Das System basiert auf ChatGPT-4.0 und Perplexity.ai und ist so programmiert, das ausschließlich Fragen zu Wahlprogrammen, Wahlkampfthemen und Spitzenkandidaten beantwortet werden. „Das Ziel von wahl.chat ist es, Nutzerinnen und Nutzern zu ermöglichen, sich interaktiv und zeitgemäß mit den Positionen der Parteien auseinanderzusetzen und mit Quellen belegbare Antworten auf individuelle Fragen zu erhalten“, erklärt Entwickler und Informatikstudent Roman Mayr. Finanziert wird das Non-Profit-Projekt über Spenden. Dieser KI-Assistent zur Bundestagswahl ist eine neue Form der Kommunikation mit Wählerinnen und Wähler.
Nicht alle, die zur Wahl stehenden Parteien sind erfasst, sondern aktuell die Parteien CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen, FDP, Die Linke, AfD sowie die neu gegründete Parteien BSW und Volt. Der KI-Assistent erklärt die Standpunkte der Parteien zu verschiedenen Themen wie Klimaschutz, Migration und Wirtschaft. Zudem kann man auch Positionen mehrerer Parteien zu einem Thema direkt vergleichen. Grundlage sind die Parteiprogramme und andere relevante Parteidokumente. Interessant ist auch die Pro- und Contra-Einschätzung zu den einzelnen Positionen. Als Quellen dienen Parteidokumente, Nachrichtenportale und Webseiten von Parteipolitikern. Das zugrundeliegende „Large Language Model“ (LLM) generiert seine Antworten aus wertneutralen, faktengestützten Quellen. Dabei legen die Entwickler besonderen Wert auf Faktentreue, Neutralität und Transparenz. Über Fußnoten werden die Quellen angezeigt und über einen verlinkten „KI-Hinweis“ werden die Userinnen und User über mögliche Fehlinformationen oder „Halluzinationen“ informiert.
Wahl.chat verfolgt einen anderen Ansatz als der bekannte „Wahl-O-Mat“ der „Bundeszentrale für Politische Bildung“ (bpb), der im Übrigen erst am 06. Februar freigeschaltet wird. Es gibt keine vorgegebenen 35 Fragen, die die Userin oder der User beantworten muss, um am Ende eine Parteiempfehlung zu erhalten. Bei wahl.chat können eigene Interessensfelder abgefragt werden, um eigenständig Parteipositionen kritisch einzuordnen und dann selbst eine Parteipräferenz festzulegen.
Das Projekt entstand als die fünf Studenten über Nils Diederich, dem Großvater von Rapper „Ski Aggu“ und Erfinder des Wahl-O-Mats, diskutierten. Kurz darauf im November 2024 begann die Entwicklung eines neuen Wahl-O-Mats mithilfe von KI, mit dem jeder chatten kann und der es jedem selbst überlässt, individuelle Fragen zu den Parteien vor der Bundestagswahl zu klären und Antworten zu erhalten. Der KI-Assistent wird stetig weiterentwickelt. Aktuell forscht das Team aus Informatik- und Psychologiestudenten sowie Doktoranten gemeinsam in einer Forschungsgruppe an der University of Cambridge zum Thema KI. Dieser neue Ansatz zur interaktiven, politischen Bildung wird es sicherlich in Zukunft häufiger geben.
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Rund um die Themen Kommunikation, Kampagnenmanagement und Digitale Strategie gibt der Blog Einblicke in aktuelle Trends der Politischen Kommunikation. Kommunikationsexpertinnen und -experten geben innovative, praktische Tipps für die politische Kampagne und für die Umsetzung.