Es gebe unterschiedliche religiöse Gruppen mit schwacher Identität, die in einen gemeinsamen Staat gezwängt worden seien. Das Konzept der westfälischen Staatsordnung mit klaren Grenzen sei neu in der Region gewesen und habe viele Probleme kreiert. „Doch das größte Problem war, dass man die Eigendynamik der islamistischen Gruppierungen unterschätzt hat“, sagte Borchard. Die Muslim-Bruderschaft wurde kurz nach dem Abkommen gegründet. Sie hat mit die Grundlage für die dschihadistische Bewegung gelegt.
Der heute aktive sogenannte Islamische Staat ignoriere ebenfalls die völkerrechtlich bindenden Grenzen. Borchard sieht darin eine Gefahr für Israel, denn die Grenzen seien instabil. Aber er bemerkt auch eine Verlagerung der Bedrohung. „Israel ging bisher davon aus, dass sich Sunniten und Shiiten bekämpfen“. „Jetzt richtet sich die Bedrohung stark gegen Israel“. Nicht nur Berichte von errichteten IS-Trainingscamps auf der Sinai-Halbinsel, sondern auch eine verstärkte antisemitische Polemik von seiten des IS, untermauern seinen Eindruck. „Der Wind wird rauer und gefährlicher“, stellt Borchard fest.
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Veranstaltungshinweis:
Am 18. Mai findet eine Konferenz in Israel zum 100-jährigen Sykes-Picot-Abkommen statt. Nähere Infos zum Programm finden Sie hier.
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