Vietnam im Kontext geopolitischer Fragmentierung
Vietnam wird oft als Beispiel für die Strategie ‚China+1‘ genannt. Multinationale Unternehmen versuchen, ihre Abhängigkeiten zu verringern, indem sie neben China zusätzliche oder komplementäre Standorte in anderen asiatischen Ländern aufbauen. Gründe hierfür sind steigende Lohnkosten, regulatorische Unsicherheiten, Handelskonflikte sowie wachsende geopolitische Spannungen. Vietnam hat sich in diesem Kontext als einer der zentralen Profiteure herauskristallisiert. Das Land verbindet geographische Nähe zu China mit wettbewerbsfähigen Produktionskosten, politischer Stabilität und einer rasch wachsenden industriellen Basis.[2]
Parallel dazu gewinnt Vietnam in den globalen Wertschöpfungsketten Südostasiens an Bedeutung. Der Aufstieg beruht auf einer tiefen Integration in internationale Produktionsnetzwerke besonders in Elektronik sowie Textil- und Schuhindustrie, daneben in Möbeln und Maschinenbau. Zugleich expandiert Vietnam zunehmend in höherwertige Segmente wie Halbleiter und Elektroteile.[3]. Die Einbindung Vietnams in regionale Freihandelsabkommen wie CPTPP und RCEP sowie das bilaterale Handelsabkommen EVFTA mit der EU erhöht zusätzlich die Standortattraktivität für internationale Unternehmen.[4]
Gleichzeitig schärft Vietnam sein außenpolitisches Profil. In Reden und strategischen Dokumenten der Parteiführung ist zunehmend von einer „Ära des Aufstiegs“ die Rede. Der Begriff steht für eine aktivere Diplomatie, vertiefte wirtschaftliche Öffnung und den Anspruch, in Südostasien eine zentralere Rolle zu übernehmen.[5] Dieses außenpolitische Selbstverständnis entspricht der Bamboo Diplomacy, einem vom ehemaligen Parteichef Nguyen Phu Trong geprägten Ansatz, der Flexibilität im Umgang mit Großmächten mit stabilen innenpolitischen Leitlinien verbindet. Vietnam vertieft wirtschaftliche Beziehungen zu diversifizierten Partnern wie den USA, Japan, Südkorea und der EU, ohne gegenüber China eine konfrontative Linie zu verfolgen. Diese Balancepolitik schafft ein berechenbares außenpolitisches Umfeld und erhöht Vietnams Attraktivität als Partner in einer polarisierten Region.[6]
Für Europa und insbesondere Deutschland ist Vietnam aus mehreren Gründen relevant. Erstens ermöglicht das Land eine Diversifizierung weg von China, ohne den Zugang zu asiatischen Produktionsnetzwerken aufzugeben; als komplementärer Standort bleibt Vietnam geografisch nahe und strukturell in bestehende Lieferketten eingebunden. Zweitens gewinnt Vietnam als Ziel für Produktionsverlagerungen in zentralen Branchen wie Elektronik, Maschinenbau, Textilien und erneuerbaren Energien an Bedeutung. Drittens verbessert das EVFTA den Marktzugang und stärkt damit die Wettbewerbsposition europäischer Unternehmen gegenüber Anbietern aus den USA und China.[7]
Wettbewerbliche Stärken Vietnams
Vietnam verfügt heute über mehrere strukturelle Wettbewerbsvorteile, die seine Rolle in globalen und regionalen Wertschöpfungsketten prägen. Treiber sind die hohe FDI-Integration, die rasche industrielle Aufrüstung und spezialisierte Produktionscluster, insbesondere in Elektronik, Maschinenbau und Textilien. Vietnam ist damit nicht mehr nur ein Glied in der „Factory Asia“-Struktur, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Produktions- und Innovationsstandort, der für multinationale Unternehmen strategische Funktionen übernimmt.[8]
Zudem zeichnet sich Vietnam durch vergleichsweise niedrige Arbeitskosten und eine junge, wachsende Erwerbsbevölkerung aus, was einen zentralen Faktorvorteil innerhalb Südostasiens darstellt. Als „Lower-middle-income-Volkswirtschaft“ mit hoher Erwerbsbeteiligung und einem zunehmenden Anteil formeller Beschäftigung bietet das Land internationalen Unternehmen einen breiten und kostenattraktiven Arbeitskräftepool.[9] Diese Voraussetzungen spiegeln sich in den jüngsten Investitions- und Handelsentwicklungen wider: Der Standort zählt zu den dynamischsten Fertigungszentren der Region und zieht bedeutende Greenfield-Investitionen an, bei denen Unternehmen neue Produktionsstätten aufbauen, ohne auf bestehende betriebliche Strukturen vor Ort zurückgreifen zu können, insbesondere in arbeitsintensiven und elektroniknahen Industrien, allein 2023 rund 16 Mrd. US-Dollar im verarbeitenden Gewerbe, während die Exporte seit 2019 von 320 Mrd. auf 440 Mrd. US-Dollar gestiegen sind.[10]. Ein Großteil der ausländischen Direktinvestitionen fließt dabei in den verarbeitenden Sektor, der regelmäßig über 60 Prozent der gesamten FDI-Zuflüsse aufnimmt.[11] Die Kombination aus niedrigen Lohnkosten, wachsender Produktivität und einer jungen Demografie stärkt somit die Attraktivität des Standorts.
Ein weiterer Vorteil, der auch das Modell China+1 widerspiegelt, ergibt sich aus der unmittelbaren Nähe zur Volksrepublik und der tiefen Einbettung in ostasiatische Produktionsnetzwerke. Die Grenzlage ermöglicht es Unternehmen, bestehende chinesische Zulieferstrukturen weitgehend beizubehalten, während einzelne Wertschöpfungsstufen nach Vietnam verlagert werden. Dies wird etwa in den stark steigenden Importen chinesischer Zwischenprodukte sichtbar, die anschließend für Exporte in Drittstaaten weiterverarbeitet werden.[12] Investorenleitfäden beschreiben den Standort dementsprechend als „conveniently located“ im Zentrum Südostasiens und unmittelbar an China angrenzend, was klare logistische Vorteile schafft.[13] Hinzu kommt, dass für viele internationale, auch deutsche Unternehmen die strukturelle Nähe zu chinesischen Produktions- und Geschäftsprozessen den Übergang erleichtert, da etablierte Erfahrungen relativ problemlos übertragbar sind.[14]
Darüber hinaus ist die vietnamesische Wirtschaft nicht nur regional, sondern auch global tief in Handels- und Produktionsnetzwerke eingebunden. Vietnam zählt zu den weltweit am stärksten außenwirtschaftlich integrierten Volkswirtschaften, wobei Wachstum und Beschäftigung in hohem Maße vom Außenhandel abhängen. Ein großer Teil der Exporte entfällt auf auslandsinvestierte Unternehmen, die Vietnam als Produktions- und Montageplattform innerhalb der asiatischen „Factory Asia“-Struktur nutzen. Die tiefe Einbindung in regionale und globale Wertschöpfungsketten macht den Standort zu einem zentralen Knoten internationaler Produktions- und Liefernetzwerke.[15]
Seine Position stärkt das Land zusätzlich durch ein dichtes Netz an Handelsabkommen, insbesondere EVFTA, CPTPP und RCEP, die weit über klassische Marktöffnung hinausreichen und zu geopolitischen Assets werden. „Das Abkommen mit der EU (EVFTA) reduziert Zölle weitgehend, verbessert den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen und schafft zusätzliche Rechtssicherheit für europäische Investoren. Im Kontext europäischer De-Risking-Strategien erhöht dies die Attraktivität Vietnams als alternativen Produktions- und Beschaffungsstandort.[16] Parallel dazu eröffnet CPTPP den Zugang zu wichtigen Pazifik-Ökonomien wie Japan, Kanada, Mexiko und Australien,[17] während RCEP die Integration in das asiatische Regionalökosystem weiter vertieft.[18] Zusammengenommen machen diese Abkommen Vietnam zu einem Brückenknoten zwischen europäischen und asiatisch-pazifischen Wirtschaftsblöcken und erhöhen den strategischen Wert des Landes für diversifizierte Lieferketten.[19]
Auch das politische und regulatorische Umfeld trägt zur Standortattraktivität Vietnams bei. Das Investitionsregime wurde über mehrere Jahrzehnte hinweg schrittweise modernisiert und gilt heute als vergleichsweise stabil und berechenbar. Reformen des Investitionsrechts haben insbesondere den Schutz ausländischer wirtschaftlicher Engagements, die Nicht-Diskriminierung sowie die rechtliche Planbarkeit wirtschaftlicher Aktivitäten gestärkt. Insgesamt ist das Umfeld darauf ausgerichtet, langfristige wirtschaftliche Aktivitäten zu ermöglichen und internationale Einbindung mit staatlicher Steuerung zu verbinden.[20]
Eine besondere Rolle im Strukturwandel spielen große Unternehmen – sowohl ausländische Investoren als auch führende vietnamesische Privatfirmen. Der KAS-Bericht zu Vietnams Top-500 Privatunternehmen zeigt: Obwohl diese Unternehmen nur rund 0,05 Prozent aller registrierten Firmen ausmachen, erzielen sie etwa 12 Prozent des Gesamtumsatzes und halten rund 17 Prozent des Unternehmensvermögens.[21] Regierungsberichte zur FDI-Anziehung bestätigen zudem, dass multinationale Konzerne insbesondere in Elektronik, Maschinenbau und Logistik als Ankerunternehmen fungieren, lokale Wertschöpfungsketten aufbauen und damit den sektoralen Strukturwandel entscheidend vorantreiben.
Diese Standortvorteile spiegeln die Grundlogik des vietnamesischen Wachstumsmodells wider, das sich seit der Öffnungspolitik der späten 1980er-Jahre schrittweise zu einer FDI-getriebenen, exportorientierten Industrialisierung entwickelt hat. Vietnam fungiert dabei als kostengünstiger Fertigungs- und Montagehub. Das Modell hat das Land zu einem zentralen Knotenpunkt globaler Lieferketten gemacht, geht jedoch mit strukturellen Verwundbarkeiten einher.[22]
Grenzen des vietnamesischen Wachstumsmodells
Vietnams industrielle Entwicklung stößt zunehmend an strukturelle Grenzen: Verkehrs- und Energiesysteme halten mit der Expansion des verarbeitenden Gewerbes nicht Schritt. Engpässe in Häfen, Transportkorridoren und zentralen Verbindungsachsen mindern die Effizienz exportorientierter Produktion und erhöhen die Störanfälligkeit von Lieferketten. Wiederholte Stromunterbrechungen in wichtigen Industriezentren verstärken das Risiko, insbesondere für energie- und technologieintensive Branchen. Die Modernisierung von Infrastruktur und Energieversorgung bleibt damit eine zentrale Voraussetzung, um weiteres industrielles Wachstum abzusichern.[23] Auf außenwirtschaftlicher Ebene deuten Analysen zudem darauf hin, dass Engpässe im Energie- und Logistiksektor Vietnams Wettbewerbsfähigkeit gegenüber stärker diversifizierten ASEAN-Standorten spürbar mindern können.[24]
Strukturelle Begrenzungen zeigen sich zudem in der geringen lokalen Wertschöpfung und zunehmenden Arbeitsmarktengpässen. Große Teile der verarbeitenden Industrie verbleiben in importabhängigen Produktionsstufen, da vielen vietnamesischen Unternehmen technische Ausstattung, Produktivität und industrielles Know-how fehlen; zentrale Vorprodukte werden weiterhin in erheblichem Umfang aus dem Ausland, insbesondere aus China, bezogen. Parallel verschärft sich der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte, insbesondere in Industrieparks und technologieintensiven Branchen. Gut ausgebildete Arbeitskräfte sind grundsätzlich verfügbar, jedoch zunehmend schwerer zu rekrutieren und kostenintensiver, was den Bedarf an betrieblicher Ausbildung und langfristiger Personalbindung erhöht.[25] Eine begrenzte lokale Zulieferbasis und Engpässe im mittleren und höheren Qualifikationssegment erschweren Vietnams Aufstieg in globalen Wertschöpfungsketten und die Übernahme komplexerer, höherwertiger Produktionsschritte.[26]
Zudem verstärkt die Lohnkostendynamik die strukturellen Belastungen. Im wirtschaftlich starken Süden liegen die Löhne über dem Landesdurchschnitt; Flächenknappheit und erschwerter Hafenzugang treiben die Standortkosten. Daher verlagern Unternehmen Investitionen verstärkt nach Nord- und Zentralvietnam, die zuletzt wirtschaftlich an Gewicht gewonnen haben.[27] Vor diesem Hintergrund lässt sich das Risiko eines möglichen „Vietnam+1“ ableiten, bei dem steigende Lohnkosten und strukturelle Engpässe die Attraktivität des Standorts mindern könnten, sofern sie nicht durch entsprechende Produktivitätsfortschritte ausgeglichen werden.
Geopolitische Risiken und administrative Unsicherheiten erhöhen die Verwundbarkeit des vietnamesischen Wachstumsmodells. Die hohe Exportabhängigkeit macht die Wirtschaft anfällig für globale Konjunkturschwankungen und handelspolitische Spannungen insbesondere vor dem Hintergrund des ausgeprägten Handelsüberschusses gegenüber den USA. Zudem ist die Exportstruktur stark auf konjunktursensible Branchen wie Elektronik, Bekleidung und Möbel konzentriert. Intern belasten komplexe Genehmigungsverfahren, begrenzte Transparenz und ineffiziente Verwaltungsstrukturen weiterhin das Investitionsumfeld. Vor diesem Hintergrund sieht die Resolution 68 eine weitreichende Vereinfachung administrativer Verfahren vor, um Zeit-, Kosten- und Verfahrensaufwand für Unternehmen deutlich zu senken. Gleichzeitig definiert sie den privaten Sektor als zentrale Triebkraft der wirtschaftlichen Entwicklung und verankert seine Stärkung als wirtschaftspolitische Priorität.[28]
Ausblick: Vietnams strategische Rolle und das europäische Umdenken
Seit Mitte der 2010er-Jahre lässt sich in der Europäischen Union ein schrittweises strategisches Umdenken in der Außenwirtschaftspolitik beobachten, das internationale Wirtschaftsbeziehungen nicht länger ausschließlich unter Effizienz- und Marktgesichtspunkten, sondern zunehmend unter geopolitischen und sicherheitspolitischen Erwägungen betrachtet.[29] Die wachsende Systemrivalität zwischen den USA und China, die Erfahrungen der COVID-19-Pandemie sowie die geopolitischen Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben diese Neubewertung beschleunigt und Fragen strategischer Abhängigkeiten stärker in den Mittelpunkt der europäischen Politik gerückt.[30] Vor diesem Hintergrund wurde die europäische Handelspolitik explizit unter das Leitmotiv der „open strategic autonomy“ gestellt, das wirtschaftliche Offenheit mit Resilienz, Diversifizierung und der Fähigkeit zur eigenständigen politischen Handlungsfähigkeit verbindet.[31] Diese strategische Neuausrichtung verdichtet sich politisch in der Formel „de-risking, not de-coupling“, welche eine gezielte Reduktion kritischer Abhängigkeiten anstrebt, ohne den offenen Welthandel grundsätzlich infrage zu stellen.[32]
Im Rahmen der europäischen De-Risking-Strategie gewinnt Vietnam geopolitisch an Bedeutung und wird zunehmend als stabiler Diversifizierungsstandort in der ASEAN-Region wahrgenommen. Dies erlaubt es, Lieferkettenrisiken gegenüber China zu reduzieren, ohne wirtschaftliche Verflechtungen vollständig aufzulösen. Vietnam ist dabei kein strategischer Ersatz Chinas, sondern eine funktionale Ergänzung im Sinne von „China+1“, die europäischen Unternehmen eine regionale Streuung von Produktion und Beschaffung ermöglicht. Zusätzliche Relevanz erhält diese Rolle durch Regulierungen wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die geplante Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD), da Vietnam wirtschaftliche Anschlussfähigkeit und institutionelle Kooperationsbereitschaft signalisiert.[33]
Für die deutsche Wirtschaft eröffnet Vietnam vor diesem Hintergrund zusätzliche geopolitische Handlungsspielräume. Die zunehmende Nutzung des Standorts dient nicht nur der Kostendiversifizierung, sondern vor allem der Absicherung gegen geopolitisch bedingte Lieferkettenunterbrechungen und handelspolitische Risiken im sino-amerikanischen Spannungsfeld. Diese Bedeutung spiegelt sich in einem bilateralen Handelsvolumen von über 18 Mrd. Euro sowie mehreren tausend deutschen Unternehmen wider, die Vietnam als Produktions-, Beschaffungs- oder Absatzstandort nutzen.[34] Unternehmensbefragungen zeigen, dass insbesondere deutsche Firmen Vietnam gezielt als komplementären Standort innerhalb regionaler Wertschöpfungsnetzwerke betrachten, während China aufgrund seiner Marktgröße und industriellen Tiefe weiterhin zentral bleibt.[35] Aus europäischer Perspektive trägt diese Arbeitsteilung zur Erhöhung von Flexibilität, Resilienz und strategischer Anpassungsfähigkeit bei, ohne bestehende Engagements abrupt zu ersetzen.
Investitionen in Energieversorgung, Verkehrsinfrastruktur, technologische Kapazitäten und Qualifizierung entscheiden darüber, ob Vietnam seine Funktion als verlässlicher Diversifizierungsanker innerhalb fragmentierter regionaler Lieferketten dauerhaft erfüllen kann. Eine stabile Energieversorgung, leistungsfähige Logistik sowie der Ausbau technologischer und personeller Fähigkeiten sind zentrale Voraussetzungen, um industrieintensive Produktion abzusichern und höhere Wertschöpfungsstufen zu ermöglichen.[36] Ebenso zentral ist der Aufbau leistungsfähiger lokaler Zuliefernetzwerke, da eine stärkere lokale Wertschöpfung nicht nur operative Reibungsverluste in China+1-Strukturen reduziert, sondern auch die strategische Robustheit europäischer Lieferketten erhöht.[37]
Darüber hinaus gewinnt Vietnams außenpolitische Positionierung aus europäischer Perspektive an Bedeutung. Die vietnamesische „Bamboo Diplomacy“, die auf strategischer Flexibilität und einer pragmatischen Balance gegenüber konkurrierenden Großmächten beruht, ermöglicht es dem Land, wirtschaftliche und politische Kooperation mit Europa auszubauen, ohne sich eindeutig in geopolitische Blockkonfrontationen einbinden zu lassen.[38] Diese Grundlogik spiegelt sich auch in der Ausgestaltung formalisierter Partnerschaften wider; im Januar wertete die EU bei einem Besuch von Ratspräsident Costa ihr Verhältnis zu Vietnam zu einer „Umfassenden Strategischen Partnerschaft“ auf.[39] Diesen Schritt will Vietnam auch so bald wie möglich mit Deutschland gehen. Vor dem Hintergrund europäischer De-Risking-Strategien spricht vieles für eine weitergehende Verdichtung der Zusammenarbeit, insbesondere dort, wo sie über reine Standortverlagerung hinausgeht und auf den Ausbau von Energie-, Infrastruktur- und Qualifizierungskapazitäten sowie die Stärkung lokaler Zuliefernetzwerke abzielt. In einem regionalen Umfeld zunehmender chinesischer Machtprojektion erscheint Vietnam aus europäischer Sicht damit als berechenbarer und institutionell anschlussfähiger Partner, bei dem eine vertiefte strategische Zusammenarbeit zur Stabilisierung wirtschaftlicher Kooperation beitragen kann.[40]
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[1] https://www.thinkchina.sg/economy/vietnam-amid-great-power-rivalry-it-playing-economic-game-well-enough (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[2] https://www.eria.org/uploads/media/Books/2023-VietNam-2045/10_ch.6-How-to-Escape-Middle-Income-Trap.pdf (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[3] https://policy.trade.ec.europa.eu/eu-trade-relationships-country-and-region/countries-and-regions/viet-nam_en (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[4] https://eastasiaforum.org/2025/03/05/can-vietnams-era-of-rising-break-the-middle-income-trap/ (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[5] https://www.kas.de/documents/252038/16191335/Bamboo+Diplomacy.pdf/8eca5685-290b-d4a1-a544-496b1b835d0f?version=1.5&t=1667493170131 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[6] https://www.mckinsey.com/industries/logistics/our-insights/diversifying-global-supply-chains-opportunities-in-southeast-asia (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[7] https://www.worldbank.org/en/country/vietnam/publication/viet-nam-2045-trading-up-in-a-changing-world (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[8] https://www.gtai.de/de/trade/vietnam-wirtschaft (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[9] McKinsey, vgl. Endnote 7 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[10] https://www.mpi.gov.vn/en/Pages/2025-2-11/FDI-attraction-situation-in-Vietnam-and-Vietnam-s-emu1z8.aspx (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[11] https://link.springer.com/article/10.1007/s10308-025-00726-3 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[12] https://www.pwc.com/vn/en/publications/2025/doing-business-in-vietnam-2025.pdf (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[13] https://www.kas.de/de/web/vietnam/publikationen/einzeltitel/-/content/vietnam-and-china-plus-1 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[14] World Bank, vgl. Endnote 8 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[15] https://policy.trade.ec.europa.eu/eu-trade-relationships-country-and-region/countries-and-regions/viet-nam/eu-viet-nam-agreements_en (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[16] https://www.dfat.gov.au/trade/agreements/in-force/cptpp/comprehensive-and-progressive-agreement-for-trans-pacific-partnership (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[17] https://asean.org/our-communities/economic-community/integration-with-global-economy/regional-comprehensive-economic-partnership-rcep/ (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[18] KAS China+1, vgl. Endnote 14 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[19] https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2025/06/oecd-economic-surveys-viet-nam-2025_f2511b78/fb37254b-en.pdf (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[20] https://www.kas.de/vi/web/vietnam/veranstaltungsberichte/detail/-/content/anh-gia-500-doanh-nghiep-tu-nhan-lon-nhat-viet-nam-vpe500-bao-cao-nam-2025 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[21] World Bank, vgl. Endnote 8 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[22] GTAI: Wirtschaft Vietnam, vgl. Endnote 9 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[23] World Bank, vgl. Endnote 8 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[24] GTAI: Wirtschaft Vietnam, vgl. Endnote 9 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[25] World Bank, vgl. Endnote 8 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[26] GTAI: Wirtschaft Vietnam, vgl. Endnote 9 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[27] https://vinacapital.com/wp-content/uploads/2025/05/VinaCapital-Insights_Resolution-68_A-New-Dawn-for-Vietnams-Private-Sector.pdf
[28] https://www.eeas.europa.eu/eeas/global-strategy-european-unions-foreign-and-security-policy_en (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[29] https://www.europarl.europa.eu/thinktank/en/document/EPRS_BRI%282022%29733589 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[30] https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:5bf4e9d0-71d2-11eb-9ac9-01aa75ed71a1.0001.02/DOC_1&format=PDF (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[31] https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/speech_23_2063
[32] https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/lieferkettensorgfaltspflichtengesetz-und-csddd (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[33] https://www.auswaertiges-amt.de/en/aussenpolitik/laenderinformationen/vietnam-node/vietnam-231760?utm (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[34] https://vietnam.ahk.de/de/info/ahk-world-business-outlook-spring-2025-vietnam-results (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[35] GTAI: Wirtschaft Vietnam, vgl. Endnote 9 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[36] World Bank, vgl. Endnote 8 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025).
[37] KAS Bamboo Diplomacy, vgl. Endnote 6 (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)
[38] Joint statement on upgrading relations between the European Union and Viet Nam to a Comprehensive Strategic Partnership - Consilium (zuletzt zugegriffen am 30.01.2026).
[39] https://www.kas.de/de/web/vietnam/laenderberichte/detail/-/content/der-laechelnde-drache-chinas-soft-power-einfluss-in-suedostasien (zuletzt zugegriffen am 17.12.2025)