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Russlands Krieg gegen Europa

nga Michelle Rödel
vom Land- zum Cyberkrieg

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Shpërndaj

Vom Schlachtfeld ins Netz: Russlands neuer Krieg gegen Europa

 

Vier Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine ist der Krieg längst mehr als ein militärisches Geschehen an der Front. Er ist in Europa angekommen, leiser, diffuser, aber spürbar. Unter dem Titel „Russlands Krieg gegen Europa – Vom Landkrieg zum Cyberkrieg“ widmeten sich die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Point Alpha Stiftung am 26. Februar 2026 in der Gedenkstätte Point Alpha dieser neuen Dimension der Auseinandersetzung.

 

Der historische Ort, einst Symbol der deutschen und europäischen Teilung, bot den passenden Rahmen für die Frage: Wie verändert sich Krieg im 21. Jahrhundert und wie wehrhaft ist unsere Demokratie?

 

Zwischen Krieg und Frieden – ein neuer Ernstfall?

 

Michelle Rödel, Tagungsleiterin des Politischen Bildungsforums Thüringen, eröffnete den Abend und begrüßte die zahlreichen Gäste. Philipp Metzler, Vorstand der Point Alpha Stiftung, führte in das Thema ein und machte deutlich: Der hybride Krieg ist keine abstrakte Bedrohung mehr. Er betrifft unseren Alltag: von Energieversorgung und Infrastruktur über Informationsräume bis hin zum Vertrauen in staatliche Institutionen.

 

Johannes Steger, Experte für Digital Crisis Management bei FGS Global und Autor des Buches „Deutschland im Ernstfall“, zeichnete das Bild eines Landes im „Zwischenstatus“: nicht im offenen Krieg, aber auch nicht mehr im vollständigen Frieden.

 

Was passiert, wenn zeitgleich Militärtransporte durch Deutschland rollen, Banken Ziel von Cyberangriffen werden, Lieferketten zusammenbrechen und kommunale Verwaltungen plötzlich nicht mehr erreichbar sind? Wenn Bürgerbüros ausfallen, Buchungssysteme lahmgelegt werden und sich das Gefühl verbreitet, der Staat habe die Lage nicht im Griff?

 

Hybride Angriffe wirken oft unterhalb der Schwelle des klar Benennbaren. Sie sind schwer zuzuordnen, operieren mit Täuschung, Anonymität und gezielter Desinformation. Ihr eigentliches Ziel ist weniger die physische Zerstörung, sondern das Vertrauen. Vertrauen in Institutionen, in Verfahren, in Demokratie.

 

„Wir sind nicht im Krieg – aber auch nicht mehr im Frieden“

 

Oberstleutnant i.G. Thilo Geiger vom Institut für Friedensforschung in Hamburg griff diese Diagnose auf. Das klassische Bild von Krieg: Panzer, Frontlinien, Gefechte, greife zu kurz. Moderne Konflikte bewegten sich bewusst im Graubereich. Hard Power, Soft Power und politische Einflussnahme verschmelzen zu einer Strategie, die Demokratien von innen heraus verunsichern soll.

 

Warum auch Deutschland? Weil es als wirtschaftlich starkes, geostrategisch zentrales Mitglied in EU und NATO eine Schlüsselrolle einnimmt. Wer Bündnisse schwächen wolle, setze an ihren tragenden Säulen an.

 

Besonders verwundbar seien Gesellschaften dort, wo Verantwortung unklar verteilt ist, an Schnittstellen zwischen Behörden, Ebenen und Zuständigkeiten. Hybride Akteure testen gezielt aus, wo Reaktionen ausbleiben und wo Unsicherheiten entstehen.

 

Geiger formulierte eindringliche Appelle an die persönliche Verantwortung:

„Check your door, check your bubble.“

 

Welche Themen triggern mich besonders? In welchen Informationsräumen bewege ich mich? Fordere ich meine eigenen Denkmuster heraus?

 

 

Sicherheit, Rechtsstaat und gesellschaftliche Resilienz

 

In der lebhaften Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, wie komplex die Lage ist.

 

Wie reagieren wir, wenn Cyberangriffe nicht eindeutig nachweisbar sind?

Braucht es neue gesetzliche Instrumente zwischen Spannungs- und Verteidigungsfall?

Wie lassen sich demokratische Prinzipien bewahren und zugleich schnelle Reaktionsfähigkeit gewährleisten?

 

Auch Fragen nach „Hackbacks“, föderalen Zuständigkeiten oder Einflussnahme auf Wahlen wurden offen diskutiert. Deutlich wurde dabei: Geschwindigkeit schafft Sicherheit, doch sie darf nicht auf Kosten des Rechtsstaats gehen.

 

Resilienz entsteht nicht allein durch Technik oder Militär, sondern durch gesellschaftliche Wachsamkeit, politische Bildung und transparente Kommunikation. Staatliche Institutionen müssen erklären, einordnen und kontinuierlich informieren. Nur so entsteht Akzeptanz für notwendige Maßnahmen.

 

Demokratie verteidigen – im Denken wie im Handeln

 

Gerade die Beiträge junger Teilnehmender zeigten, wie sehr das Thema kommende Generationen bewegt. In Zeiten von „Polykrisen“ wächst die Sehnsucht nach einfachen Antworten. Doch einfache Antworten greifen zu kurz.

 

Demokratie ist nicht perfekt, aber sie bleibt die bislang am besten erprobte Regierungsform (vgl. Churchill). Sie lebt vom Mitdenken, vom Mitdiskutieren, vom kritischen Hinterfragen.

 

Der Abend in Point Alpha machte deutlich: Der hybride Krieg ist kein fernes Szenario. Er fordert uns alle als Bürgerinnen und Bürger, als Gesellschaft, als demokratisches Gemeinwesen.

 

Die enge Kooperation zwischen der Konrad-Adenauer-Stiftung Thüringen und der Point Alpha Stiftung zeigt, wie wichtig es ist, historische Erfahrungen mit aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen zu verbinden.

 

Point Alpha, einst Brennpunkt des Kalten Krieges, ist heute ein Ort der politischen Bildung und ein Mahnmal dafür, dass Freiheit, Sicherheit und Demokratie niemals selbstverständlich sind.

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Kontakt Maja Eib
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Landesbeauftragte und Leiterin Politisches Bildungsforum Thüringen
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