Veranstaltungsberichte

Zeitzeugenbericht von Rosa Rotenberg über den Holocaust

Am 7. April 2016 berichtete Rosa Rotenberg in der Universität von Belgrano über ihre Erlebnisse während des Holocausts. Lidia Assorati, Koordinatorin des Bildungsprogramms der Internationalen Raoul Wallenberg-Stiftung hatte den Vortrag gemeinsam mit der Rechts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität von Belgrano und der Konrad Adenauer-Stiftung organisiert.

Dr. Matías Benedit, Direktor des Jura-Studiengangs der Universität von Belgrano, eröffnete die Veranstaltung mit einigen kurzen Begrüßungsworten. Anschließend übernahm Lidia Assorati das Wort und erinnerte daran, dass nicht alle Deutschen am Genozid teilgenommen, sondern einige auch Hilfesuchende vor dem Tod bewahrt hatten. Daraufhin schilderte Rosa Rotemberg kurz die Ereignisse, die zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geführt hatten. Danach gab sie einen Einblick in ihre persönlichen Erlebnisse.

Zu Beginn ihres Vortrags definierte Rotenberg zunächst den Begriff Genozid. Dann unterschied sie den Begriff Holocaust von der Shoah. Danach hob sie die Bedeutung des Versailler Vertrags für die Weimarer Republik hervor, bevor sie Hitlers Werdegang schilderte, der schließlich in den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939-45) geführt hatte. Dabei fokussierte sie sich besonders auf die Diskriminierung, Segregation, Verfolgung und Enteignung der Juden, Menschen mit Behinderung und Oppositionellen. Ebenso kritisierte sie die Weltgemeinschaft für die unterlassene Hilfeleistung und stellte die Dominikanische Republik als Ausnahme hervor, da sie sich 1942 dazu bereit erklärt hatte 100.000 Flüchtlinge aufzunehmen.

Rotenberg wurde 1941 im jüdischen Ghetto in Warschau, Polen geboren. Als sie sechs Monate alt war, entschieden ihre Eltern sie in die Obhut eines Bauarbeiters zu geben, der einmal täglich das Ghetto verlassen durfte. Dieser übergab sie den Schwestern eines Klosters, wo sie die ersten drei Jahre ihres Lebens verbrachte. Später gab man sie an ein Waisenheim ab. Ihre Eltern wurden währenddessen aus dem Ghetto in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, fand sie zu ihrem Vater zurück mit dem sie fünf Jahre in Paris lebte und dann in Übersee in Richtung Bolivien stach. Als die beiden den Hafen von Buenos Aires erreichten, traf ihr Vater einen Freund aus der Vorkriegszeit wieder. Aus diesem Grund entschieden sie sich dafür, in Argentinien zu bleiben. Hier widmete sich Rosa Rotenberg dem Studium und arbeitete bis ins Rentenalter als Biochemieprofessorin an der Universität von Buenos Aires (UBA). Als sie sich aus dem Berufsleben zurückzog, widmete sie sich den intensiven Gesprächen ihrem Vater und fand so zu ihrer Geschichte zurück, die sie lange Zeit verdrängt hatte. 2015 begab sie sich nach Polen, um nach Hinweisen nach dem Werdegang ihrer Mutter zu suchen, die sie nie kennen gelernt hatte. Derzeit versucht sie an eine Geburtsurkunde zu gelangen, da das Original von Bomben zerstört wurde.

Schlussendlich wies Rotenberg noch auf das Projekt „Aprendis“ hin, das die Generationen der Shoah in Argentinien ins Leben gerufen hat. Dabei werden Paare aus Überlebenden und jungen Erwachsenen zwischen 25 und 35 Jahren gebildet. Letztere sollen nach dem Tod der Überlebenden die Geschichte derselben weitertragen.

Ansprechpartner

Olaf Jacob

Olaf Jacob

Leiter des Auslandsbüros Argentinien

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