KAS COLOMBIA

Veranstaltungsberichte

Viertes Stipendiatentreffen

Am Mittwoch, dem 7. September organisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung, KAS Kolumbien, das vierte Treffen von Sur-Place-Stipendiaten, die derzeit an verschiedenen Universitäten des Landes einen Masterabschluss anstreben.
Cuarto Encuentro de becarios KAS KAS COLOMBIA
Cuarto Encuentro de becarios KAS

Nach den Grußworten der Projektkoordinatorin der KAS, Sylvia Gontermann, folgten zwei Vorträge, der erste zum Stand der Umsetzung des Friedensabkommens in Kolumbien, präsentiert von der Stipendiatin Tatiana Niño, und der zweite zum Thema Agrarreform und Situation in ländlichen Gebieten, vorgetragen von dem Stipendiaten Nicolás Urbano.  

Tatiana Niño betonte zunächst, dass aufgrund der Erfahrungen in anderen Ländern nach einem Friedensabkommen die Gewalt zwischen den verschiedenen bewaffneten Gruppen erst einmal zunehme. Diese Entwicklung sei nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla im Jahr 2016 vor allem in den Randgebieten des Landes zu beobachten gewesen. Während der Verhandlungsphase zwischen 2015 und 2016 seien Tötungsdelikte und Massaker etwas zurückgegangen, jedoch in den letzten Jahren sei wieder ein Anstieg zu beobachten. Anschließend erläuterte sie den Aufbau der drei wichtigsten bewaffneten Gruppen, der ELN, der FARC-Dissidenten, die das Friedensabkommen nicht akzeptiert haben, und des Golf-Clans.

Nachdem sie die komplexen Strukturen und Unterstrukturen dieser Gruppen erläutert hatte, betonte sie, dass diese heute nicht mehr von der Bevölkerung akzeptiert werden, da sie begonnen haben Verbrechen gegen soziale Führer, die Polizei und die gesamte Bevölkerung in ihrem Einflussbereich zu begehen.

Als nächstes erläuterte Tatiana Niño die Struktur der JEP (Sondergerichtsbarkeit für den Frieden) und ihre Aufgabe, die Gewalttaten vor 2016 aufzuklären; die JEP könne zwar diejenigen, die sich schuldig bekennen anklagen, aber nicht verurteilen. Obwohl die Arbeit dieser Institution von der vorherigen Regierung oft kritisiert wurde, erkenne man die Bedeutung der Anhörungen zur Aufklärung der gewalttätigen Ereignisse dieser Zeit größtenteils an.

Zum Vorschlag eines “totalen Friedens” der neuen Regierung, die mit allen kriminellen Gruppen verhandeln will, wurde erklärt, dass die ELN-Guerilla dagegen sei, da sie sich als einzige Gruppe mit einem politischen Hintergrund betrachte, während beispielsweise der Golf-Clan sich nur auf die Gewinne aus dem Drogenhandel konzentriere.

In der zweiten Präsentation hob Nicolás Urbano hervor, dass der Kampf um Landbesitz schon immer der Hauptgrund für gewalttätige Konflikte in Kolumbien gewesen sei. Derzeit seien 77% des Landes in der Hand von 13% der Eigentümer, während 30% des Landes nur 3,6% der Kolumbianer gehöre.

Das größte Problem sei dabei die fehlende Registrierung in einem amtlichen Kataster. Traditionell glaubten die Bauern, die ein Stück Land bewirtschaften, dass sie dadurch zum Eigentümer werden; eine Formalisierung würde Verpflichtungen wie zum Beispiel Steuerzahlungen mit sich bringen. 

Im zweiten Punkt des Friedensabkommens werde die Formalisierung des Landbesitzes vorgeschlagen; die neue Regierung wolle die Anhäufung von Land ohne angemessene Nutzung vermeiden, vor allem um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten.  

Dadurch werde eine Umverteilung von fruchtbarem, aber unproduktivem Land angestrebt. Durch eine angemessene Nahrungsmittelproduktion solle die Abhängigkeit von Erdöl und Bergbau verringert werden.

Urbano betonte, dass die Friedensverhandlungen mit der ELN-Guerilla viel komplizierter sein würden, da diese Gruppierung nicht über eine zentrale Führung verfüge, die für die gesamte Guerilla sprechen könne, sondern aus zahlreichen kleinen Gruppen mit unterschiedlichen Strukturen bestehe, die nicht einem zentralen Kommando unterstellt seien.

Zum Abschluss des Treffens wurde die von einer Ministerin der neuen Regierung vorgeschlagenen „Degrowth-Theorie“ diskutiert, wodurch nicht erneuerbare Ressourcen eingespart werden sollen, ein einfacherer Lebensstil angestrebt und eine ungezügelte Entwicklung von Produktion und Konsum vermeiden werden soll.

 

Kontakt

Sylvia Gontermann Hawil

Sylvia Gontermann Hawil (2021)

Projektkoordinatorin und Verwaltung

Sylvia.Gontermann@kas.de +57 1 74309 47-201