Der Bundestagswahlkampf 2025 war durch eine tiefe Krise politischen Vertrauens geprägt: Die vormals regierenden Parteien verlieren massiv an Zustimmung, während die Oppositionsführung aus CDU/CSU nur marginal profitiert. Gleichzeitig erstarken AfD, BSW und Die Linke.
Soziale Medien und der digitalisierte Wahlkampf nehmen eine zentrale Rolle im Wahlkampf ein. Soziale Medien ermöglichen niedrigschwellige Kommunikation, bergen jedoch Risiken wie Desinformation und algorithmische Abschottung.
Strukturelle Entwicklungen digitaler Wahlkämpfe:
- Digitale Wahlkämpfe unterscheiden sich von analogen durch Interaktivität, Dezentralität, Echtzeitkommunikation und algorithmisch gesteuerte Microtargeting-Strategien.
- Digitale Plattformen fördern sowohl Mobilisierung als auch Fragmentierung der Öffentlichkeit.
- Wahlkämpfe verlagern sich zunehmend auf Online-Plattformen, insbesondere zur Ansprache jüngerer Wählergruppen, aber auch um Zielgruppen zu erreichen, die seltener traditionelle Medien konsumieren.
Veränderte Nutzung sozialer Netzwerke:
- X (vormals Twitter) verliert stark an Relevanz, insbesondere bei progressiven und linkeren Parteien, die sich vermutlich aufgrund politischer Positionierungen von Elon Musk zurückgezogen haben.
- Facebook erlebt einen allgemeinen Bedeutungsverlust in der aktiven Wahlkampfnutzung.
- Instagram wird zunehmend zum relevantesten Medium, besonders für jüngere Zielgruppen.
- BlueSky etablierte sich als neue dezentrale Alternative, insbesondere für linke und liberale Kandidatinnen und Kandidaten.
- TikTok gewinnt massiv an Bedeutung, insbesondere bei AfD und SPD, wobei Reichweiten stark schwanken.
Aktivität und Erfolg in sozialen Medien:
- Parteien passen ihre Strategien zunehmend plattformspezifisch an.
- Die AfD erreicht auf Facebook und TikTok eine besonders hohe Effizienz: vergleichsweise geringe Aktivität erzielte überproportional viele Interaktionen.
- Instagram war im Bundestagswahlkampf 2025 die Plattform mit den meisten durchschnittlichen Interaktionen (Likes).
- Digitale Öffentlichkeiten fragmentieren sich entlang parteipolitischer Linien: Facebook wird zum kommunikativen Raum der AfD, Instagram zu jenem der Grünen.
Innovationen im Wahlkampf 2025:
- Podcasts wurden sukzessive strategisch eingesetzt, sowohl zur Ansprache bürgerlich-konservativer als auch jüngerer progressiver Wählerinnen- und Wählerschichten.
- YouTube, Twitch und Instagram ermöglichten interaktive Bewegtbild-Formate zur niederschwelligen Wählerinnen- und Wähleransprache.
- Influencer-Kommunikation über Plattformen wie Instagram gewinnt immer mehr an Bedeutung.
- Künstliche Intelligenz wurde erstmals flächendeckend für die Produktion und Verbreitung personalisierter Wahlkampfinhalte eingesetzt, was neue Herausforderungen für Transparenz und demokratische Öffentlichkeit mit sich brachte.
Fazit: Der Bundestagswahlkampf 2025 verdeutlicht den tiefgreifenden Wandel politischer Kommunikation: Digitale Plattformen sind nicht länger nur Ergänzung klassischer Formate, sondern zentrale Arenen politischer Auseinandersetzung. Gleichzeitig führen plattformspezifische Fragmentierungen zu neuen Herausforderungen für die demokratische Öffentlichkeit.
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Über diese Reihe
Rund um die Themen Kommunikation, Kampagnenmanagement und Digitale Strategie gibt der Blog Einblicke in aktuelle Trends der Politischen Kommunikation. Kommunikationsexpertinnen und -experten geben innovative, praktische Tipps für die politische Kampagne und für die Umsetzung.