Länderberichte

Der G20-Gipfel in Korea - Reaktionen aus Russland

von Johan Bölts
Russland war massiv von der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen. Daher ist es verwunderlich, dass in der russischen Presse kaum etwas über den fünften G20-Gipfel in Seoul zu lesen war, der sich mit den Ursachen und den Folgen dieser Krise auseinandersetzte. Denn sogenannte „Währungskriege“ oder erhöhte Handelsbarrieren weltweit könnten Russland empfindlich treffen.

Es könnte aber auch sein, dass die russische Regierung keine großen Erwartungen an das Zusammentreffen der 20 stärksten Wirtschaftsnationen hatte, um konkrete Lösungen für die derzeitigen globalen Herausforderungen zu vereinbaren.

„Währungskriege“

Zukünftige globale Währungskriege und mit ihnen einhergehender Protektionismus als Folge würden Russland vor große wirtschaftliche Probleme stellen. Die Modernisierung der Wirtschaft Russlands ist auf ausländische Direktinvestitionen angewiesen, die allerdings seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auf einem Rekordtief angelangt sind. Ohne diese Investitionen bleibt das Land weiterhin abhängig von der Produktion und dem Export seiner Rohstoffe. Diese werden weltweit in US-Dollar gehandelt. Die Abwertung des US-Dollars hat nicht nur direkte negative Auswirkungen auf die Staatseinnahmen Russlands aus dem Öl und Gasgeschäft. Russland besitzt auch die weltweit drittgrößten Währungsreserven, die zu 47 Prozent aus dem US-Dollar und zu 41 Prozent aus dem Euro bestehen (der Rest sind englische Pfund und japanische Yen). Eine Abwertung des US-Dollars würde auch eine Abwertung der russischen Währungsreserven zur Folge haben. Der Euro selber ist nur aufgrund des schwachen US-Dollar zurzeit relativ stark, laut der Zeitschrift The Economist aber zu 29 Prozent überbewertet und könnte somit in naher Zukunft deutlich an Wert verlieren.

Die hohen Schulden einiger Euro-Mitgliedstaaten und deren prekäre finanzielle Lage sind nicht erst seit der Griechenland-Krise eine Bedrohung für die Stabilität des Euroraums, dessen Nachbar und Wirtschaftspartner Russland ist. Seit 2008 ist es offizielle russische Politik, die russische Währung, den Rubel, als regionale Reservewährung zu etablieren, auch wenn dies bis heute bei vielen ehemaligen Sowjetstaaten auf wenig Gegenliebe stößt. Auch bietet der russische Anleihenmarkt nicht die Tiefe und Liquidität eines Dollar oder Euro, um als Reservewährung attraktiv zu sein. Noch während der Krise musste die russische Zentralbank ein Drittel ihrer Währungsreserven einsetzen, um einen dramatischen Kurssturz des Rubel abzuwenden. Präsident Medwedew sah die Verabschiedung eines Aktionsplanes für unterschiedliche makroökonomische Szenarien als das wichtigste positive Ergebnis des Zusammentreffens der G20. Zur Aufgabe Russlands in diesem Plan äußerte er sich allerdings nicht. Weiterhin wies Medwedew darauf hin, dass die Stabilität des Rubel vom russischen Binnenmarkt und den an eine stabile Währung geknüpften Bedingungen abhänge – jetzt, da die Gefahr eines Währungskrieges erst einmal verringert werden konnte. Dazu gehöre auch, Moskau als internationales Finanzzentrum zu etablieren. Voraussetzung dafür sei die Vermeidung von zukünftigen Finanzkrisen, weshalb Medwedew als zweites positives Ergebnis die Erschaffung eines globalen Finanzsicherheitsnetzes auf Vorschlag des koreanischen Gastgebers betonte. Moskau stellte sich aber gegen den amerikanischen Vorschlag, die Obergrenze für die Außenhandelsbilanz auf 4 Prozent des BIP festzusetzen. Derzeit besitzt Russland eine positive Außenhandelsbilanz von 6,3 Prozent.

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