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Veranstaltungsberichte

75 Jahre Israel

von Jonathan Babka

Ein Land zwischen High-Tech, Gegensätzen und Nahostkonflikt

Am 14. Mai jährt sich die Staatsgründung Israels zum 75. Mal. Das allein wäre schon Anlass genug, um die bewegte Geschichte des Landes näher zu beleuchten. Die besondere Aktualität durch die angestrebte Justizreform, den innenpolitischen Dissens und die dauerhafte Bedrohung durch den Nahost-Konflikt machen eine Beschäftigung mit dem jüdischen Staat gerade jetzt besonders interessant.

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Politisch-interessierte Menschen aus ganz Deutschland sind für vier Tage in die Villa La Collina nach Cadenabbia gereist, um sich an der alten Wirkungsstätte Konrad Adenauers intensiv mit aktuellen politischen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Schon der erste deutsche Bundeskanzler war in seinem politischen Wirken eng mit dem Staat Israel verbunden, weshalb die geschichtsträchtige Anlage am Comer See als Veranstaltungstätte für das inhaltliche Seminar besonders reizvoll ist.

Das facettenreiche Programm beleuchtete gleichermaßen die historische Entwicklung Israels, aktuelle gesellschaftliche Konflikte, die Rolle im Nahost-Konflikt sowie die Bedeutung Israel als führende Wissenschafts- und Innovationsnation.

Die inhaltliche Beschäftigung begann mit einem Blick in die Vergangenheit durch Dr. Olaf Glöckner. Er forscht am renommierten Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien. Ausgehend von der Staatsgründung erklärte er die Geschichte Israels ausführlich. Als zionistisches Einwanderungsland und einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten musste sich Israel auch militärisch früh behaupten. Der Sechs-Tage-Krieg, der Jom-Kippur-Krieg und gewaltsame Konflikte mit Teilen der Palästinenser forderten Israels Rolle in der Region heraus.

In Israel leben diverse ethno-kulturelle Gruppen friedlich zusammen. Die Republik ist ein pluralistisches Land mit einer Vielzahl von religiösen Gruppen. Olaf Glöckner brachte hier Licht ins Dunkel, indem er die Bevölkerungsstruktur des Landes von aschkenasischen Juden bis zu Beduinen erklärte.

Aller Konflikte und gesellschaftlichen Spannungen zum Trotz erlebte Israel einen Wirtschaftsboom und gilt heute als StartUp-Nation und Vorreiter in der Forschung. Wenige Deutsche haben einen unmittelbareren Einblick in die schillernde Wissenschafts- und StartUp-Kultur des Landes als Andrea Frahm. Als Israel-Repräsentantin der Helmholtz-Gemeinschaft lebt und arbeitet in sie in Tel Aviv und konnte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus erster Hand Informationen über die gewaltigen Anstrengungen Israels im Bereich der Forschung berichten. Gerade im Bereich der Zukunftstechnologien ist Israel Deutschland weit voraus. Umso wichtiger seien in den Augen Andrea Frahms ein lebhafter Austausch und Forschungstransfer zwischen den beiden Ländern.

Am Abend wurde während eines Kamingespräches die inhaltliche Auseinandersetzung fortgeführt. Bis spät in die Nacht diskutierten die Teilnehmer über die Deutsche Staatsraison und die historische Verantwortung gegenüber Israel.

Den restlichen Tag prägte die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Nahost-Konfliktes. Christina Baade lebte lange im Nahen Osten und betreute dort für die Konrad-Adenauer-Stiftung diverse Projekte. Aus der Vogelperspektive zeigte sie Streitpunkte und Akteure des Konfliktes auf. Die Beziehung zwischen Israelis und Palästinensern ist wechselvoll und die Streitpunkte sind gewaltig: Der Status Jerusalems, der Siedlungsbau oder die Frage nach einem Palästinensischen Staat spalten die Region. 1993 führte die Unterzeichnung der Verträge von Oslo und die Schaffung der Palästinensischen Autonomiebehörde zu einem großen Schritt in Richtung Frieden. Seitdem führten wechselseitige Provokationen, die zweite Intifada sowie der anhaltende Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen zu einer Verhärtung der Fronten. Ein friedvolles Zusammenleben im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung scheint weit entfernt.

Trotzdem gibt es Zeichen einer arabisch-israelischen Annäherung. Zwischen Israel und Ägypten sowie Jordanien bestehen seit Jahrzehnten stabile Friedensabkommen. 2020 führten die Abraham Accords zu einer Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Marokko und Sudan mit Israel. Auch zivilgesellschaftliche Projekte wie das Hasoub Garage Projekt, das sich speziell arabische Firmengründer in Israel richtet, geben Anlass zur Hoffnung für eine friedvolle Lösung des Nahost-Konfliktes erreicht werden kann.

Insgesamt erlebten die Teilnehmer das Seminar als sehr inspirierende Erfahrung. An der historischen Wirkungsstätte Konrad Adenauers konnten sie durch spannende Vorträge und einen lebhaften Austausch die Komplexität des Themas durchdringen und Israel näherkommen.

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Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.