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Köhler in Kolumbien

от Dr. Carsten Wieland

Erster Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten seit 36 Jahren

Zum ersten Mal seit 36 Jahren hat wieder ein deutscher Bundespräsident Kolumbien besucht. Horst Köhler und seine Frau Eva Luise sprachen mit deutschen und kolumbianischen Unternehmern sowie deutschen Vertretern der Entwicklungszusammenarbeit im Land, darunter auch mit den deutschen Stiftungen in Kolumbien.

Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe bat Köhler auf einem Empfang, als "unser Botschafter in Europa" ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union voran zu treiben und nicht erst zu warten, bis ein umfassendes Assoziierungsabkommen mit der Andinen Region abgeschlossen sei. Außerdem verwies Uribe auf die verbesserte Sicherheitslage im Land und rief europäische Firmen auf, in Kolumbien zu investieren. Deutschland könne dabei helfen. Köhler sagte, Kolumbien sei auf einem guten aber schwierigem Weg. Er sehe derzeit jedoch mehr Anzeichen für Hoffnung.

Auf einem Forum der Deutsch-Kolumbianischen Industrie- und Handelskammer und dem DAAD betonte Köhler die Notwendigkeit von Chancengleichheit und eines durchlässigen Bildungssystems. Er selbst sei als Bauernsohn aufgewachsen und habe sich dank des deutschen Bildungssystems hocharbeiten können. In Anspielung an das Humboldt'sche Bildungsideal sagte Köhler, Bildung sei mehr als Wissen, sondern bestehe aus Fähigkeiten "mit der Hand, mit Herz und Hirn." Ein gebildeter Mensch besitze auch Empathie und zeige Solidarität mit sozial Schwächeren. In Kolumbien sei ein solcher Bildungsbegriff nötig, um die soziale Kluft zu mildern und gesellschaftlichen Ausgleich zu fördern. Der Bundespräsident rief zugleich Unternehmer auf, mehr soziale Verantwortung zu zeigen und plädierte für eine engere Kooperation zwischen Unternehmern und Wissenschaftlern.

Bei seinem Gespräch mit deutschen EZ-Vertretern interessierte sich Köhler vor allem für den Drogenanbau, der nach Einschätzung der deutschen Experten ein Querschnittsproblem in Kolumbien darstellt und den Binnenkonflikt stetig nährt. Ein erfolgreiches Rezept zur Bekämpfung des Drogananbaus und -handels existiere derzeit nicht, waren sich die Experten einig. In Kolumbien werde daher selbst in kirchlichen und konservativen Kreisen eine Legalisierung von Drogen als Ausweg diskutiert, ohne dass jedoch eine realistische Aussicht auf eine Umsetzung dieses Ansatzes bestehe.

Die Meinungen der deutschen EZ-Experten zum Friedensprozess gingen auseinander. Während einige den militärischen Ansatz Uribes als gescheitert kritisierten, verteidigten die drei politischen Stiftungen in Kolumbien einhellig das Vorgehen, den Konflikt durch militärische Stärke und Verhandlungsbereitschaft zugleich anzugehen. KAS-Büroleiter Carsten Wieland verwies auf den gescheiterten Friedensprozess unter Ex-Präsident Andrés Pastrana. Damals habe der Staat aus einer Position der Schwäche verhandelt, was die FARC nicht zum Einlenken bewegt habe.

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