Im Rahmen eines Fachgesprächs der Konrad-Adenauer-Stiftung diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die Zukunft der deutschen und europäischen Raumfahrt. Zu den Mitwirkenden zählten Dr. Thomas Reiter, amtierender Leiter des Geschäftsbereichs Raumfahrt und Sicherheit im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und ehemaliger ESA-Astronaut, Sabine von der Recke, Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) sowie Vorständin der OHB System AG, Florian Müller MdB, Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Juliana Süß von der Stiftung Wissenschaft und Politik sowie Adrian Zarm und Patrick Schneider von CMS Hasche Sigle.
Im Mittelpunkt des Fachgesprächs standen u.a. die wirtschaftlichen Potenziale der Raumfahrt als strategisches Forschungsfeld im Rahmen der Hightech Agenda des BMFTR, die geopolitische Bedeutung des Weltraums sowie die Frage, welche politischen und regulatorischen Weichenstellungen erforderlich sind, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas im internationalen Wettbewerb, insbesondere im Bereich des New Space langfristig zu sichern. Nachstehend einige zentrale Ergebnisse des Fachgesprächs:
Internationale Partnerschaften und europäische Wettbewerbsfähigkeit
Deutschland und Europa sind international gefragte Partner. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und ihre technologische Souveränität zu stärken, sind enge Kooperationen mit gleichgesinnten Staaten von großer Bedeutung. Partnerschaften mit Ländern, die gemeinsame Werte, sicherheitspolitische Interessen und hohe technologische Standards teilen, können dazu beitragen, Innovationen voranzutreiben und die Resilienz der europäischen Raumfahrt zu stärken. Zugleich muss Europa seine eigenen Fähigkeiten konsequent ausbauen. Im Jahr 2025 wurden weltweit rund 320 Raketenstarts durchgeführt, von denen etwa zwei Drittel auf die USA entfielen. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Europa seine Startkapazitäten erweitern und geeignete Standorte für weitere Startmöglichkeiten erschließen muss.
Fachkräfte und Innovationsökosystem stärken
Für eine erfolgreiche Entwicklung der europäischen Raumfahrtbranche sind ausreichend qualifizierte Fachkräfte unerlässlich. Insbesondere werden mehr Luft- und Raumfahrtingenieurinnen und -ingenieure sowie insgesamt mehr Fachkräfte im MINT-Bereich benötigt. Gleichzeitig ist eine engere und kooperative Verzahnung von Forschung, Politik und Wirtschaft erforderlich, um Innovationen schneller in marktfähige Anwendungen zu überführen.
Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Potenziale des New Space
Der Weltraum war bislang nur in begrenztem Umfang reguliert, was die Entstehung zahlreicher Start-ups begünstigt hat. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Nutzung des Alls wächst jedoch der Bedarf an einem modernen Weltraumgesetz, das Rechtssicherheit schafft, ohne Innovationen durch Überregulierung zu behindern. Dabei gilt es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Regulierung und unternehmerischer Freiheit zu finden.
Obwohl New Space erhebliche Potenziale für neue Wertschöpfung bietet, kann die Raumfahrt allein keine Lösung für die derzeitige Wirtschaftsschwäche sein. Die Branche ist in vielen Bereichen durch vergleichsweise kleine Stückzahlen geprägt und kann daher stillstehende Produktionskapazitäten der Industrie nicht in größerem Umfang auslasten. Um den Markt dennoch nachhaltig zu entwickeln, kommt dem Staat eine wichtige Rolle als Ankerkunde zu.
Raumfahrt als sicherheits- und geopolitischer Faktor
Neben der wirtschaftlichen ist die geopolitische Dimension der Raumfahrt ein weiterer wichtiger Faktor. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat gezeigt, welche strategische Rolle Satelliten für Kommunikation, Navigation und Aufklärung spielen und wie gravierend die Folgen ihrer Störung oder ihres Ausfalls sein können. Gleichzeitig hat China seine Raumfahrtaktivitäten massiv ausgebaut und ist inzwischen weltweit die Nummer zwei in diesem Bereich. Besonders im Bereich der Erdbeobachtung verfügt das Land über eine große Anzahl von Satelliten und stärkt damit seine strategischen Fähigkeiten. Vor diesem Hintergrund wird auch die Fähigkeit, jederzeit ein aktuelles Weltraumlagebild zu haben, immer wichtiger. Deutschland muss nachvollziehen können, wo sich die eigenen Satelliten befinden, welchen Risiken sie ausgesetzt sind und wie ihre Sicherheit gewährleistet werden kann.
Zukunftsfähige Regulierung
Insgesamt zeigt sich, dass technologische Entwicklungen die rechtlichen Rahmenbedingungen häufig überholen. Das Recht ist langsamer als die Innovationsgeschwindigkeit der Raumfahrt. Umso wichtiger ist es, Regelungen zu schaffen, die mit der dynamischen Entwicklung Schritt halten und gleichzeitig Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit gleichermaßen fördern.
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