Tobias Koch

#KASkonkret

„Unser Anspruch muss sein, Fortschritt nicht aufzuhalten, sondern zu gestalten und zu lenken“

KASkonkret_#41: Unsere Interviewreihe zu Fragen der Zeit

Künstliche Intelligenz: verheißungsvolle Zukunftstechnologie oder doch eine Bedrohung für die Gesellschaft? #KASkonkret im Gespräch mit der CDU-Bundestagsabgeordneten und KI-Beauftragten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ronja Kemmer

Selbstfahrende Autos, Chatbots, Gesichtserkennungssoftware – Künstliche Intelligenz, kurz KI, macht all diese Technologien erst möglich. Und sie wird immer besser. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer war zwei Jahre als Obfrau für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquête-Kommission Künstliche Intelligenz. Sie ist überzeugt, dass die KI alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche durchdringen wird. „Keine andere Technologie bietet für unser Wirtschaftswachstum und die Modernisierung unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren ein solches Potenzial. Gleichzeitig gibt es auch keine Technologie, die für die nächsten Jahre derart grundlegende Fragen aufwirft“, so Kemmer. Umso wichtiger sei es, dass die Politik frühzeitig die richtigen Rahmenbedingungen setzt.

 

KI – Ersatz oder Unterstützung für den Menschen?

 

Richtig eingesetzt kann die KI unser Leben in Zukunft erleichtern, davon ist Ronja Kemmer überzeugt. Die KI wird helfen, die Arbeitswelt zu optimieren – nicht nur in der Wirtschaft, Stichwort digitale Fabrik, sondern auch in der Verwaltung. „Überall da, wo viel Papierkram anfällt, bei monotonen Tätigkeiten, dort, wo es darum geht, große Mengen an Daten abzuarbeiten, birgt die KI großes Potenzial“, so Kemmer.  Ein Beispiel ist auch der Pflegesektor: KI könnte bei der Dokumentation helfen, intelligente Roboter könnten beim Heben von Patienten unterstützen. Die Pflegekräfte hätten so mehr Zeit für zwischenmenschliche Interaktion.

 

Dass durch die KI bestimmte Berufsfelder auch ganz verschwinden werden, davon sind Fachleute überzeugt. Was passiert mit den Menschen, deren Jobs wegfallen, wie finden sie ihren Platz in der Gesellschaft? Auch darüber denkt die Politik nach, sagt Ronja Kemmer. Sie glaubt aber, und das zeigt auch eine Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums, dass in den nächsten Jahren mehr neue Berufsfelder entstehen werden, als alte verschwinden.

 

„Unser Anspruch muss sein, den Wandel mitzugestalten. Zu versuchen, Dinge zu zementieren, wird ohnehin nichts bringen. Die Welt wird sich weiterdrehen, ob wir wollen oder nicht.“ Ronja Kemmer spricht damit auch kleinere und mittelständische Unternehmen in Deutschland und der EU an: auch sie dürften sich der Digitalisierung nicht verschließen, sonst laufen sie Gefahr, abgehängt zu werden.

 

Regulieren, aber nicht überregulieren

 

Die KI bietet auch Potenzial für Missbrauch. Beispiel „Deepfakes“, künstlich erzeugte Videos, in der die KI das Gesicht und die Stimme eines Menschen, z. B. eines US-Präsidenten, repliziert und ihn bestimmte Dinge sagen lässt. Wie können wir in Zukunft noch erkennen, ob ein Video echt ist oder nicht? Ronja Kemmer sagt dazu: „In der Medienlandschaft, Stichwort „Deepfake“, sehe ich wirklich Risiken. Heute kann man den Fake vom echten Video oft noch unterscheiden, aber die KI wird jeden Tag besser. Hier ist das Thema Medienkompetenz wichtig, aber um eine Regulierung für die großen sozialen Plattformen werden wir als Politik wohl auch nicht drumherum kommen.“

 

Ronja Kemmer ist vor allem wichtig, dass man nicht horizontal reguliert, sondern sich jede Anwendung, jedes Unternehmen einzeln anschaut. „Das schwierige bei der KI ist, dass es nicht DIE KI gibt. Wir müssen die Dinge erstmal verstehen, bevor wir sie regulieren.“ Dort, wo Anwendungen als gefährlich eingeschätzt werden, brauche es ganz klar eine stärkere Regulierung. „Aber wir dürfen auch nicht überregulieren, denn was wir am Schluss nicht wollen ist, dass wir im Consumer-Bereich tolle Anwendungen haben, die uns den Alltag erleichtern, die aber alle nicht in Europa entwickelt wurden.“

 

Ist die EU schon abgehängt?

 

Die USA und China preschen, was die Entwicklung von KI-Anwendungen anbelangt, längst vor. Wenn die EU hier nicht mithalten kann, wird sie global einen Nachteil haben, davon ist Dr. Martin Reuber, Referent für Europa-Politik im KAS-Büro Bonn überzeugt. Er sagt: „Europa wird nur dann in der Lage sein, seine Grundwerte global zu vertreten, wenn es in technologischer Hinsicht wettbewerbsfähig ist. Damit das so ist, muss die Politik in Brüssel und den EU-Hauptstädten die Balance zwischen Ethik und technologischem Fortschritt im Blick behalten.“

 

Nächste Woche bei #KASkonkret…

 

…geht es um die Wahl beim Impfweltmeister Israel. Am Dienstag, den 23 März, wird hier zum wiederholten Male innerhalb kurzer Zeit gewählt. Maximilian Nowroth spricht mit dem israelischen Journalisten Igal Avidan über die Aussichten für den bisherigen Premierminister Benjamin Netanjahu. Einerseits kann er mit Impferfolgen punkten, andererseits häufen sich die juristischen Vorwürfe gegen ihn. Schaltet ein, zu #KASkonkret, am Dienstag, den 23. März, um 18 Uhr. Der Stream läuft bei Facebook, auf der Seite des KAS-Büros Bonn, und auf dem YouTube-Kanal „onlinekas“. 

Ansprechpartner

Frank Windeck

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Referent DigitalAkademie, Büro Bundesstadt Bonn

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