Veranstaltungsberichte

"Wertebasis nicht vergessen"

Experten vermitteln Grundsätze und Anwendungsbeispiele der Sozialen Marktwirtschaft

Im Rahmen ihres Kurzzeitexperteneinsatzes in Mexiko vermittelten der langjährige Leiter der internationalen Arbeit der Konrad Adenauer Stiftung, Dr. h.c. Josef Thesing, und das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Industrie Baden-Württemberg (LVI), Senator e.h. Wolfgang Wolf, einem breiten Publikum in Mexiko einerseits zentrale Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und andererseits konkrete Anwendungsbeispiele für Innovationsprozesse in der globalisierten Welt.

Herausragend waren dabei die Teilnahme am Jahreskongress des christlichen Unternehmerverbandes USEM in San Luis Potosí und eine Veranstaltung der Cátedra Konrad Adenauer in Guadalajara. Hinzu kamen spezifische Vorträge vor einem interessierten Multiplikatorenpublikum, unter anderem beim Instituto Mexicano de Doctrina Social Cristiana (IMDOSOC). Ein Gedankenaustausch mit wichtigen PAN-Politikern mit Blick auf die Erarbeitung der programmatischen Plattform für die Präsidentschaftswahlen 2012 rundete das Programm ab.

Wertebasis der Sozialen Marktwirtschaft als Leitplanke für die Entwicklung ordungspolitischer Konzepte

Josef Thesing dokumentierte in seinen Vorträgen vor allem die Wertebasis der Sozialen Marktwirtschaft, die nicht von der Anwendung in einzelnen Ländern abhängig ist, sondern eine Leitplanke für die Entwicklung ordnungspolitischer Konzepte überall darstellt. Auf sie gelte es sich zu besinnen, so Thesing, mit Blick auf aktuelle Verwerfungen in der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Institutionelle Defizite und individuelles Fehlverhalten hätten sich da ergänzt. Wichtig für die Demokratie sei es zudem, die Grundbedürfnisse der Menschen nach Gerechtigkeit und sozialem Ausgleich auch durch eine entsprechende Wirtschaftsordnung zu befriedigen.

Wolfgang Wolf stellte Fragen des Technologietransfers und der Innovation in den Mittelpunkt seiner Vorträge und erklärte hier vor allem das notwendige Zusammenspiel von staatlichen Rahmenbedingungen, wirtschaftlicher Initiative und akademischer Bereitschaft für Kooperation. Der LVI hat dazu in den letzten Jahren in Mexiko in Zusammenarbeit mit COPARMEX, USEM, der Steinbeis-Stiftung und der Konrad Adenauer Stiftung konkrete Initiativen entwickelt, nicht zuletzt im Rahmen eines Pilotprojekts im Bundesstaat Guanajuato.

USEM-Kongress Demos a México un futuro mit renommierten internationalen Experten

Vom 31.März bis 2. April 2011 waren die beiden Kurzzeitexperten zum XIV. nationalen Kongress der christlichen Unternehmervereinigung Mexikos, USEM, nach San Luis Potosí geladen. Die Veranstaltung zum Thema „Geben wir Mexiko eine Zukunft“ stieß bei den 400 Gästen aus dem unternehmerischen Bereich sowie 400 Studenten verschiedener Fakultäten der drei lokalen Universitäten auf großes Interesse. In verschiedenen Vorträge und Diskussionsrunden wurde die Notwendigkeit deutlich, sich wieder auf die ursprünglichen Prinzipien des Unternehmerverbandes zu besinnen und den Mensch in den Mittelpunkt des Schaffens der Unternehmen zu stellen.

Unter den geladenen Rednern befand sich unter anderem Dr. a.h. Rocco Buttiglione, ehemaliger Minister Italiens und Vorsitzender des italienischen Abgeordnetenhauses. Er sprach über den Menschen im Angesicht einer neuen Epoche, der sich wieder auf traditionelle Werte wie Familie und Religion zurückbesinnen müsse.

Armando González Escoto dagegen stellte die Bedingungen und Tendenzen des mexikanischen Alltags dar und verlangte von den Unternehmern Führungsstärke, um einen Wandel im Bildungs- sowie im politischen System einzuleiten. Die Unternehmer hätten die Verantwortung, als Kontrollmechanismen der Politik zu wirken. Das mexikanische Unternehmen „Bimbo“, weltweit größte Brothersteller und in Mexiko Vorbild in der sozialen Unternehmerschaft, verriet das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens: Nicht der Gewinn werde in den Mittelpunkt gestellt, sondern die Mitarbeiter und ihre Familien. So könne ein langfristiges Wachstum geschaffen werden.

Politik und Demokratie: Krise und Herausforderungen

Dr. h.c. Joseph Thesing referierte zum Thema „Politik und Demokratie: Krise und Herausforderungen“. Mit seinen Erklärungen zur Politik und Demokratie im Allgemeinen und der Situation in Mexiko im Besonderen konnte er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer an sich binden. Dr. Thesing mahnte, dass die mexikanische Verfassung nicht der Realität des Landes entspreche. Mexikanische Politik sei nicht ausreichend transparent und die Gewerkschaften hätten zu viel unkontrollierte Macht. Außerdem leide die mexikanische Politik unter der starken Korruption.

Trotz dieser und vieler weitere Kritikpunkte an der mexikanischen Demokratie sei die Hoffnung nicht zu verlieren. Mexiko habe eine formelle Demokratie auf soliden Pfeilern, auch wenn sich dies erst seit dem Jahrtausendwechsel in Richtung einer wahren Demokratie entwickeln könne. Wichtig sei, dass diese Entwicklung in Mexiko nicht unterbrochen würde. Auf Nachfrage des Publikums unterstrich Thesing noch einmal, dass das größte Problem der Politik Mexikos und Lateinamerikas die Präsidiale Demokratie sei. Die Parteienlandschaft sei deshalb weiter zu stärken.

Marktwirtschaft im Dienste des Menschen

Wolfgang Wolf stellte während des Panels zum Thema „Marktwirtschaft im Dienste des Menschen“ heraus, dass es kein Patentrezept für die Soziale Markwirtschaft gäbe. Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft könne nicht weltweit in kurzer Zeit umgesetzt werden, sondern müsse Schritt für Schritt durch umfassende strategische Allianzen zwischen Industrie, Politik und Universitäten an Bedeutung gewinnen. Unternehmertum bedeute etwas zu unternehmen, aktiv zu werden und sich selbst in die Politik zu begeben um überholte Strukturen abzuschaffen. Es heiße schließlich Unternehmer und nicht „Unterlasser“.

Die Aufgabe des Staates sei es, in ständiger Kooperation mit Unternehmern und Verbänden Rahmenbedingungen zu setzen. Die Politik allein könne nicht die optimale Ressourcenallokation vorgeben. Gerade angesichts der jüngsten weltweiten Finanzkrise, die ihren Ursprung vor allem im Handel mit virtuellen, nicht greifbaren, Werten entstanden sei, müssten Unternehmer bemüht sein, echte, greifbare Werte zu schaffen. Hierbei müssten insbesondere Familienunternehmen und der Mittelstand als Vorbild soziale und ökologische Verantwortung übernehmen.

Weitere Redner waren der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des internationalen Dachverbandes christlicher Unternehmerverbände UNIAPAC, José Ignacio Mariscal sowie der ehemalige Finanzminister Chiles und seit kurzem Geschäftsführer der Stiftung UNIAPAC, Dr. Eduardo Aninat. Der diesjährige Preisträger der "Iniciativa México", Raúl Hernández Garcíadiego, stellte ein umfassendes Projekt zum verantwortungsbewussten Umgang mit Wasser vor.

Text von Frank Priess und Elisabeth Kahler

Ansprechpartner

Ing. Hans-Hartwig Blomeier

Hans Blomeier

Leiter des Auslandsbüros Mexiko

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