Reine Gedankenspiele

Alt und Jung driften immer mehr auseinander - und keiner tut etwas dagegen. Es rüttelt schon wach, dass im Vergleich zu 1960 die Geburtenrate um rund die Hälfte gesunken ist. Aber engagierte Diskussionen um die Zukunft der alternden Gesellschaft allein bewirken im erlebten Alltag nichts. In Politik und Kirche mangelt es an Teamgeist und Eigeninitiative. „Die Karten sind noch nicht ausgespielt“, lautete der Auftakt eines Forums beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln 2007. Zumindest auf seinen politischen Parketts und wissenschaftlichen Podien will man es positiv sehen und anpacken.

Bleibt nur noch die Frage wie. Die einen schieben die Verantwortung mit Statistiken von sich. Die anderen singen Jubellieder von der Kinderkrippe bis zum Mehrgenerationenhaus. Gesellschaftlich nahe Themen wie aufgelöste Familienstrukturen, Parallelgesellschaften von Alt und Jung oder das einsame Sterben im Altersheim werden nur am Rande thematisiert. Stattdessen werden Vorbilder intakter Familien gelobt, die immer noch unter einem Dach leben – und auch sterben. Es sei eigentlich alles ganz einfach, wenn wir uns nur lieb haben.

Beobachten allein hilft nichts. Loben von Idealen frustriert, und Konzepte aus der Schublade langweilen. Die Karten von reinen Gedankenspielen sind bereits auf dem Tisch. Jetzt müssen sie neu gemischt werden. Aber nur, wenn alle mitmachen dürfen.

Jan Thomas Otte

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