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Über den Wert von Austauschprogrammen

kohta Dr. Lars Hänsel, Claudia von Salzen

Austauschprogramm 2003: Mo 20. bis Mi 29. Okt. 2003

Bericht über das Austauschprogramm 2003 zwischen dem American Jewish Committee und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Der kleine Raum im US-Senat war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Dabei ging es gar nicht um ein amerikanisches Thema, sondern um Antisemitismus in Europa. Der Unterausschuss Europa des Auswärtigen Ausschusses war deshalb eigens zu einer Anhörung zusammengekommen. Gerade hatte der demokratische Senator Joseph Biden den europäischen Regierungen Halbherzigkeit im Umgang mit dem Antisemitismus vorgeworfen. Und im Publikum saßen viele, die diese Besorgnis teilten: Davis Harris vom American Jewish Committee etwa, der später selbst vor dem Ausschuss über den wachsenden Antisemitismus in Europa berichten sollte. Oder Abraham Foxman von der Anti-Defamation League, ein Überlebender des Holocaust, der die Europäer aufforderte, entschlossener gegen den Antisemitismus Stellung zu beziehen. Manchmal zitterte ihm ein wenig die Stimme dabei.

Irgendwo in diesem kleinen Saal saßen auch wir. Wir - das war eine Gruppe von neun jungen Deutschen, darunter Mitarbeiter von Bundestagsabgeordneten, junge Politiker und Journalisten, die an einem Austauschprogramm von Konrad-Adenauer-Stiftung und American Jewish Committee teilnahmen. Wir hörten uns die Statements an, und manch einer fühlte sich stellvertretend für das alte Europa ein wenig ungerecht behandelt. Manch einer wäre vielleicht gern aufgestanden und hätte erklärt, dass wir nicht alle Antisemiten sind, dass der Antisemitismus zwar ein ernstzunehmendes Problem ist, aber zum Glück in unserer Gesellschaft keine Chance mehr hat. Aber die Fragen und Kommentare kamen von den Senatoren, nicht von uns. So wollte Senator Biden wissen, ob das Thema Antisemitismus von den europäischen Eliten überhaupt diskutiert würde. Die Frage war an Edward O’Donnell gerichtet, Sondergesandter des State Department für Holocaust-Fragen. „Ich war heute mit einer Gruppe von jungen deutschen Politikern und auch Journalisten zusammen, und dieses Thema kam zur Sprache“, antwortete O’Donnell. Die Deutschen seien hier sehr aktiv. Diese Gruppe, das waren wir. Bei unserem Besuch im State Department hatten wir auch Edward O’Donnell kennen gelernt. Ihm und seinen Kollegen hatten wir versichert, dass ausländerfeindliche und antisemitische Straftaten in Deutschland streng verfolgt werden, dass man mit antisemitischen Äußerungen keine Wahlen gewinnen kann, weil es einen breiten Konsens in der Gesellschaft gibt gegen Antisemitismus.

Seit 23 Jahren gibt es das Austauschprogramm von American Jewish Committee und Konrad-Adenauer-Stiftung nun schon. Erstmals hatte jetzt eine Gruppe im offiziellen Washington eine winzigkleine Spur hinterlassen. Eine Spur, die am Ende bis nach Deutschland zurückführte – in einem Bericht der deutschen Botschaft an das Auswärtige Amt, in dem die Gruppe und ihre kleine Rolle in dem Hearing positiv erwähnt wurden.

Wir waren in die USA gereist, um etwas über jüdisches Leben in den USA und die transatlantischen Beziehungen zu lernen. „Aber für viele eurer Gesprächspartner wird die Begegnung mit euch mindestens genauso wichtig sein wie für euch selbst“ – das hatte uns der Germanist und Historiker Jeffrey Peck in Washington prophezeit.

Da war das Treffen mit jungen amerikanischen Juden in Washington, das mit einer kurzen Vorstellung der persönlichen Biographien begann und mit einer kontroversen Diskussion über den Nahost-Konflikt endete. Auf dieses Thema kamen wir während unserer Reise immer wieder zu sprechen – und fast jedes Mal stand der Vorwurf an die Europäer im Raum, sich in diesem Konflikt nicht deutlich genug hinter Israel zu stellen.

Da waren die Familien, die uns zum Abendessen in ihre Häuser einluden und uns nach der Vorspeise sagten, wir könnten alles fragen, was wir wissen wollten – die aber auch neugierig waren auf unsere persönlichen Geschichten.

Da war die alte Dame, die uns durch das jüdische Museum in New York führte und fließend deutsch sprach. Für sie schien es wichtig zu sein, uns etwas über jüdisches Leben zu erzählen. Einsilbig wurde sie allerdings, als wir sie nach ihrer Herkunft fragten. Sie kam aus einem kleinen Dorf in Süddeutschland und lebte seit 1941 in New York.

Und schließlich war da ein Mittagessen in einem Community Center in Boca Raton, Florida. Vorher wussten wir von diesem Programmpunkt nur, dass wir eine Gruppe von Rentnern treffen würden. Erst im Laufe unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass viele von ihnen Überlebende des Holocaust waren. Während der ganzen Reise stellte uns niemand so bohrende Fragen wie sie. Wie ist es in Deutschland mit dem Antisemitismus? Wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Judentum in Kontakt gekommen? Was lernt man in deutschen Schulen über den Holocaust? Eine ältere Dame stand nach einer Weile auf und sagte, sie empfinde keinen Hass mehr auf Deutschland – dazu habe auch das Treffen mit uns beigetragen. Ein anderer Überlebender des Holocaust sagte am Ende: „Ihr seid alle unsere Kinder.“

Dr. Lars Hänsel/Claudia von Salzen

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