Methodeneinsatz - Einstiegsmethoden

Teilnehmer an einem Seminar, die zum ersten Mal zusammenkommen, bewegen sich oft in typischen Spannungsfeldern zwischen Neugier und Interesse auf der einen sowie Zurückhaltung und Unsicherheit auf der anderen Seite.

Oft unausgesprochene Fragen sind:

  • Was kommt auf mich zu?
  • Reicht mein Fachwissen/Können aus?
  • Sind andere Teilnehmer besser?
  • Wie komme ich mit anderen Teilnehmern, mit den Dozenten, mit der Tagungsleitung zurecht?
Der Tagungsleiter bzw. Dozent sollte diese angespannte Anfangssituation aufnehmen und den Seminarstart mit geeigneten Einstiegsmethoden für alle erleichtern. Wer diese Aufgabe übernimmt, sollte von dem Hauptamtlichen Mitarbeiter festgelegt und abgestimmt werden.

Erfahrungsgemäß ist die Teilnehmerstruktur vieler Tagungen eher gemischt, was die Erfahrungen, das Können als bzw. die Wissensgrundlagen betrifft. Genau diese unterschiedlichen Voraussetzungen im Teilnehmerkreis sollten zu Beginn eines Ausbildungslehrgangs für alle transparent gemacht werden.

Das Ziel: Miteinander beginnen!

Andererseits besteht bei der Seminareröffnung meist eine „abwartende“ Passivität. Für die Planung, vor allem von aktiven Lernphasen, ist es jedoch wichtig, dass das „Eis“ gebrochen wird, und die Kommunikation zwischen den Teilnehmern von Seiten der Tagungsleitung aktiv gefördert wird. Der Tagungsleiter bzw. der erste Dozent sollte diese Anfangssituation entspannen. Bei der Auswahl der Methoden ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn die Stimmungen und Reaktionen, die durch Beiträge erzeugt werden, können mannigfaltig ausfallen.

Um die abwartende bzw. passive Haltung der Teilnehmer aufzubrechen, sollten Seminar-Eröffnungen folgende Elemente enthalten:

  • Durch Information Sicherheit bieten (Struktur der Veranstaltung und gemeinsame Ziele verdeutlichen, Wünsche, Vorstellungen, Tätigkeitsfelder der Teilnehmer transparent mache, „do’s & dont’s“, Ettikette etc.)!
  • Kontaktaufnahme und Kommunikation zwischen den Teilnehmern fördern!
  • Hemmschwellen zwischen Teilnehmern und Dozenten/Leiter abbauen (Statements, Fragen der Teilnehmer)!
  • Gemeinsamen Zugang zu Themenschwerpunkten des Lehrgangs schaffen!
Auch wenn sich die Teilnehmer bereits kennen, ist ein Einstieg in die Veranstaltung sinnvoll, um auf das Thema (Lernziele beachten!) hinzuführen, und die Gesprächsbereitschaft der Teilnehmer zu befördern.

Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für Einstiege. Nicht alle sind für jeden Veranstaltungstyp bzw. jede Zielgruppe geeignet. Bei Rückfragen bzw. Interesse an weiteren Methoden wenden Sie sich gerne an die

Merke: Wie immer sollte sich die Auswahl der Methode an der Zielsetzung der Veranstaltung und dem Teilnehmerkreis orientieren.

Einstiegsmethoden

1. Vorstellungsrunde

Ziel: Teilnehmer lernen sich gegenseitig kennen, tauschen Erwartungen und Vorstellungen aus.

Tipp: Um die Situation aufzulockern, kann der Tagungsleiter die Reihenfolge der Vorstellung auflockern, indem Geburtstagsgruppen (Juni/Juli o.ä.) oder regionale Gruppen (Bundesländer o.ä.) gebildet werden.

2. Partnerinterview

Ziel: Schrittweises Kennenlernen, Partner stellen sich später gegenseitig vor der Gruppe vor.

Ablauf:Die Teilnehmer stellen sich vor, sie sind ein/e Reporter/in. Die Redakteur/in hat sie beauftragt, über die Partner eine Seite in der

Lokalzeitung zu gestalten. Sie sollen nun den Partner auf dieser Seite möglichst gut beschreiben. Fragen können z.B. sein:

  • Beschreiben Sie sich in drei Sätzen.
  • Beschreiben Sie ihren Arbeitsalltag.
  • Ihre Hobbys sind…
  • Wer ist Ihnen wichtig und warum?
  • Wen würden sie auf eine einsame Insel mitnehmen
  • Sie haben im Lotto gewonnen. Was machen Sie mit dem Geld?
  • Womit kann man Ihnen eine Freude bereiten
  • Was ist Ihnen wirklich wichtig?
  • Was kann sie aus der Fassung bringen?
  • In welchen Situationen sind Sie um Hilfe dankbar?
  • Diesen Traum möchte ich mir einmal erfüllen?
  • Wenn ich Bundeskanzler/in wäre...
  • Ihr Lebensmotto?
Tipp: Beim Partnerinterview können die Teilnehmer Portraits oder Steckbriefe des Partners anfertigen, welche auf einer Wäscheleine aufgehängt für alle Teilnehmer während des Seminars zugänglich bleiben.

3. Steckbrief

Ziel: Teilnehmer stellen sich mit Hilfsmitteln der Gruppe vor.

Material: Din-A4-Bögen mit vorbereiteten Stichworten:

Mögliche Angaben: Name, Ich wohne in, Meine Arbeit, Meine Familie, Meine Hobbys sind,

Diesen Menschen mag ich besonders, Mein Vorbild ist, Eine Fee erfüllt mir drei Wünsche, Wenn ich einmal aussteige, dann...

4. Erwartungsinventar

Ziel: Erwartungen der einzelnen Teilnehmer werden für alle transparent gemacht (schriftlich auf Flip-Chart oder Metaplan-Karten fixieren und während des Seminars zugänglich machen).

5. Viereckmethode

Dauer: ca. 15 Minuten

TN-Zahl: 10-40 Teilnehmer

Ziel: Schrittweises Kennenlernen in kleineren Gruppen, ins Thema einsteigen und Meinungen austauschen

Material: mit Symbolen bemalte Karten und Zettel, eventuell Karten/ Wandzeitungen und Filzschreiber für jede Gruppe und eine Pinnwand zum späteren Sammeln und visualisieren der Ideen. Auf Karten oder Zettel werden Symbole gemalt: Dreieck, Viereck, Quadrat, Vieleck, Pfeil o.ä.

Ablauf:Die Teilnehmer sitzen im Kreis. Der Tagungsleiter oder Dozent legt die Zettel mit den Symbolen im Kreisinneren aus und benennt die Sachfrage. Er bittet die Teilnehmer nun, sich zu dem Symbol zu stellen, das am ehesten der jeweiligen Haltung, Einstellung, Meinung entspricht. Die so gebildeten Kleingruppen tauschen nun in einem ersten kurzen Gespräch ihre Meinungen aus. Diese Phase sollte nicht länger als 15 Minuten dauern. Die Gruppen notieren ihre Schwerpunkte auf Karten bzw. auf einer Wandzeitung (nicht erforderlich aber empfehlenswert). Anschließend kommt die Gesamtgruppe wieder zusammen. Die Kleingruppen berichten nun von ihren Diskussionen.

Hinweis: Die Symbole müssen in Zahl und Form sorgfältig ausgewählt werden. Je nach Teilnehmerzahl muss die Zahl variiert werden. Entscheidend ist, wie viele Gruppen gewünscht sind.

Die Methode birgt viel Potential in sich. Die individuelle Interpretation der Symbole und die Verbindung zur eigenen Haltung regt zum Austausch geradezu an.

6. Parcours

Dauer: 20 Minuten (mit Auswertung)

TN-Zahl: für kleiner Gruppen (bis ca. 20 Teilnehmer)

Ziel: Wissen der Teilnehmer einbeziehen, Wünsche, Erwartungen und Sorgen visualisieren und zum Ausdruck bringen.

Material: Flipchartbögen und Ständer, Pinnwände, Filzstifte (Variante: Karten in verschiedenen Farben / je nach Anzahl der Fragen)

Ablauf:Beim Betreten des Raumes werden die Teilnehmer durch einen kleinen Parcours geleitet. Dieser besteht aus mehreren Flippcharts oder Papierbögen, auf denen jeweils eine Frage steht. Am Eingang des Parcours werden die Teilnehmer mit den Parcoursregeln vertraut gemacht:

  • Wir laden Sie eine, unseren kleinen Parcours zu durchlaufen.
  • Beantworten Sie dabei bitte alle (je nachdem) 3 Fragen.
  • Schreiben Sie Ihre Antwort direkt auf den Bogen.
  • Bitte notieren Sie diese nur in Stichworten, nicht in ganzen Sätzen.
  • Schreiben Sie bitte nicht zu klein.
  • Wenn Sie fertig sind, suchen Sie sich bitte einen Platz.
Dann erhalten die Teilnehmer einen Stift und los geht’s.

Die Fragen, die auf den Bögen stehen, können allgemeiner Art oder auf das jeweilige Thema bezogen sein. Hier ein paar Beispiele:

  • Was wünsche ich mir von dem Seminar?
  • Was interessiert mich am meisten an dem Thema?
  • Was möchte ich hier nicht hören oder erleben?
  • Welche Vorstellungen habe ich zum Thema: Soziale Marktwirtschaft/ Europa/….?
  • Welche negativen Wirkungen kann x auf unsere Gesellschaft haben?
Sind alle Teilnehmer auf ihrem Platz, werden die Papierbögen schnell vorne aufgebaut/aufgehängt und die Ergebnisse besprochen. Hier kann, je nach Fragestellung, auf einzelne Aspekte bereits eingegangen werden, z.B. ob die Wünsche mit dem geplanten Ablauf übereinstimmen. Im Laufe des Seminars können die Dozenten immer wieder auf die Ergebnisse zurückgreifen. Neu hinzugekommene Dozenten können sich schnell orientieren. Ebenso ist es möglich, Teilnehmer zu bitten, ihre Antworten zu erläutern oder noch einmal mündlich vorzutragen.

Schöner Nebeneffekt: Die Teilnehmer, die nebeneinander an der Parcoursstation stehen, kommen bereits ins Gespräch. Auch später werden sie sich daher eher am Gespräch beteiligen.

7. Einleitendes Rollenspiel (Sketch)

Dauer: ca. 5 Minuten

TN-Zahl: 10-100

Ziel: Einführung in das Thema des Seminars/der Veranstaltung. Das Rollenspiel ermöglicht es, Ängste, Unsicherheiten, sowie gängige Alltagstheorien über vermeintliche Folgen politischer Entscheidungen o.ä. auf amüsante Weise zu thematisieren.

Material: Je nach Inhalt des Rollenspiels. Grundsätzlich jedoch nicht zuviel Aufwand, da die Szenerie (z.B. am Stammtisch), im Dialog erläutert werden kann.

Ablauf:Das Rollenspiel wird unkommentiert direkt zu Beginn der Veranstaltung/des Seminars von dem Dozenten und/oder einer weiteren Person wie z.B. dem Tagungsleiter oder Hauptamtlichen Mitarbeiter) vorgetragen. Die Teilnehmer werden lediglich durch eine kurze Ankündigung auf das beginnende Rollenspiel hingewiesen. Der Inhalt wird auf das Thema des Seminars abgestimmt. Im Laufe der Veranstaltung kann wiederholt und vertiefend auf das Rollenspiel Bezug genommen werden: Welche Einstellungen zeigen sich? Wo liegt der Konflikt? Welche Handlungsmuster tun sich auf? Welche Vorurteile schweben in der Luft? Etc.

Es könne auch Situationen aus dem Alltag der anwesenden Teilnehmer vorgespielt werden. Durch haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich selbst wiederzuerkennen, ohne direkt persönlich angegriffen zu werden.

8. Pro & Kontra – Streitgespräch/Expertenrunde

Dauer: ca. 30 Minuten

TN-Zahl: mindestens 10

Ziel: Polarisierende Meinungen spielerisch aufgreifen, zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen bzw. Argumenten zum Thema und zum Perspektivwechsel anregen.

Material: Präsentationstechnik (Beamer, Laptop, Overhead-Projektor etc.)

Ablauf:Die Teilnehmer werden in Kleingruppen aufgeteilt und gebeten, sich mindestens fünf Pro- bzw. Kontra-Argumente zum Diskussionsthema (z.B. Einführung einer Jungendquote bei Wahlen usw.) zu überlegen. Bei der Aufteilung der Gruppen in Pro- und Kontra kann darauf geachtet werden, dass gerade Teilnehmer, die man eher als ablehnend einschätzt, Pro-Argumente sammeln müssen bzw. umgekehrt. Zum Formulieren der Argumente haben die Teilnehmer etwa 10 Minuten Zeit.

Dann werden sie zurück ins Plenum geholt und im Stil einer Talk-Show begrüßt: „Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben zu unserer Talkshow, in der wir uns heute der Frage widmen: „Die „Alten“ regieren das Land – Brauchen wir statt der Frauenquote eine Jugendquote bei Wahlen“. Dazu haben wir zahlreiche Expertinnen und Experten geladen, die ganz kontroverse Meinungen vertreten: Demographieexperten, Politiker, engagierte Schülerinnen und Schüler, die sich mit dem Thema befasst haben… Ich möchte nun das Kontra-Lager bitten, ein Eingangsstatement abzugeben…“.

Wechselnd kommen dann Pro- und Kontra-Gruppen zum Zug, und müssen gegen das andere „Lager“ argumentieren. Dabei muss darauf geachtet werden, dass beide Seiten etwa gleich viele Argumente nennen können. Diese sollten auch in einer Tabelle stichwortartig mitgeschrieben werden. Nach etwa zehn Minuten werden die Teilnehmer verabschiedet „Schade, aber unsere Zeit ist um. Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn wir wieder ein spannendes Thema behandeln…“.

Nun wird überlegt, welche „Antwort“ es auf die gestellte Frage gibt, wo die Argumente ausgewoben sind. IN der anschließenden Diskussion wird deutlich, dass es keine einfachen Antworten und Patentlösungen gibt, sondern dass die Kontra-Argumente durchaus Beachtung finden müssen.

Variante: Ein stummes Streitgespräch, bei dem die Teilnehmer auf einer großen Wandzeitung ihre Meinung zu einer Frage stichwortartig notieren. Nach etwa zehn Minuten wird die Wandzeitung gut sichtbar aufgehängt und die Aussagen nur kurz zusammengefasst. Dieses Vorgehen eignet sich gut zum Einstieg in eine Veranstaltung. Im Verlauf können die Argumente dann immer wieder aufgegriffen werden (siehe Methode „Parcours“).

Didaktik und Methodik