Anlässlich des 150. Geburtstags von Konrad Adenauer hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung am 10. und 11. April 2026 zu einer besonderen Theateraufführung ins Pfefferberg Theater Berlin eingeladen. Das vom Theater der Altstadt in Stuttgart inszenierte Stück „Ach, Gussie! Auguste Adenauer und ihr Mann Konrad“ widmete sich dem Leben der zweiten Ehefrau des späteren Bundeskanzlers Konrad Adenauer und beleuchtete ihre Rolle jenseits gängiger Klischees.
In seiner Begrüßung spielte Dr. Michael Borchard, Leiter Wissenschaftliche Dienste/ Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung, augenzwinkernd mit dem vermeintlichen Widerspruch des Abends und deutete an, das höre sich fast wie der Anfang eines Witzes an: „Ein Theater aus Stuttgart bringt ein sehenswertes Stück über die Frau eines berühmten Kölners auf die Bühne. Und das wird nun ausgerechnet in Berlin […] gezeigt.“ Schnell wurde jedoch deutlich: Der Abend wollte gängige Bilder bewusst aufbrechen und korrigieren – insbesondere den Blick auf Auguste „Gussie“ Adenauer.Auguste Adenauer: Mehr als „Kinder, Küche, Kirche“
Im Mittelpunkt des Stücks steht eine Frau, die weit mehr war als Hausfrau und Mutter von sieben Kindern. Auf Grundlage teils unveröffentlichter Briefe und Dokumente aus dem Archiv der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus zeigt „Ach, Gussie!“ eine politisch wache, mutige und eigenständig handelnde Persönlichkeit. Gussie Adenauer war Ratgeberin ihres Mannes, engagiert in katholischen Frauenverbänden und bezog früh klar Stellung gegen den aufkommenden Nationalsozialismus und wurde deshalb auch selbst Ziel von Drohungen des Regimes.
Ihre Briefe, oft eröffnet mit liebevollen Anreden wie „Mein Liebster“ oder „Mein lieber guter Schatz“, zeugen von emotionaler Nähe, aber auch von politischem Austausch. Gerade in der Zeit nationalsozialistischer Verfolgung wurde Gussie zum Halt der Familie, zum „eigentlichen Kraftzentrum“, wie es im Stück eindrücklich erfahrbar wird.Verantwortung, Mut und Zusammenhalt
Die Inszenierung macht deutlich, welch hohen persönlichen Preis Auguste Adenauer für Haltung und Standhaftigkeit zahlte – bis hin zu Verhaftung, schwerer Krankheit und ihrem frühen Tod 1948. Über das historische Porträt hinaus stellte das Stück eine hochaktuelle Frage: Was bedeuten Verantwortung, Mut und Zusammenhalt in Zeiten politischer Verrohung und erstarkenden Populismus? „Ach, Gussie!“ ist damit nicht nur ein Beitrag zur Erinnerungskultur, sondern auch ein Impuls für die Gegenwart für Haltung in schweren Zeiten – gegen Radikalismus, Hetze und Hass.
Am Ende des Abends stand die Erkenntnis, dass Konrad Adenauers politisches Wirken kaum ohne seine Frau zu verstehen ist. „Dass es Konrad Adenauer gelungen ist, einen unbestreitbar wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau unseres Landes […] zu leisten, das wäre ohne seine Frau ganz sicher schwer denkbar“, resümierte Borchard. Mit der Berliner Aufführung von „Ach, Gussie!“ wurde dieser lange übersehene Beitrag eindrucksvoll gewürdigt.
Unser Dank gilt dem Theater der Altstadt Stuttgart für die eindrucksvolle Inszenierung sowie dem Pfefferberg Theater Berlin für die herzliche und aufgeschlossene Zusammenarbeit.
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