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Plädoyer für klare Zielformulierungen

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Dr. Rainer Stamm

Direktor des Paula Modersohn-Becker Museums, Bremen

Mit jedem Beitrag meiner Vorrednerinnen und Vorredner habe ich gespürt, wie meine Verantwortung wächst; denn, wie Sie sehen, bin ich der einzige Vertreter einer Kultureinrichtung und, kameralistisch gesprochen, damit der einzige Vertreter eines Zuwendungsempfängers. Und insofern bin ich froh, in der Teilnehmerliste gesehen zu haben, dass auch viele Vertreter von Kultureinrichtungen hier im Raum sind.

Herr Minister Rößler sprach am Beispiel Sachsens von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die es möglich machen und sicher stellen sollten, dass Kultur und Politik sich nicht entfremden, sondern verlässlich miteinander weiter operieren können. Frau Magdowski ergänzte, dies reiche natürlich nicht alleine, sondern Politik und Bürgergesellschaft müssen sich ihrer Selbstverpflichtung stellen und diese bewusst machen. Beides sind noch Pflichtapparate, und ich denke, ein Drittes wäre wichtig zu ergänzen: dass wir zu einer partnerschaftlichen Umgangsweise miteinander kommen – zwischen Kulturpolitik als Vertreter der Bürgergesellschaft und den Einrichtungen.

Vor diesem Hintergrund, dass es mir um die Partnerschaftlichkeit in den Beziehungen geht, möchte ich kurz vier Thesen nennen, die nichts zu tun haben mit Wehklagen über die schwierigen Zustände – darüber sind wir alle bestens informiert – sondern die Formulierungen sein sollen über partnerschaftlichen Umgang allgemein und im speziellen, aus meiner Museumspraxis gesprochen, über die notwendigen partnerschaftlichen Voraussetzungen im Umgang zwischen Politik und unseren Einrichtungen. Teilweise sind diese vier Thesen so lapidar, dass Sie sich fragen werden, warum sagt er das eigentlich? Aber abschließend werde ich Ihnen kurz ein Beispiel aus der Realität skizzieren, das deutlich macht, warum mir diese Punkte so wichtig sind.

Der erste Punkt, das habe ich schon in den Eingangsworten gesagt, ist das Thema Partnerschaftlichkeit im Verhältnis zwischen Politik und Kultur. Das heißt auch, dass wir uns ehrlich und klar Ansagen machen können, d.h. von Seiten der kulturellen Einrichtungen natürlich benennen können müssen, was wir brauchen, was für eine Basisfinanzierung für uns notwendig ist und was wir leisten können.

Wir müssen uns aber auch darauf verlassen können, dass die Kulturpolitik uns gegenüber ehrliche und klare Aussagen dazu macht, was eine Gesellschaft sich momentan und in Zukunft an Kultur leisten kann und will. Ob das nun eine kommunale Politik oder eine Landespolitik ist, das ist ganz gleich. Und ich denke, alle Antworten, die ehrlich formuliert sind und – das wurde ja vorhin auch schon mal angedeutet – sich nicht allzu sehr dem Druck der Feuilletons beugen, sind hilfreicher als nebulöse Formulierungen oder das Gießkannenprinzip, das uns alle auch in Bedrängnis bringen kann. Deswegen sage ich, wir brauchen Zielformulierungen statt Deckelung von Notständen. Ich sage das auch, und ich spreche da aus meinem Bremer Hintergrund – Sie wissen, auch dem Land Bremen geht es im Moment nicht ganz wunderbar –, ich sage das auch vor dem Hintergrund und habe das auch in Bremen immer vor dem Hintergrund gesagt, dass es natürlich theoretisch sein kann, dass so eine ehrliche Auseinandersetzung, so eine klare Ansage durchaus auch bedeuten kann, dass man mir sagt, nein, Ihr Museum gehört nun nicht mehr zu den Prioritäten, das gehört nicht mehr zu den Fördermöglichkeiten unseres Stadtstaates. Trotzdem denke ich, ist es ganz wichtig und für eine Partnerschaft unerlässlich, dass man diese Ehrlichkeit im Umgang miteinander pflegt.

Das zweite, und Sie werden auch sehen, dass die vier Thesen quasi direkt ineinander übergehen, das zweite ist eine ehrliche und gehaltvolle Debatte über Qualität. Da komme ich noch mal darauf zurück, dass Sie, Frau Magdowski, gesagt haben, wir müssen auch als quasi demokratisches Votum die Abstimmung der Füße ernst nehmen. Das sehe ich auch so. Aber ich glaube, diese Abstimmung der Füße hat uns zu einem Zahlenfetischismus gebracht, der auch in unseren Museumsreihen zu ganz merkwürdigen Absonderlichkeiten geführt hat. Auch da ein ganz persönliches, ein ganz bremisches Beispiel: Ich traf unlängst an einem schönen Samstag zu einem schönen Thema einen sehr geschätzten Museumskollegen aus Bremen, und wir haben eingangs drei Sätze miteinander gewechselt. Das erste war, wie geht es Ihnen?, das zweite war, wie läuft die Ausstellung? und das dritte war, wie viele Besucher haben Sie denn? Das sind natürlich Situationen, die uns so weit weggeführt haben von Qualitätsdebatten, von einer Kritikfähigkeit über Zielformulierungen, dass das die Kehrseite der Abstimmung mit den Füßen ist, die natürlich auch ein Kriterium zur Evaluierung unserer Arbeit sein kann, aber nicht das einzige werden darf. Denn wenn es das einzige wäre, dann würden wir über ein Wirtschaftsunternehmen, über Stadtmarketing sprechen, oder dann dürften wir nur noch Ausstellungen wie Körperwelten oder Ausstellungen über Pyramiden oder van Gogh machen. Sie alle unterstellen mir bitte nicht, dass ich van Gogh oder die anderen Themen vielleicht nicht schätzen würde. Aber trotzdem kann das nicht das einzige Kriterium sein.

Die dritte These bzw. Forderung hat mir Herr Rößler quasi schon vorweg genommen: ‚gebt uns Planungssicherheit!‘ Ich höre es von vielen Kollegen, ich selber werde da auch gleich noch mal aus der ganz alltäglichen Praxis ein Beispiel sagen, es ist eines der größten Probleme, dass wir als Kulturinstitution im Moment fast handlungsunfähig werden. Wir wissen, was wir leisten können, wir wissen, was wir brauchen. Wir können auch im Extremfall damit umgehen, wenn wir gesagt bekommen, was nicht möglich ist. Aber wir müssen planen können, und das, was von uns gefordert wird, nämlich, so wie es Kaspar König unlängst gesagt hat: ‚alle zwei Jahre will man einen blockbuster haben’, das plant man nicht in einem halben Jahr, und das plant man auch nicht in einem Doppelhaushaltszeitraum. Denn bis wir die Bewilligungsbescheide von der Stadt haben, ist das Jahr, das es betrifft, meistens zur Hälfte herum, und von den Jahren, auf die man hin plant, ist noch gar nichts daraus zu schließen.

Es geht um Nachhaltigkeit in der Kulturpolitik. Ich denke, das ist ein Begriff, der bisher noch kaum auf unser Thema angewandt wurde. Er ist ja nun von den engsten ökologischen Bedeutungen ausgehend immer weiter diffundiert. Aber ich denke, es ist ein ganz wichtiges Kriterium, dass wir über nachhaltige Kulturpolitik sprechen. Das heißt zum Beispiel, wir müssen über Basisfinanzierungen nachdenken, über das notwendige Maß an Basisfinanzierungen, und nicht über Notstopfen oder die Ermöglichung von einzelnen Events. Die Events, die schaffen wir alleine, das stelle ich als These in den Raum. Wir schenken Sie Ihnen obendrein, wenn wir die Basisfinanzierung gesichert und unsere Planungssicherheit auf dem Tisch haben. Dann kriegen Sie die Events, denn wir alle, wir Museumsleute, und ich spreche da sicherlich genau so für die Vertreter der Musikszene oder für Jugendarbeit oder für soziokulturelle Projekte, wir alle arbeiten mit Leidenschaft, und ich glaube, wir alle haben die Kompetenz, dass wir das, was dann eine eigene Dynamik noch über das Basisgeschäft hinaus ermöglicht, aus unserem eigenen Antrieb werden realisieren wollen.

Die vierte These, und die hat auch Martin Roth unlängst noch mal formuliert, weil sie natürlich auch furchtbar evident ist, nur, ich möchte sie auch in dieser Aufzählung der vier Elemente noch mal nennen, und da müssten wir uns vielleicht auch noch mal darüber unterhalten, Herr Grosse-Brockhoff, ob sich das widerspricht oder nicht: Drittmittel sind die Sahnehäubchen der Kulturfinanzierung. Ich werde gleich auch noch mal verdeutlichen, warum ich meine, dass das im wesentlichen so sein muss. Und auch da, denke ich, bin ich auf der sicheren Seite, weil ich, wie Frau Gründler schon sagte, nicht Vertreter einer kommunalen Einrichtung bin, sondern einer public private partnership, also mir im Grunde ja schon die Mischfinanzierung in die Wiege gelegt worden ist.

Das waren die vier Punkte, die ich wesentlich finde und die ich von Seiten der Kultureinrichtungen fordern möchte und die ich bewusst auch so abstrakt formuliert habe, dass sie nicht nur auf Museen zutreffen.

Trotzdem möchte ich aus einem Gegenbeispiel, nämlich aus dem Museumsalltag, noch mal sagen, warum diese vier fast redundant erscheinenden Punkte gar nicht redundant sind. Tatsächlich ist in vielen Fällen Unterfinanzierung gerade im Museumsbereich ein Normalzustand. Als ich im Jahr 2000, also heute vor fast genau drei Jahren nach Bremen gekommen bin, um dieses Museum zu übernehmen, fand ich ein Museum vor, das eine Minimalfinanzierung hatte; ein Museum, das damit gerade so existieren konnte. Ein Museum, das so viel bekam, dass man es nicht zumachen konnte, andererseits jedoch so wenig bekam, dass eigentlich etwas konsequent gewesen wäre, was in Deutschland noch keiner getan hat – und ich warte eigentlich jeden Tag darauf, dass ich das mal in der Zeitung lese, und ich selber hatte auch nicht den Mut dazu und habe auch einen anderen Weg gewählt, sonst wäre ich nicht mehr Direktor des Hauses.

Der andere Weg wäre nämlich gewesen, und das wäre ein interessantes Planspiel, sich einfach mal den Status als Museum aberkennen zu lassen. Die ICOM-Richtlinien sagen, dass ein Museum sich dadurch auszeichnet, dass es sammelt, forscht und bewahrt. Als ich an das Paula Modersohn-Becker Museum kam, gab es keinen Ankaufsetat, Sammeln war somit per se nicht vorgesehen.

Es gab keinen Restaurierungsetat, Bewahren war im Grunde nach den ethischen Grundsätzen, die an die Arbeit geknüpft sind, nicht möglich.

Es gab keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter, also war Erforschen außer über Selbstausbeutung nicht möglich.

Und so stand diese Institution, und ich denke, da steht sie stellvertretend für viele Institutionen, vor einem Scheideweg, an einem Punkt, an dem wir gucken müssen, was ist in dieser Situation machbar und ableitbar? Ich würde es vollkommen verstehen, und ich würde es vollkommen unterstützen, wenn andere Museumskollegen an anderen Orten den mutigen Weg einmal gehen würden und sich den Status als Museum aberkennen lassen würden.

Ich selbst, und da sind wir jetzt wieder ganz in der Nähe, Herr Grosse-Brockhoff und ich, ich selbst habe auch dadurch, dass ich durch die Betriebsform einer public private partnership einen Globalhaushalt habe und nicht an Haushaltsteiletats gebunden war, ich habe das wenige Geld ein bisschen hin und her geschichtet. Ich habe einen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt, ich habe im Grunde mehr Geld verplant, als ich zugesagt bekommen habe, weil ich gesagt habe, wenn wir unsere Infrastruktur verbessern, dann kommen wir zu einem besseren Ergebnis. Die Besucherzahlen sind gestiegen. Wir haben erfolgreichere Ausstellungen gemacht, und letztlich habe ich auf eigenes Risiko das aus diesem Mangelhaushalt vorfinanziert, was dann möglich geworden ist.

Aber wie gesagt, ich denke, die Situation ist wirklich grenzwertig, und wir müssen sehen, schaffen wir es, durch partnerschaftliche Konstruktionen einen positiven, produktiven und nachhaltigen Weg zu gehen, oder wann und wo werden statt dessen einmal, zu polemischen Spitzen getrieben, die gegenteiligen Entscheidungen getroffen werden müssen.

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