Mario Czaja am 09.06.2017 in der Landesgeschäftsstelle der CDU Berlin bei einer Pressekonferenz. Mario Czaja am 09.06.2017 in der Landesgeschäftsstelle der CDU Berlin bei einer Pressekonferenz. © picture alliance / Lino Mirgeler

Mario Czaja

Dipl.-Betriebswirt, Senator, MdB, Generalsekretär der CDU Deutschlands 21. September 1975 Berlin
von David Maaß
Der ehemalige Berliner Senator für Gesundheit und Soziales ist seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Am 22. Januar 2022 wurde Czaja auf dem 34. Bundesparteitag der CDU Deutschlands zum Generalsekretär gewählt. „Er hat gezeigt, dass er Kampagne kann!“ (Friedrich Merz über Mario Czaja).

Herkunft und Ausbildung

Mario Czaja wurde am 21. September 1975 in der Berliner Charité geboren. Er wuchs im beschaulichen, fast dörflich geprägten Berliner Ortsteil Mahlsdorf auf. Sein Vater betrieb dort eine Elektro-Installationsfirma, seine Mutter arbeitete als Krankenschwester. Die tiefe Verwurzelung seiner Familie in Mahlsdorf prägte Czaja genauso wie ihre Zugehörigkeit zur katholischen Minderheit in der DDR. Nach dem Besuch der Ulmen-Grundschule in Kaulsdorf und dem Erreichen der mittleren Reife am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Berlin-Friedrichshagen absolvierte er erfolgreich eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der Nürnberger Versicherung AG. Im Jahr 2000 wurde er beim Gebäudetechnik-Unternehmen Krone Leiter für den Bereich Marketing und Vertrieb. Zwei Jahre später wechselte er zum Gebäudemanager Gegenbauer. Dort arbeitete er bis 2011 als Leiter der Abteilung Vertrieb in der Sparte Industrial FM. 2006 begann Czaja ein berufsbegleitendes Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Wildau, das er 2010 mit Auszeichnung als Diplom Betriebswirt (FH) mit einer Arbeit über „Betriebswirtschaftliche Chancen und Risiken des Modells Praxisklinik für den niedergelassenen Facharzt“ abschloss.

 

Einstieg in die Berliner Kommunalpolitik

Über sein Engagement in der katholischen Jugendarbeit fand Czaja den Weg zur CDU, der er 1993 an seinem 18. Geburtstag beitrat. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Kreisvorsitzenden der Jungen Union Hellersdorf gewählt, die er zuvor mitgegründet hatte. 1994 amtierte er für zwei Jahre als stellvertretender Landesvorsitzender der Schüler Union in Berlin. In der Hellersdorfer Kommunalpolitik engagierte er sich seit 1993 als berufener Bürger in den Fachausschüssen „Bildung“ und „Siedlungsgebieten“ und von 1995 bis 1999 als jüngstes Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung.

Gefördert wurde Czaja vom ehemaligen Senator für Wirtschaft und Finanzen, Elmar Pieroth, der früh sein politisches Talent erkannte und für Czaja die Rolle eines politischen Ziehvaters übernahm. Mit Pieroth verband ihn der Wunsch nach einem pragmatischen Umgang mit der PDS, in dem Sinne, dass eine Kooperation vor Ort nicht von vornherein ausgeschlossen werden sollte . Als er seiner Haltung Taten folgen ließ und mit der PDS bei kommunalpolitischen Angelegenheiten zusammenarbeitete, brachte ihm dies den Ausschluss aus der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung sowie ein Parteiausschlussverfahren ein, das jedoch später eingestellt wurde.

Gegen Pieroths Wunsch bewarb sich Czaja erfolgreich um die Nominierung zum Direktkandidaten der CDU für den Wahlkreis Kaulsdorf-Mahlsdorf bei der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses im Oktober 1999. Für viele Beobachter überraschend gewann er den bislang von der PDS gehaltenen Wahlkreis mit 37,4 Prozent, was ihn innerhalb seiner Partei zum Hoffnungsträger im Osten Berlins werden ließ. In seinem Wahlkampf hatte er sich besonders mit dem Thema Abwasserbeseitigung profiliert. Zwar verlor er bei den vorgezogenen Neuwahlen 2001 den Wahlkreis gegen seinen Mitbewerber, den PDS-Spitzenkandidaten Gregor Gysi. Über die Bezirksliste gelang ihm jedoch der Wiedereinzug in das Parlament. Bei den Wahlen 2006 und 2011 konnte er seinen Wahlkreis mit 33,8 Prozent und 41,5 Prozent erneut gewinnen.

Im Abgeordnetenhaus wirkte Czaja als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Zudem engagierte er sich im Ausschuss für Stadtentwicklung und setzte Akzente rund um das Thema Straßenerschließung. Sein vehementer Kampf gegen das 2006 in Kraft getretene Straßenausbaubeitragsgesetz brachte ihm in seinem Wahlkreis viele Sympathien ein. 2012 wurde das Gesetz wieder abgeschafft. 2002 folgte Czaja Elmar Pieroth im Kreisvorsitz der CDU Wuhletal. Auch in der Fraktion vollzog sich der weitere Aufstieg Czajas. So übernahm er 2006 das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers und 2009 das Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden.

 

Senator für Gesundheit und Soziales

Nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2011 wurde Czaja zum Senator für Gesundheit und Soziales in der neu gebildeten rot-schwarzen Landesregierung unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) berufen. Als Senator engagierte er sich erfolgreich für eine gerechtere Verteilung von Ärzten in der Stadt sowie eine verbesserte Finanzierung der Berliner Krankenhäuser. Auch eine Stärkung des Pflegeberufs und der daraus resultierenden Steigerung der Ausbildungszahlen zählte zu den Erfolgen seiner Amtszeit. Für sein Engagement für eine Verbesserung der Notfallversorgung und der Erhöhung der Qualitätsanforderungen in Berlins Krankenhäusern verlieh ihm die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin 2016 den David-Williams-Award. Aufgrund seiner politischen Erfolge aber auch wegen seines als angenehm empfundenen öffentlichen Auftretens zählte Czaja laut Umfragen zu den beliebtesten Politikern der Stadt. Zeitweise stand er sogar an der Spitze der Beliebtheitsskala.

Unter Druck geriet Czaja im Zuge der Flüchtlingskrise 2015. Das zu seinem Zuständigkeitsbereich gehörende und für die Registrierung der Flüchtlinge zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales zeigte sich dem massiv anwachsenden Zustrom in die Hauptstadt als nicht gewachsen. Erst die von Czaja 2016 veranlasste Gründung des Berliner Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten führte zu spürbaren Verbesserungen.

 

Weg in die Bundespolitik

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September 2016 erzielte Czaja in seinem Wahlkreis mit 47,2 Prozent das beste Erstimmenergebnis in ganz Berlin. Da die Große Koalition aufgrund hoher Verluste beider Koalitionspartner ihre Mehrheit verloren hatte und von einer rot-rot-grünen Koalition abgelöst wurde, konnte Czaja seine Arbeit als Senator nicht fortsetzen. Stattdessen übernahm er neben seiner Abgeordnetentätigkeit die Geschäftsführung der Berliner Konzeptagentur BrückenKöpfe. 2018 war Czaja als neuer Fraktionsvorsitzender im Gespräch. Er verzichtete jedoch auf eine Kandidatur, da die Landesvorsitzende Monika Grütters mit Burkard Dregger einen anderen Kandidaten bevorzugte. Stattdessen ließ er sich bis zur Beendigung seiner Mitgliedschaft im Berliner Abgeordnetenhaus 2021 erneut als stellvertretender Fraktionsvorsitzender in die Pflicht nehmen. Darüber hinaus engagiert er sich seit 2018 ehrenamtlich als Präsident des Berliner Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes. In dieser Funktion ist er maßgeblich an der Organisation der Arbeit in den Corona-Impfzentren in Berlin beteiligt.

Bei der Bundestagswahl 2021 kandidierte Czaja ohne Absicherung auf der Landesliste als Direktkandidat im Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf gegen die Linken-Politikerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Petra Pau die den Wahlkreis zuvor fünfmal gewinnen konnte. Während die CDU bundesweit starke Verluste erlitt, gelang es Czaja dank seiner örtlichen Verwurzelung, seinem Ruf als „Kümmerer“ und verlässlichem Ansprechpartner für die Anliegen der Bürger vor Ort sowie eines betont entspannten Umgangs mit Anhängern und Funktionären der Linken das Duell für sich zu entscheiden. Er gewann den Wahlkreis mit 29,4 Prozent der Wählerstimmen. Sein „Husarenstück“ (Berliner Morgenpost) fand medial eine breite Beachtung. Seine Bürgernähe und sein Auftreten als ein „Politiker zum Anfassen“ (Die Zeit) wurden als entscheidender Teil seines Erfolgsrezepts anerkannt. Auch Friedrich Merz zeigte sich von den Fähigkeiten des „streitlustigen Sozialpolitikers“ (Der Tagesspiegel) und „gewieften Strategen“ (Berliner Zeitung) beeindruckt und präsentierte ihn im November 2021 als seinen Wunschkandidaten für das Amt des CDU-Generalsekretärs. Nach der Wahl von Merz zum neuen Bundesvorsitzenden der CDU wählten die Delegierten des digitalen 34. Bundesparteitages am 22. Januar 2022 auf seinen Vorschlag hin Mario Czaja zum Generalsekretär und damit zum Nachfolger von Paul Ziemiak. Bestitigt wurde dies durch die anschließende Briefwahl, deren Ergebnis am 31. Januar 2022 verkündet wurde.

Mario Czaja ist verheiratet und Vater einer Tochter. Sein Bruder Sebastian Czaja ist Fraktionsvorsitzender der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus.

 

 

Lebenslauf

  • 21. September 1975 in Berlin (Ost) geboren
  • seit 1993 Mitglied der CDU
  • 1993–1997 Kreisvorsitzender Jungen Union Hellersdorf
  • 1994–1995 Stellvertretender Landesvorsitzender der Schüler Union Berlin
  • 1995–1999 Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Hellersdorf
  • 1997–2000 Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der Nürnberger Versicherungs AG
  • 1999–2021 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin
  • 2000–2002 Leiter Marketing und Vertrieb der Unternehmensgruppe Krone Management und Technologie GmbH & Co KG
  • 2002–2011 Tätigkeit für die Unternehmensgruppe Gegenbauer
  • seit 2002 Kreisvorsitzender der CDU Wuhletal
  • 2006–2009 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin
  • 2006–2010 Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Wildau
  • 2010 Abschluss als Diplom Betriebswirt
  • 2009–2011 und 2018–2021 Stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin
  • 2011–2016 Senator für Gesundheit und Soziales in Berlin
  • 2017–2020 Geschäftsführer der Berliner Konzeptagentur BrückenKöpfe
  • seit 2018 Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Berlin
  • seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages
  • seit 2022 Generalsekretär der CDU Deutschlands

Kontakt

David Maaß

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Referent Medienanalyse und -archiv

David.Maass@kas.de +49 30 26996-2493
Einzeltitel
Hintergrund: © unsplash/romankraft; Foto oben – © KAS/Peter Bouserath; Fotos unten (v.l.n.r.) – © KAS/Siegfried Krüger; KAS/Hilberath; CDU-Bundesgeschäftsstelle; Bundesarchiv, Bild 183-V00104/Schaaf
1. April 2020
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