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Der Denker als Staatsmann

Buchvorstellung von „Richard von Weizsäcker. Der liberale Konservative“

Am 13. Oktober 2026 wurde in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin die neue intellektuelle Biografie von Prof. Dr. Matthias Oppermann über Richard von Weizsäcker vorgestellt. Mit einem ideengeschichtlichen Ansatz ergründet sie das Wirken seines Protagonisten über dessen historisches und politisches Denken. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem BeBra-Verlag statt.

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In ihrer Begrüßung erinnerte die Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Annegret Kramp-Karrenbauer, an Weizsäcker als einen der prägenden Staatsmänner der alten und der neuen Bundesrepublik. In Erinnerung geblieben sei er vor allem als Bundespräsident der Jahre 1984 bis 1994, doch beinhalte seine politische Karriere weitere zentrale Ämter wie die des Bundestagsvizepräsidenten sowie des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. In seinem Denken verbanden sich historische Verantwortung und Zukunftsvertrauen miteinander, wie das folgende Zitat verdeutlich: „Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie läßt sich nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“ Die Bedeutung Weizsäckers liege wesentlich in seinem Beitrag zur politischen Stabilität der Bundesrepublik, so Kramp-Karrenbauer.

Hieran schloss der Verleger des BeBra-Verlags, Dr. Dirk Palm, in seiner Begrüßung an. Der geneigte Leser würde in dieser Weizsäcker-Biografie einige Informationen finden, an die er sich aus persönlicher Erfahrung zurückerinnern könne, zugleich würde er auch viel Neues entdecken. Ein gutes Buch, so Palm, müsse zweierlei leisten: Fundierte Informationen beinhalten, und dabei noch gut unterhalten. Das von Oppermann vorgelegte Werk über das Denken und Handeln des früheren Bundespräsidenten und Regierenden Bürgermeisters von Berlin sei insofern sehr zu empfehlen.

Patrick Bahners vom Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ führte in den Inhalt des Buchs ein und diskutierte im Anschluss mit dem Autor unter der Moderation der Journalistin Miriam Hollstein (BILD). Bahners stellte ein Zitat Weizsäckers über Friedrich den Großen aus dem Jahr 1985 in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Demzufolge sei es „schwer, Friedrich nicht zu bewundern, aber vielleicht noch schwerer, ihm warme Gefühle entgegenzubringen.“ Hiervon ausgehend wurden verschiedene Aspekte von Weizsäckers Denken in den Blick genommen, etwa seine württembergische Herkunft mit dem Blick auf Preußen von außen sowie die familiäre Prägung durch den Großvater Karl Hugo von Weizsäcker (letzter Ministerpräsident von Württemberg), aber durchaus auch durch den Vater Ernst von Weizsäcker (Diplomat und Staatssekretär des Auswärtigen Amts während der NS-Zeit). Das enge Verhältnis zum und das Wirken für den Staat waren prägende familiäre Elemente. Im Gespräch vertrat Oppermann die These, dass in Richard von Weizsäckers eigenem positiven politischen Handeln zugleich der Versuch gelegen habe, auch das öffentliche Bild seines Vaters aufzuhellen.

Das Bekenntnis zur Nation, möge diese auch geteilt sein, spielte für Weizsäcker eine zentrale und fortwährende Rolle, allerdings verband sich dieses Bekenntnis bei ihm mit Weltoffenheit und Weltläufigkeit. “Stolz“ auf Deutschland war ihm fremd und während seiner Fernsehansprachen verzichtete er auf eine Deutschland-Fahne im Hintergrund.

Als ein weiteres zentrales Element seines Denkens ist Weizsäckers wiederholte Kritik an den politischen Parteien zu sehen. Es handelte sich dabei, so Oppermann, nicht um eine Kritik per se, aber durch zu starke Parteien und deren fehlerhaftes Agieren sah er die Stabilität des Staates bedroht.

Die Charakterisierung im Untertitel des Buchs als „liberale[r] Konservative[r]“ erklärte der Autor dahingehend, dass Liberalismus hier nicht in wirtschaftspolitischer Hinsicht, sondern vielmehr ideengeschichtlich zu verstehen sei. In Abgrenzung zum historisch antidemokratisch eingestellten Konservatismus gehörte Weizsäcker zu denjenigen, die ihre konservative Grundeinstellung mit demokratisch-freiheitlichen Überzeugungen verbanden.

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Kontakt Prof. Dr. Matthias Oppermann
Dr. Matthias Oppermann
Stv. Leiter Wissenschaftliche Dienste / Archiv für Christlich-Demokratische Politik, Leiter Zeitgeschichte
matthias.oppermann@kas.de +49 30 26996-3812

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