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Daseinsvorsorge in einer demokratischen Gesellschaft

Für einen unabhängigen und professionellen Journalismus / Eine Bilanz des Wiesbadener Tischgesprächs 22. November 2021

„Journalisten bringen dieser Gesellschaft einen Mehrwert. Sie sichern Meinungsvielfalt innerhalb des demokratischen Spektrums und sind dem Gemeinwohl verpflichtet.“ Professor Dr. Frank Überall, seit 2015 Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, erklärte im Wiesbadener Tischgespräch, dass die Arbeitsdingungen für seine in Verlagen und anderen Medienhäusern tätigen Kolleginnen und Kollegen einem drastischen Wandel unterworfen seien: „Da allerorten gespart wird, was das Zeug hält, und statt des Buntstifts der Rotstift zum Einsatz kommt, werden viele Mitarbeiter entlassen.“

Der 50jährige Politikwissenschaftler erwartet deshalb einen Fachkräftemangel: „Viele kluge Köpfe können Sie so nicht halten oder gewinnen. Viele Zeitungen suchen heute vergeblich nach Volontären.“

„Das Wichtigste, was wir in dieser Gesellschaft brauchen, ist Medienkompetenz: Was ist eine seriöse Quelle? Was ist Satire? Was ist ein Kommentar? Was ist eine Falschmeldung?“ Überall, der seit neun Jahren als Professor an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln lehrt, weiß:  „Die Digitalisierung hat unser Geschäft nachdrücklich verändert. Angesichts totaler Reizüberflutung sind Menschen gezwungen, Komplexität zu reduzieren, und ziehen sich deshalb in Filterblasen zurück.“

Selbstkritik hält er für selbstverständlich erforderlich: „Journalisten müssen sich immer hinterfragen. Heute müssen wir nicht nur senden, sondern auch empfangen. Wir erhalten viele Rückmeldungen in Echtzeit und müssen gute Antworten geben.“ Mit Blick auf Kritik an mancher offensichtlich einseitiger Berichterstattung – etwa im öffentlich-rechtlichen Rundfunk - erklärte Überall: „Viele Medienhäuser haben verstanden, dass sie in ihren Redaktionen auch politische Diversität abbilden müssen.“

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Dr. Thomas Ehlen

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