Details
Lange Zeit galt Deutschland als Musterschüler im Umgang mit der eigenen Vergangenheit: In der Bundesrepublik herrscht bis heute Konsens darüber, sich der eigenen Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus zu stellen. Stimmen aber, die den Konsens über die Singularität des Holocaust infragestellen, finden seit einigen Jahren immer größere Resonanz.
Frankreich legte den Schwerpunkt seiner Erinnerungspolitik traditionell auf nationale Erfahrungen von Revolution, Krieg, Sieg und Widerstand. Aber auch hier hat inzwischen eine offizielle Auseinandersetzung mit dem Vichy-Regime und der eigenen kolonialen Vergangenheit begonnen.
In beiden Gesellschaften beobachten wir heute zunehmend Kontroversen um das offizielle historische Gedenken: Während postkoloniale Denkrichtungen eine Erweiterung bzw. ein radikales Überarbeiten der alten Themen und Praktiken fordern, beschwört die neue Rechte im Zuge ihrer Ablehnung einer selbstkritischen Erinnerungskultur alte Muster von nationaler Größe.
Ist angesichts solcher Kontroversen auf der einen und der gesellschaftlichen Pluralisierung und Fragmentierung auf der anderen Seite noch ein Konsens in der Erinnerungspolitik möglich?
Wie erklärt sich der unterschiedliche Umgang mit der Erinnerung in Deutschland und Frankreich und was folgt daraus für das nationale Selbstverständnis ?
Diese Fragen möchten wir mit Expertinnen und Experten aus Deutschland und Frankreich diskutieren. Dabei sollen aktuelle Debatten um die Umbenennung von Gebäuden und Straßen ebenso aufgegriffen werden wie Auseinandersetzungen um Restitution von Kulturgütern und zunehmender Geschichtsrevisionismus in den Sozialen Medien. Die Moderation übernimmt wie immer Andreas Noll vom Deutschlandfunk.
Programm
18.15 Uhr
Begrüßung und Einleitung
Dr. Christina Schröer, Bonn
Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Centre Ernst-Robert-Curtius der Universität Bonn
Kontroverse Erinnerungspolitik - Gedenken und Aufarbeiten
Prof. Dr. Dani Kranz , Berlin
Anthropologin und Inhaberin des "Wilhelm und Alexander von Humboldt"-Lehrstuhls des DAAD in Mexiko-Stadt sowie Forschungskoordinatorin des Tikvah Instituts Berlin
Prof. Dr. Sarah Gensburger, Paris (angefragt)
SciencesPo Paris, Past President der Memory Studies Association
Moderation
Andreas Noll, Bonn
Journalist Deutschlandfunk
19.15 Uhr
Ende der Veranstaltung