행사 간행물

Absage an religiöse Staaten

Der syrische Großmufti Hassoun in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung

„Wir haben die Religion als Mauer benutzt, obwohl sie eine Brücke ist“ – mit einer beeindruckenden und bildreichen Ansprache hat sich der syrische Großmufti Scheich Dr. Ahmed Badr Al-Din Hassoun in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung vor 400 Zuhörern für Toleranz und den Dialog der Religionen eingesetzt. Die höchste religiöse Autorität Syriens verurteilte dabei insbesondere die Politisierung der Religion sowie den „Terrorismus im religiösen Gewand, der nichts mit Religion zu tun hat.“

Der KAS-Vorsitzende Dr. Hans-Gert Pöttering hatte den Großmufti nach Berlin eingeladen, um über Religionsfreiheit als Menschenrecht zu sprechen. „Man kann an der syrischen Politik vieles kritisieren, aber heute geht es um das Zusammenleben der Religionen, und in diesem Bereich ist das Land ein positives Beispiel“, hatte der frühere Präsident des Europaparlaments den Abend eröffnet.

In seiner Begrüßung ging er auf den Dialog der Religionen in Deutschland ein, wo in den vergangenen 40 Jahren rund 3000 Moscheen gebaut wurden. Das friedliche Miteinander der Religionen sei „Ausdruck demokratischen Selbstbewusstseins und eines breiten gesellschaftlichen Konsenses.“ Gleichzeitig appellierte Hans-Gert Pöttering an die arabische Welt, Christen die gleichen Möglichkeiten zur Religionsausübung zu geben. „Toleranz ist keine Einbahnstraße“, so der KAS-Vorsitzende.

Großmufti Hassoun erteilte in seiner Rede eine Absage an jeglichen religiösen Zwang oder religiöse Gewalt. „Der zentrale Punkt jeder Religion ist die Liebe, und zu Liebe kann man nicht gezwungen werden. Ich kenne keinen einzigen Heiligen Krieg in der Geschichte, denn der Mord kann nicht heilig sein, das Leben ist es.“ Ausführlich sprach er dabei auch über die gemeinsame Wurzeln und gemeinsame Werte der drei monotheistischen Religionen.

Eine deutliche Warnung sprach der Großmufti vor der Vermischung von Politik und Religion aus: „Das Schlimmste, was im Moment passiert, ist die Wandlung säkularer in religiöse Staaten.“ Ein Staat verliere seine Rechtssicherheit, wenn er religiös wird. „Denn wir werden nicht auf der Basis der Religion regiert, sondern auf der Basis des Rechts.“

Als Beispiel für einen religiösen Konflikt, der in Wirklichkeit politisch motiviert ist, nannte der Großmufti neben dem Balkankonflikt in den 90er Jahren auch den Nahostkonflikt. „Die Klagemauer, die al-Aqsa-Moschee, die Auferstehungskirche – sie alle sind Wege zum Himmel“, sagte Hassoun. Israel sei ein „Land für das Licht, nicht für das Feuer“. Gleichzeitig forderte er ein weltweites Waffenembargo für den Nahen Osten, um das Blutvergießen dort zu beenden. Er bete dafür, dass die Mauer zwischen Israel und Palästina genauso friedlich fallen könne wie die Berliner Mauer vor 20 Jahren, sagte der Großmufti zum Abschluss seiner mit langem Applaus bedachten Ansprache.

Im Gespräch mit dem Direktor des Deutschen Orient-Instituts Dr. Gunter Mulack ging Hassoun dann etwas konkreter auf Ideen ein, die den Dialog der Religionen voranbringen können. Er warb für einen gemeinsamen Ethik-Unterricht in den ersten Schuljahren, auf dem dann der spätere Religionsunterricht fußen soll. Insgesamt dürfe der Dialog der Religionen kein elitäres Thema sein, sondern müsse in alle Bereiche der Gesellschaft getragen werden.

Kritik übte er an der Rolle der Medien und einem Großteil der religiösen Führer. Während die Medien oft eine eigene Agenda verfolgten und religiöse Konflikte anschüren würden, hätten viele religiöse Führer ihre Botschaft aus den Augen verloren und würden zu politisch denken. Religion dürfe aber kein enger Tunnel sein, sondern müsse zu einer offenen, liebevollen und friedlichen Haltung führen.

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