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Event reports

Macht und KI

by Bruno Richter

Sind die großen Tech-Giganten eine Gefahr für die Demokratie? - Veranstaltung in Kooperation mit dem KI Netzwerk Dresden

Bei der Veranstaltung „Macht und KI – Sind die großen Tech-Giganten eine Gefahr für die Demokratie?“ diskutierten das Politische Bildungsforum Sachsen und das KI Netzwerk Dresden am 25. Juni 2026 über den Einfluss von Künstlicher Intelligenz und digitalen Plattformen auf demokratische Prozesse. Dr. Martin Andree zeigte in seinem Impulsvortrag die Macht großer Technologieunternehmen auf und plädierte für mehr Transparenz sowie eine stärkere Regulierung digitaler Plattformen. Die anschließende Diskussion verdeutlichte die Bedeutung von Medienkompetenz, politischer Gestaltung und gesellschaftlichem Dialog für eine demokratische digitale Zukunft.

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War 1990 das Internet nur auf einen einzigen Server beschränkt, durchzieht es nun im großen Stile wie wir arbeiten, kommunizieren und Informationen wahrnehmen – und damit auch die Grundlagen demokratischer Meinungsbildung. Welche Auswirkungen haben Künstliche Intelligenz und digitale Plattformen auf demokratische Gesellschaften? Und wie können Politik und Gesellschaft den digitalen Wandel im Sinne demokratischer Grundwerte gestalten? Diesen und anderen Fragen nahm sich die Veranstaltung „Macht und KI – Sind die großen Tech-Giganten eine Gefahr für die Demokratie?“ am 25. Juni 2026 an, zu der das Politische Bildungsforum Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam mit dem KI Netzwerk Dresden eingeladen hatte. Die Veranstaltung fand bereits im dritten Jahr der Kooperation beider Partner in den Räumen der ostec.ai in hoher Beteiligung statt.


Zu Beginn begrüßten Lina Berends vom Politischen Bildungsforum sowie Stefan Queisser vom KI Netzwerk Dresden die Gäste. Queisser betonte dabei insbesondere den Wert des Austauschs zwischen unterschiedlichen Zielgruppen, den eine solche Kollaboration für das KI Netzwerk ermögliche, während Berends hervorhob, dass der gesellschaftliche Diskurs über Künstliche Intelligenz technische Entwicklungen ebenso berücksichtigen müsse wie ethische Fragestellungen.


Der Referent des darauffolgenden Impulsvortrags des Abends war Dr. Martin Andree, der sich durch seine Arbeit an den Schnittstellen von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft der hohen Bedeutung von Kollaboration stets bewusst zeigte. Als Medienwissenschaftler an der Universität zu Köln, Gründer und Autor hob er früh und eindrücklich hervor was in seinen Buchtiteln wie „Krieg der Medien“ oder „Big Tech muss weg“ illustriert wird: Digitale Plattformen sind längst nicht mehr nur Kanäle zur Verbreitung von Informationen. Andree erinnerte zunächst daran, dass sich die Informationsbeschaffung in den vergangenen Jahren nahezu vollständig ins Digitale verlagert habe. Beispielsweise die Mechanismen sozialer Medien – Algorithmen – personalisieren Inhalte und orientieren Informationsgehalt an Aufmerksamkeit und Reichweite – was wiederum Polarisierung verstärken und die Bildung von Filterblasen begünstigen könne. Plattformen wie Meta (Facebook, Instagram) oder Google, deren Geschäftsmodell auf möglichst hoher Interaktion basiert, könnten dadurch radikale oder besonders emotionale Inhalte bevorzugen. Dies habe Auswirkungen auf gesellschaftliche Debatten, das Vertrauen in Institutionen und letztlich auch auf demokratische Entscheidungsprozesse. Da jedoch Meinungsbildung von Transparenz, Teilhabe und einem gemeinsamen Verständnis von Fakten lebe, gerät diese Grundlage der Demokratie in digitalen Räumen zunehmend unter Druck.


Vor diesem Hintergrund sprach sich Andree für einen stärkeren ordnungspolitischen Rahmen aus. Europa müsse seine demokratischen Grundwerte konsequenter in die Regulierung digitaler Plattformen einbringen. Dazu gehörten mehr Transparenz darüber, welche Inhalte wirtschaftlich profitieren, klare Haftungsregeln für Plattformbetreiber sowie die Begrenzung monopolartiger Marktstrukturen, damit wirtschaftliche Monopole nicht zu Meinungsmonopolen werden. Staatliche Regulierung sei daher nicht zwangsläufig ein Eingriff in die digitale Meinungsfreiheit, sondern könne vielmehr die Voraussetzungen für einen fairen demokratischen Austausch schaffen.
Anhand seiner wissenschaftlichen Arbeiten, darunter der „Atlas der Digitalen Welt“ verdeutlichte Andree zudem, wie sich Aufmerksamkeit im digitalen Raum verteilt und welche Akteure dadurch besonders großen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung gewinnen. Er untersucht damit was es bedeuten kann, dass große Technologieunternehmen heute über enorme Datenmengen, finanzielle Ressourcen und globale Reichweite verfügen. Gleichzeitig hob er die Bedeutung eines unabhängigen Journalismus als vierte Gewalt im demokratischen System hervor. Qualitativ hochwertiger Journalismus sei weiterhin vorhanden, werde jedoch im Wettbewerb mit den großen Plattformen häufig weniger sichtbar. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die These, dass Öffentlichkeit der zentrale Raum demokratischer Auseinandersetzung ist und die Beeinflussung dessen durch digitale Medien deshalb besonderer Aufmerksamkeit bedarf.


Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. In dieser wurden unter anderem die Rolle Europas im globalen Wettbewerb zwischen den Plattformen künstlicher Intelligenz aus den USA und China sowie der Umgang mit Fake News und die Möglichkeiten technischer Lösungen zu deren Erkennung angesprochen. Ebenso wurde gemeinsam überlegt, welche Verantwortung jede und jeder Einzelne im digitalen Raum trägt. Anhand alltagsnaher Beispiele verdeutlichte Martin Andree daraufhin, wie globale Machtmechanismen den digitalen Raum prägen. Er machte deutlich, dass gesellschaftliche Gestaltungsmacht nicht allein bei Politik oder Unternehmen liegt, sondern schärfte das Bewusstsein dafür, wem die digitalen Räume gehören und nach welchen Regeln sie funktionieren. Dadurch ergaben sich Anhaltspunkte, um das eigene Medienverhalten reflektierter zu gestalten und damit selbst zur Stärkung demokratischer Öffentlichkeit beitragen.


So lautete die zentrale Erkenntnis des Abends im Zusammenspiel zwischen Dr. Andree’s fundiertem Input und den vielseitigen Interessen des Dresdner Publikums: Die digitale Transformation ist keine Entwicklung, der wir im demokratischen Miteinander machtlos ausgeliefert sind. Politische Regulierung, Medienkompetenz, transparente Plattformstrukturen und ein offener gesellschaftlicher Dialog könnten dazu beitragen, Innovation und demokratische Grundwerte miteinander zu verbinden. Vor allem aber zeigte die Veranstaltung eindrucksvoll, wie wichtig der interdisziplinäre Austausch über die Zukunft von Demokratie und Digitalisierung ist und wohl bleiben wird.

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