Ein Tag im März, es ist 13:17 Uhr. Der nächste Zug nach Roßbach fährt um 14.11 Uhr, einmal stündlich. Noch 54 Minuten Wartezeit verbleiben am Bahnhof in Naumburg, um anschließend drei Minuten in das Weindorf Roßbach weiterzufahren. „Warten auf´n Zug“ – ein passender Rahmen für dieses Seminar. 14:14 Uhr: Ankunft am Bahnhof Roßbach. Ein Gleis, ein Bahnsteig, ein idyllischer Ort: Einfamilienhäuser, Weinberge, eine Kirche, Vogelgezwitscher und viel Ruhe. Hier werden sich Stipendiatinnen und Stipendiaten der KAS drei Tage lang intensiv mit dem Strukturwandel in ländlichen Regionen in Ostdeutschland beschäftigen.
Zum Auftakt erhielten die Teilnehmenden einen Überblick über die Sozialstruktur des Burgenlandkreises – von Bevölkerungszahlen und -dichte, Altersstruktur und Geschlechterverteilung bis zu Wahlergebnissen. Am zweiten Tag folgte ein Vortrag zum regionalen Mobilitätsmanagement. Themen waren unter anderem ein neu entstandenes Car-Sharing-Projekt initiiert von Bürgerinnen und Bürgern, ein On-Demand-ÖPNV im Testbetrieb sowie langfristige Perspektiven autonomen Fahrens.
Anschließend ging es in Kleingruppen auf Exkursionen: nach Naumburg zum Landrat des Burgenlandkreises und Präsidenten des Landkreistages Sachsen-Anhalts, Götz Ulrich; nach Flemmingen zu Dr. Patrick Zier, Geschäftsführer von agriwatt Regenerative Technologien GmbH; und in Roßbach zu Winzer Alexander Hey vom Weingut Hey.
Der Landrat äußerte angesichts der anstehenden Landtagswahl im September 2026 Besorgnis über aktuelle Prognosen, berichtete jedoch auch von positiven Entwicklungen wie einem neuen Industriegebiet und einem geplanten Bildungscampus in Naumburg. Fördermittel von EU, Bund und Ländern sollen helfen, die Folgen des Braunkohleausstiegs bis 2038 abzufedern.
Am dritten Tag blickten wir mit einem Sozialgeographen auf die Region: Landkarten zeigten, wie der demographische Wandel wirkt – und wie viele junge Frauen abgewandert sind. Doch eine Zahl überraschte: Zunehmend kehren junge Menschen zurück aufs Land.
Den Abschluss bildete eine Führung durch den Naumburger Dom – seit 2018 UNESCO-Welterbe, entstanden im Hochmittelalter, mitten in einer Region, die heute um ihre Zukunft ringt. Wer im Westchor vor den zwölf Stifterfiguren steht, fragt sich unwillkürlich: Warum verlassen Menschen einen solchen Ort? Drei Tage Roßbach hatten gezeigt: Die Antworten sind kompliziert – und die Fragen lohnen sich. Danach hieß es wieder: Warten auf´n Bus.
Anlass und Datum: Seminar der Begabtenförderung, 11.-13.03.2026 in Roßbach bei Naumburg
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