parallel dazu zeigt sich in der Sicherheitslage ein uneinheitliches Bild. Während die Zahl der registrierten Tötungsdelikte zurückgeht, steigt die Zahl der Verschwundenen weiter an. Zugleich bleibt das Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung hoch.

IMAGO / ZUMA Press Wire

Kommunalwahlen in Frankreich 2026

Ein Gradmesser für die Präsidentschaftswahlen

Im März 2026, sechs Jahre nach der letzten Wahl, werden in Frankreich die Kommunalvertretungen neu gewählt. Als letzte landesweite Direktwahlen vor der Präsidentschaftswahl 2027 messen die Parteien diesem Urnengang eine besondere Bedeutung bei, obwohl kommunale Ergebnisse traditionell nur begrenzt nationale Stimmungen abbilden. Angesichts der instabilen nationalen politischen Lage, in der die Kommunalwahlen in diesem Jahr stattfinden werden, könnte sich diese Tendenz jedoch ändern. Seit der Auflösung der Nationalversammlung im Jahr 2024 ist die politische Steuerungsfähigkeit auf staatlicher Ebene geschwächt, parlamentarische Mehrheiten bleiben instabil und das Vertrauen in nationale Institutionen steht unter großem Druck. Es scheint, als könnte die politische Bedeutung der Kommunalwahlen daher diesmal stärker auf nationaler Ebene durchschlagen, beziehungsweise von dieser beeinflusst werden. Entsprechend verschiebt sich der Blick auf die Kommunen: 2026 werden sie zu zentralen Prüfsteinen politischer Glaubwürdigkeit, Handlungsfähigkeit und Organisation.

KAS/Althusmann

Führt eine ‚Weltordnung im Umbruch‘ Kanada in eine neue Führungsrolle?

Warum geopolitische Umbrüche Kanadas Rolle in der internationalen Weltordnung und im transatlantischen Bündnis neu bestimmen werden

Der andauernde Handelskrieg mit den USA bleibt eine der größten Herausforderungen. Kanada will deshalb seine Partnerschaft mit Europa und dem Indopazifik-Raum weiter ausbauen. Carney sprach bereits im November 2025 vom Epochenbruch und einer Entwicklung hin in eine neue Weltordnung, die von ernsthaften Konflikten und einem Zusammenrücken der Mittelmächte geprägt sein könnte. Der befürchtete Rückzug der USA läutet womöglich tiefgreifende Veränderungen der ‚alten NATO‘ ein und erfordert eine neue Sicherheitsarchitektur. Kanada wird seine Bereitschaft, als Mittelmacht mehr Verantwortung und Führung zu übernehmen, jetzt beweisen müssen. Aber vor allem auch innenpolitisch bleiben die Herausforderungen für die amtierende Regierung Carney weiterhin enorm. Hohe Arbeitslosigkeit gerade unter der jungen Generation, fehlender Wohnraum und hohe Verteidigungsinvestitionen erfordern klare Antworten und einen klaren Kurs. Der kanadische Premierminister Carney und seine Minderheitsregierung müssen liefern.

IMAGO / Xinhua

Rechtspopulismus gewinnt Wahlen in Costa Rica

Kontinuität des „Chavismo“ als epochale Zäsur

Laura Fernández von der Partei Pueblo Soberano („Souveränes Volk“) gewinnt die Präsidentschaftswahl in der ersten Wahlrunde mit 48,33% der Stimmen (bei bisher 93,79% Stimmauszählung) und schafft es mit ihrer Partei auf eine Mehrheit der Sitze im Parlament. Der Kandidat der traditionsreichen Partido Liberación Nacional (PLN) erzielte zwar ein historisch gutes Ergebnis, aber war dennoch der Erstplatzierten deutlich unterlegen. Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vom 1. Februar 2026 markieren somit einen historischen Wendepunkt in der politischen Geschichte Costa Ricas. Das Land, das über Jahrzehnte als demokratische Ausnahmeerscheinung in Mittelamerika galt, hat eine Wahl erlebt, die weit über die Entscheidung über Personen und Parteifarben hinausgeht. Es ging um die grundlegende Frage, wie Costa Rica künftig regiert werden soll: durch institutionellen Dialog, Gewaltenteilung und Konsens – oder durch eine machtkonzentrierte Politik, die auf Konfrontation und strukturellen Systemumbau setzt. 

IMAGO / Xinhua

Der 14. Parteikongress der Kommunistischen Partei Vietnams

Neues Mandat, neue Maßstäbe - Generalsekretär To Lam und seine epochale Reformagenda

Der 14. Nationale Parteikongress der Kommunistischen Partei Vietnams fand vom 19. bis 23. Januar 2026 in Hanoi statt. Beim wichtigsten politischen Großereignis des Landes wählen über 1500 Delegierte für die nächsten fünf Jahre ein neues Zentralkomitee mit 200 Mitgliedern, aus dessen Reihen die Mitglieder des Politbüros hervorgehen. Der diesjährige Parteikongress war für die Entwicklungsstrategie Vietnams richtungsweisend, denn zur Probe standen die umfassendsten Reformen seit Vietnams wirtschaftlicher Öffnung im Jahr 1986.

IMAGO / Avalon.red

US-Meinungen nach dem ersten Jahr in Trumps zweiter Amtszeit

“Move Fast and Break Things”

Stärke zeigen, Traditionen in Frage stellen, die Interessen Amerikas – und die eigenen – in den Mittelpunkt stellen: Das erste Jahr der zweiten Amtszeit von Präsident Trump war ein Wirbelwind an nationalen und internationalen Veränderungen. Besonders außenpolitisch hat er die Rolle der USA tiefgreifend verändert – und die bestehende Ordnung in Frage gestellt.

Michael Rimmel

Israels Narben nach dem 7. Oktober: Die Rückkehr der Geiseln und das nationale Trauma

Wie der Angriff der Hamas gesellschaftliche Bruchlinien offenlegt und alte Prinzipien infrage stellt

Am 26. Januar 2026 kamen die sterblichen Überreste von Ran Gvili, der letzten israelischen Geisel in den Händen der palästinensischen Terroristen, zurück nach Israel. Der Polizeioffizier einer Eliteeinheit hatte am 7. Oktober 2023 gegen die Hamas gekämpft, wurde dabei von Terroristen getötet und in den Gazastreifen verschleppt.  Mit der Rückgabe seines Leichnams ist nun seit 2014 erstmals keine israelische Geisel in den Händen der Hamas. Nun kann seine Familie und die gesamte Gesellschaft Abschied nehmen. Ran Gvili steht symbolisch für die zwei Traumata, die Israel seit dem 7. Oktober 2023 erlitten hat. Dem ersten Trauma, der Angriff am 7. Oktober mit über 1.200 Toten, folgte das zweite, eine Geiselnahme von 251 Geiseln, zum Teil zwei Jahre gefangen in den Händen der Hamas.  Es wird deutlich, dass der 7. Oktober nicht der Beginn, sondern eine dramatische Zuspitzung eines bereits bekannten Musters ist.

IMAGO / Xinhua

EU-Jordanien-Gipfeltreffen

Symbolischer Schritt für eine strategische Partnerschaft

Mit dem ersten bilateralen Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union (EU) und Jordanien setzten beide Akteure ein Signal für die Vertiefung ihrer Partnerschaft in Zeiten regionaler Instabilität im Nahen Osten. Mit ihrer Unterstützung für Jordanien möchte die EU das Partnerland in seiner wichtigen stabilisierenden Rolle in der Region stärken und entsprechend zur internen Stabilität des Landes beitragen, insbesondere durch die Ankurbelung der Wirtschaft. Für die EU bietet die vertiefte Partnerschaft außerdem eine Gelegenheit, sich im Kontext der zunehmend unberechenbaren US-Außenpolitik als verlässlicher Partner und Akteur im Nahen Osten zu profilieren.