Warum soll man Melville heute lesen? Thomas Lang hat diese Frage an eine Figur unserer Zeit delegiert. Sie heißt Meander und steht im Mittelpunkt des jüngsten Romans des Münchner Autors, den er im studio online der Konrad-Adenauer-Stiftung einem international zugeschalteten Publikum vorstellte.
Meander ist Schriftsteller, allerdings nicht sonderlich erfolgreich. Er hadert mit seinem Romanprojekt über Herman Melville, das einfach nicht vorangeht. Den Ideen fehlt eine Linie, die Fantasie schlägt Haken, es hapert an einer angemessenen Sprache. Und dann der Stoff: Melvilles verwickeltes und finanzschwaches Leben, seine legendenumstellte Biografie, eine Karriere rückwärts von den frühen Erfolgen mit Südseeromanen bis zu „Moby-Dick“, der seinerzeit ein Flop war. Es scheint so, bemerkte ein aufmerksamer Zuhörer, als ob Thomas Lang seinen Roman von „Bartleby“ erzählen lasse, jener Figur, die Melville doppeldeutig als modernen Strukturstörenfried und postheroischen Dienstleister angelegt hatte.
Entspannt und souverän erklärte Thomas Lang im Gespräch, auch als der Literaturreferent der Stiftung kurzzeitig wegen eines Internet-Updates vom Bildschirm verschwand, wann er Melville wiederentdeckte, was er im Laufe der Arbeit aus dem Stoff machte, wie er den Autor aus dem 19. einem Schriftsteller des 21. Jahrhunderts gegenüberstellte und warum es ihm wichtig ist, dass die Lesenden dieser doppelt gewundenen Lebenslinie folgen können. Und so mag es sein: „Melville verschwindet“, aber seine Werke bleiben, dank des brillant erzählten Abenteuer- und Entwicklungsromans von Thomas Lang.
Michael Braun
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