Am 22. Mai 2026 beschloss die 79. Weltgesundheitsversammlung (WHA), die Verhandlungen über den PABS-Annex zum Pandemieabkommen um ein Jahr zu verlängern. Diese Entscheidung fiel am Ende einer langen Reihe intensiver Verhandlungsrunden, in denen hartnäckige Uneinigkeiten über zentrale Elemente des Systems lediglich vorsichtige Fortschritte zugelassen hatten. Die mit der Ausarbeitung des PABS-Annex beauftragte zwischenstaatliche Arbeitsgruppe (Intergovernmental Working Group, IGWG) hat nun bis zur 80. WHA im Mai 2027 Zeit, ihre verbleibenden Differenzen zu überwinden und den PABS-Annex zu einem konsensfähigen Abschluss zu bringen.
Den Auftakt dieser verlängerten Verhandlungsphase bildete die siebte offizielle Sitzung der IGWG, die vom 6. bis 17. Juli in Genf stattfand. Als gemeinsame Arbeitsgrundlage diente ein zuvor von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichter Zwischenstand, der auch die Ergebnisse der hybriden informellen Beratungen vom 22. bis 26. Juni sowie vom 29. Juni und 3. Juli zusammenführte. Mit einem von der Africa Group eingebrachten sogenannten föderierten Modell (Federated Model) und einem Hybridmodell der Europäischen Union lagen zudem erstmals zwei konkrete Vorschläge für die Ausgestaltung des Zugangs zu Pathogenmaterialien und Sequenzinformationen sowie des damit verbundenen Vorteilsausgleichs auf dem Tisch. Beiden Modellen ist gemein, dass sie ein von der WHO koordiniertes Labornetzwerk, eine Einbeziehung bereits anerkannter Sequenzdatenbanken sowie die Integration rechtlich verbindlicher PABS-Verträge vorsehen. Sie unterscheiden sich jedoch grundlegend darin, wie bestehende und neu bereitgestellte Sequenzinformationen in die PABS-Architektur eingebunden werden, wo Patho-genmaterialien und Daten aufbewahrt werden sollen, unter welchen Bedingungen sie weitergegeben werden können und zu welchem Zeitpunkt Verpflichtungen zum Vorteilsausgleich entstehen. Auch wenn sich die IGWG während ihrer siebten Sitzung nicht auf eines der beiden Modelle verständigte, stellte deren Vorlage einen wichtigen Schritt hin zu konkreteren Verhandlungsdokumenten dar und eröffnete Perspektiven für eine operative Annäherung.
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