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Der politisch-kulturelle US-amerikanische Einfluss auf Hessen, Deutschland und Europa

Felix Kraft, Jens Breuer

2. Wiesbadener Kultur- und Politikforum der Konrad-Adenauer-Stiftung, 27. Oktober 2026

Beim zweiten „Wiesbadener Kultur- und Politikforum“ der Konrad-Adenauer-Stiftung diskutierten wir den politisch-kulturellen Einfluss der USA auf Hessen, Deutschland und Europa. Im Museum Reinhard Ernst trafen historische Perspektiven auf aktuelle transatlantische Herausforderungen.

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Felix Kraft begrüßte Gäste und Publikum und führte in das Thema ein.

Das zweite Wiesbadener Kultur- und Politikforum am 27.10.2026 stand ganz im Zeichen zweier Jubiläen: 80 Jahre Hessen und 250 Jahre Unabhängigkeit der USA. Dass sich bei beiden Ereignissen hessische und US-amerikanische Geschichte miteinander verknüpfen, sollte sich im Laufe des Abends erweisen. Im Museum Reinhard Ernst diskutierten wir mit vier Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medien und Politik die transatlantischen Beziehungen sowie die wechselseitigen Einflüsse kultureller und politischer Art, die Hessen und Deutschland mit den USA verbinden. 

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Felix Kraft, dem Landesbeauftragten der Konrad-Adenauer-Stiftung und Leiter des Politischen Bildungsforums Hessen, begrüßte US-Generalkonsul Brian Heath die zahlreich erschienenen Gäste. Damit setzte er ein starkes Zeichen für die nach wie vor überaus wichtigen Beziehungen zwischen Hessen und den USA und die, trotz zuletzt ambivalenter gewordener Beziehungen, ungebrochene transatlantische Freundschaft. Heath betonte: „Cultural influences have never flown into just one direction.”  

US-Generalkonsul Brian Heath beehrte die Veranstaltung mit einem Grußwort.
Prof. Dr. Jessica Gienow-Hecht.
Den inhaltlichen Auftakt übernahm Prof. Dr. Jessica Gienow-Hecht, Leiterin der Abteilung Geschichte am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Sie beschrieb zunächst, was die „Marke“ USA auszeichne. Bereits bei der Gründung der USA sei versucht worden, in Europa eine solche „Marke“ zu etablieren, um Devisen und teils auch militärische Unterstützung zu erhalten. Als Beispiel nannte sie Benjamin Franklin, der als Botschafter in Paris demonstrativ mit Trapper-Pelzmütze aufgetreten sei und damit tatsächlich die Mode der Zeit beeinflusst habe. Die Marke sei als gezielte Werbung zu verstehen. Zwischen 1917 und 1990 sei von Seiten der USA viel Geld investiert worden, um das eigene Bild in Übersee zu prägen und zu managen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten sei mit der Trump-Regierung aber nun nicht mehr Europa das Ziel der Werbekampagne, sondern nahezu ausschließlich die USA selbst. Die Marke Trump ebenso wie die MAGA-Bewegung richte sich an das amerikanische Publikum und habe kein Interesse daran, das eigene Bild in Europa weiter zu kultivieren. Insofern sei ein deutlicher Bruch im transatlantischen Verhältnis festzustellen. Prof. Gienow-Hecht äußerte jedoch auch Hoffnung, da sich in den USA großer Widerstand gegen Trump rege, der hierzulande medial jedoch kaum Beachtung fände.
Dr. Christoph von Marschall.
Den zweiten Impulsvortrag hielt Dr. Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion beim Tagesspiegel. Er rekapitulierte die letzten 80 Jahre amerikanischer Beziehungen zu Hessen. Diese seien etwas Besonderes, da die USA in ihrer Besatzungszone anders verfahren seien als die anderen Alliierten. Insbesondere hätten sie die Entstehung demokratischer Strukturen stärker gefördert und damit den Weg zur hessischen Landesverfassung bereitet – der ersten in Nachkriegsdeutschland. Von Marschall sprach über enge Verbindungen zwischen Deutschen und Amerikanern, die durch zahlreiche Austauschprogramme verstärkt worden seien. Teils autobiographisch – seine Jugend verbrachte er in Frankfurt am Main – zeichnete er Berührungspunkte beider Gesellschaften auf. Zugleich kritisierte er, dass in den deutschen Medien mittlerweile recht einseitig über die USA berichtet werde und konstatierte, dass es, bei all der berechtigten Kritik, einen Hang dazu gäbe, vor allem das Negative sehen zu wollen: „Klickratenjournalismus ist ein großes Problem, daher ist die Berichterstattung in Deutschland in Teilen unrealistisch.“ Es sei keineswegs eine endgültige Abwendung der USA von Europa zu befürchten.
Felix Kraft im Dialog mit dem Publikum.
Die Podiumsdiskussion, moderiert von Marion Sendker
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von der Journalistin Marion Sendker, diskutierten neben Prof. Gienow-Hecht und von Marschall die Hessische Staatssekretärin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Entbürokratisierung Karin Müller und der US-amerikanische Journalist Erik Kirschbaum über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen. Staatssekretärin Müller zeigte sich auch für die Zukunft der Beziehungen optimistisch: „Hessen ist das amerikanischste aller Bundesländer, weil die erste Verfassung in Deutschland durch amerikanische Unterstützung zustande kam, Hessen als erstes Bundesland vor 50 Jahren eine Partnerschaft zu einem US-Bundesstaat eingegangen ist (Wisconsin) und Wiesbaden mit dem US-Hauptquartier für Europa und Afrika zusätzliche Bedeutung für die USA hat.“ Kirschbaum bescheinigte eine positive Wahrnehmung Deutschlands und Hessens unter Amerikanern, beklagte jedoch im Gegensatz dazu ein immer unpassender werdendes Bild Amerikas unter den Deutschen: „Amerika ist geprägt von Optimismus – in Deutschland ist die Stimmung dagegen mies.“ Man wolle hier nur das Negative sehen, so Kirschbaum. Das Podium war sich einig darin, dass Deutschland in Europa eine Führungsrolle einnehmen müsse und dies im Sinne der USA sei. Deutschland tue sich mit dieser Vorstellung jedoch schwer und behindere sich selbst mit überzogenen Moralvorstellungen, die europaweit nicht konsensfähig seien. Insgesamt überwog bei den Podiumsgästen aber der Optimismus für eine Zukunft der transatlantischen Partnerschaft. In Trumps Präsidentschaft liege auch eine Chance für Europa und insbesondere Deutschland, insbesondere darin, mit der Übernahme von mehr Verantwortung ein Partner auf Augenhöhe zu werden.
Marion Sendker, Prof. Jessica Gienow-Hecht, Dr. Christoph von Marschall, Karin Müller, Erik Kirschbaum.
Staatssekretärin Karin Müller und Journalist Erik Kirschbaum.
Prof. Jessica Gienow-Hecht, Dr. Christoph von Marschall.

Weitere Impressionen:

Alle Bilder von: Ann-Katrin Krämer

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Felix Kraft

Felix Kraft
Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung und Leiter des Politischen Bildungsforums Hessen
felix.kraft@kas.de +49 611 – 15 75 98 13

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