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บทความเดี่ยว

EHF-Stipendiatin Nezaket Ekici erhält GASAG-Kunstpreis 2004

Laudatio auf die durch den Else-Heiliger-Fonds der KAS geförderte Künstlerin. 9. September, Kunstfabrik Berlin

Die Performancekünstlerin Nezaket Ekici (*1970) hat in Berlin den mit € 5000 dotierten GASAG-Preis erhalten. Die Meisterschülerin von Marina Abramovic, thematisiert in ihren Arbeiten vor allem den Dialog der Kulturen.

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Dr. Hans-Jörg Clement

Laudatio auf Nezaket Ekici

GASAG-Kunstpreis 2004

09. September 2004

Drei Tatorte:

In einer geladenen Gesellschaft läuft eine Frau ganz unerwartet, zur Irritation der Gäste, nur in Wäsche gekleidet zu einem Spiegel. Dort - am Ort der Selbstkontrolle – will sie ihre Haare frisieren, sich schminken und ihre Robe anziehen. Das Ritual gerät von Anfang an ins Stocken: Die Arme der Frau sind rechtwinklig eingegipst und lassen die gezielte Führung der Hände über den eingeschränkten Bewegungsradius hinaus nicht zu. Die hundertfach eingeübte Handlung der Verhüllung endet im Debakel: Derangiert, die Schminke im Gesicht verschmiert, bewegt sich die Frau zum gedeckten Tisch, an dem Spaghetti mit Tomatensauce und Rotwein serviert werden. Das persönliche Drama verlängert sich und endet erst, nachdem Glas und Teller geleert sind. Zurückgelassen wird ein Chaos. Die weiße Tischdecke wie von rotem Blut getränkt, die Frau besudelt; als hätte man dem – gescheiterten? – Initiationsritus einer Voodoo-Zeremonie beigewohnt.

Anderer Ort, andere Zeit: Eine traditionell gekleidete, offenbar türkische Frau mit Kopftuch betritt den Raum. Als orientalisch-türkische Bauchtanzmusik erklingt, legt die Frau einen Hula-Hoop-Reifen um ihren Hals und beginnt mit einem endlosen Tanz, bei dem der Reifen allein durch die Drehung des Kopfes in Bewegung gehalten wird. Die Strapaze dauert etwa drei Stunden.

Dritter Ort des Geschehens: Eine Frau steht in einem Raum vor einem komplett gefüllten Kleiderschrank. Sie beginnt mit dem Anlegen der Garderobe; ein Kleidungsstück nach dem anderen wird übereinander gezogen. Was undenkbar erscheint, wird erreicht: der Schrank wird geleert. Die erschöpfte, schwitzende, fast erstickende Person ist deformiert, nichts verweist mehr auf einen menschlichen Torso. Nur durch Hilfe der Umherstehenden ist die Frau in der Lage, sich Stück für Stück vom Ballast wieder zu befreien.

Die Kunstfabrik am Flutgraben wird gleich zu einem vierten Tatort werden.

An allen drei Tatorten ist es eine alltägliche Situation, ein Spiel, ein Ritual, das die Aktion in Gang setzt. Sehr schnell aber merkt der Beobachter: Hier geschieht etwas „Ver-Rücktes“, das den Zug von der Schiene springen lässt, etwas, das der Alltagssituation ihre Alltäglichkeit und dem Spiel das Spielerische nimmt. Entspannung weicht der Spannung bis schließlich Überanstrengung und Entkräftung folgen. Der Betrachter sieht Verhüllungen und Enthüllungen, Verwandlungen und Anverwandlungen, greifbare Körperlichkeit, quasi das „Skulpturale des Körpers“, und merkt: Er wird Zeuge einer Häutung. Ob bemalt, verschmiert, verkleidet: der Mensch, der hier steht, ist nackt.

„Ich habe mich ja entschieden, an meine Grenzen zu gehen“, erklärt Nezaket Ekici - und damit ist eigentlich alles gesagt. Die Künstlerin reißt mit diesem Postulat den ganzen Deutungshorizont ihrer Arbeit auf, formal und inhaltlich, und betont damit unmissverständlich die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens.

Allem Anschein zum Trotz: Dem Zufall wird hier nichts überlassen. Die vermutete Improvisation ist nichts anderes als minutiös ausgependelte, reflektierte Strategie, die nur unzulänglich mit dem Begriff Disziplin umschrieben wäre. Gemeint ist hier vielmehr eine künstlerisch-strategische Entscheidung, die Konsequenzen hat. Die Strenge ist das entscheidende formale Charakteristikum und Kriterium der Arbeit von Nezaket Ekici. Das kann am Ende nicht verwundern, denn das Instrument, mit dem Grenzen abgeschritten und Grenzbereiche erforscht werden, ist der eigene Körper. Hier geht es um Existenz, um Identität, um Selbstfindung und Selbstversicherung.

Fast ist man verleitet, die Entscheidung Nezaket Ekicis, zunächst eine Ausbildung zur Druckformherstellerin zu absolvieren, so zu deuten, als gälte es auch für sie, eine Fassung, eine Form zu finden. Und tatsächlich:

Die Suche nach dem „ich“ beschäftigt Nezaket Ekici. „Woher komme ich, wer bin ich, wohin gehe ich?“ Die Antworten auf diese Fragen verorten oder sie machen heimatlos. Und nur all zu oft ist auch die Ankunft am gesuchten Ort zugleich der Beginn vom Bewusstsein des Verlustes. Das, was man vermutet hat zu finden, ist nicht oder nicht mehr da. Es ist bestimmt kein Zufall, dass es seit den sechziger Jahren in der Performance den Frauen vorbehalten blieb, diese Fragen in aller Radikalität zu stellen. Wohl keine hat dies mutiger, konsequenter und spektakulärer getan als Marina Abramovic. Die große Lehrerin von Nezaket Ekici hat vor allem Maßstäbe dafür gesetzt, dass sich trotz vieler biographischer Bezüge die Identitätssuche nie in eitler, reduzierter Selbstbespiegelung, sondern unter Einbeziehung kulturgeschichtlicher und gesellschaftspolitischer Dimensionen vollzieht. Nezaket Ekici verordnet sich daher – in der ihr gewohnten asketischen Strenge - einen Auftrag:

„Da ich in zwei Kulturkreisen, dem türkischen und dem deutschen, aufgewachsen bin, hatte ich das Glück, aber auch die Aufgabe, zwei sehr unterschiedliche Kulturen, die westliche und die orientalische, miteinander zu verbinden.“ Das Thema, das sich die 1970 in der Türkei geborene und in Duisburg aufgewachsene Künstlerin zur Aufgabe macht, liegt all ihren Arbeiten zugrunde, mal steht es im Mittelpunkt, mal schwingt es latent mit. Die Grenzen, von denen Ekici spricht, sind also nicht nur physische, sondern auch kulturelle Grenzen. Jede Performance erzählt eine Welt und zugleich erzählt die Erzählerin sich selbst. Ein Erlebnis, ein Er-Leben im schönsten Sinne des Wortes – weit über ein ethnozentrisches Verständnis hinaus.

Dem Betrachter wird zum Erleben Zeit gelassen, ganz so, als könnte er das Buch, aus dem er liest auch mal zur Seite legen und nicht umsonst, sind die Arbeiten ja auch erzählerische – narrative – Arbeiten. Dem beobachtenden „Leser“ werden durch die vielfältigen Bezüge und Verweise Erfahrungsräume geschaffen, in denen er sich ausruhen kann. Das gestische Vokabular ist daher bei Ekici – anders als bei Abramovic – nie ein wirklich provokantes, sondern ein eher stimulierendes. Dadurch lässt sich für den Beobachter die Reise durch die Erfahrungsräume leichtfüßig beginnen. Er folgt diesem virtuosen, civilisation-surfing – der clash of civilisations findet nicht statt - , einem Wellenritt, der souverän mit den unterschiedlichen Codes und Konnotationen spielt. Es zeichnet die Arbeit der Künstlerin aus, dass sich dieses Spielerische, der Humor stets mit der angesprochenen Strenge verbinden und aus dieser geheimnisvollen Koalition etwas ganz Eigenes entsteht, das den Betrachter in Bann schlägt, ohne ihn ganz zu vereinnahmen; die Restdistanz bleibt. Vielleicht lässt sich das bisherige Werk von Nezaket Ekici, das heute ausgezeichnet wird am ehesten so beschreiben: als eine wundersames Amalgam aus Zumutung und Anmutung. Dass die Künstlerin, den schmalen Pfad zwischen Nähe und Distanz zu gehen vermag, macht die hohe Qualität ihrer Arbeit aus. Für die Performance ist dies die schwierigste Aufgabe, die es zu lösen gilt. Nezaket Ekici gilt der Glückwunsch zum GASAG-Kunstpreis 2004.

Wir haben zwei weitere Preisträger zu ehren, nämlich Laura Horelli und Gregor Hildebrandt.

Laura Horelli, in Finnland geboren, studierte an der Kunstakademie in Helsinki und der Städelschule in Frankfurt am Main. Ihrem Werk liegt das Interesse an Formen und Strategien der Wahrnehmung und der Präsentation von vermeintlicher Wirklichkeit zu Grunde. Wie funktioniert Kommunikation? Spannenderweise sind ihre Arbeiten dabei selbst ausgesprochen kommunikativ. „Für mich ist es wichtig, dass meine Kunst nicht so hermetisch abgeschlossen ist von der Welt“, sagt Laura Horelli und: „Mich interessieren die Machtstrukturen, die das Dokumentieren von sich bringt“. Horelli gehört zweifellos im Moment zu den Künstlerinnen, die das Spannungsverhältnis zwischen subjektiver Wahrnehmung und vermuteter objektiver Dokumentation und Recherche, zwischen privater Welt und öffentlichem Leben besonders überzeugend umsetzen. Horelli überführt dabei durch ihre formalen Auflösungen den Betrachter schon in der Rezeption ihres Werkes dessen, was sie inhaltlich umsetzen will: Der Gefahr oberflächlicher Beobachtung in einem durch Beiläufigkeit geprägten Alltag. Die multiperspektivischen Arbeiten, von Laura Horelli, sehr viel Video, Fotografie und Installation, erzählen – scheinbar gang beiläufig – von der Relativität der uns primär medial vermittelten Welt. Authentisch scheint nichts – oder authentisch scheint alles und ist deshalb nichts. Es gibt keine Eindeutigkeit. Dort, wo wir besonders nah dran scheinen, sind wir weit weg. Die Distanz ist das Merkmal unserer Aneignung von Welt und des Lebens.

Gregor Hildebrandt hat in Mainz und Berlin studiert. Seine Arbeiten kreisen um die Suche nach Identität – es sind Arbeiten eines Forschers, der musikalische, literarische und filmische Aspekte und Merkmale in die künstlerische Arbeit einbezieht. Das Leben eines Künstlers und das künstlerische Werk werden bei Hildebrandt locker miteinander verwoben und die Verknotungen geben Raum frei für vielfältige Assoziationen und Interpretationen. Seine Arbeiten erinnern an einen Roman Hubert Fichtes, in dem ein Forscher einen Ritus erforschen will und am Ende feststellt, dass der vorzulegende Forschungsbericht nur die Form eines Romans haben kann. In verdoppelter Perspektive nennt sich der tatsächliche Roman, den der Leser liest am Ende auch „Forschungsbericht“. Hildebrandt fordert dem Betrachter einiges ab, seine Arbeiten sind eine Herausforderung, sich auf die vielfältigen Bezüge seiner Arbeiten einzulassen, will man sich nicht in diesem Netz aus Anspielungen und Zitaten verheddern – und natürlich ist dieses Verheddern Teil der künstlerischen Strategie. Um so mehr besticht daher die vermeintliche Schlichtheit der Werke, die sich aber ebenfalls bei näherer Betrachtung als ausgesprochen filigran erweist und in ihrem Deutungshorizont eine durchaus pathetische Dimension entwickelt. Hildebrandt findet damit zu einer ganz eigenen Handschrift, die das Genie des Künstlers artikuliert und gleichzeitig einen so ausreichende Abstand aufbaut, dass es zu keiner Kapitulation des Betrachters angesichts der suggestiven Kraft der Arbeiten kommt.

Allen Preisträgern herzlichen Glückwunsch und der Jury Gratulation zu einer guten Wahl!

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16 กันยายน 2547
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