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Nachruf

„Eine große, kräftige Stimme im polyphonen Chor der europäischen Literatur“

โดย Prof. Dr. Michael Braun

Nachruf auf Cees Nooteboom

Als Cees Nooteboom während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 durch die leeren Straßen von München ging, fiel ihm ein Poster mit der Frage „beginnt hier das Jenseits“ ins Auge. Für ihn war das ein Auftrag. Es entstand ein Gedichtzyklus über die Vergänglichkeit der Welt und die Macht von Geschichten, eine Meditation über das Kriegsgedächtnis und das Hohelied des Lebens. Nooteboom wusste, wovon er schreibt. 1944 starb sein Vater beim Bombardement von Den Haag.

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Dort wurde Cees Nooteboom am 31. Juli 1933 geboren. Am 16. Mai 1940 marschierte die Wehrmacht in Amsterdam ein, Cees Nooteboom beschreibt das so: „Die Straße ist breit, die Menschen am Rand sind still, und dazwischen, in der prächtigen Mitte, zieht und rattert die endlose graue Armee“. Nach dem Tod des Vaters und der Evakuierung der Familie wuchs der Junge mit dem Taufnamen Cornelis Johannes Jacobus Maria in katholischen Klosterschulen in Eindhoven und Venray auf.

Sein erstes Geld verdiente Cees Nooteboom in Werbebüros und bei Banken. Amsterdam durchstreifte er als „Dandy ohne Geld“, mit Samtjacke, buntem Schal und Spazierstöckchen. Sein Debüt, der Reiseroman Philip en de anderen, der 1955 erschien, machte ihn über Nacht bekannt und wurde in der deutschen Übersetzung Das Paradies ist nebenan zum Longseller. Neben Songtexten, Gedichten und Lyrikübersetzungen schrieb Nooteboom vor allem Reiseberichte, vielfach mit Fotografien, die seine Frau Simone Sassen gemacht hat. Als Reiseschriftsteller wurde Cees Nooteboom zum Weltbürger. Der Autor lebt in Amsterdam, in Berlin, auf Menorca, er hat fünf Erdteile, darunter fast alle europäischen Länder, bereist. „Ich ziele wie ein Pfeil / auf die Ferne, / aber in der Ferne / bin ich / weg“, heißt es in seinem Gedicht „Weg“.

Seine Leser hat Cees Nooteboom als Erzähler von Geschichten begeistert. Einmal bat ihn die Accademia della Crusca in Florenz, über einen Buchstaben des Alphabets zu schreiben. Nooteboom entschied sich für das „L“, weil es fürs Lesen und fürs Laufen stehe. Dieses Bekenntnis hängt wiederum mit der Freiheit, der libertà, zusammen und mit der Einheit von Denken und Bewegung. Cees Nooteboom ist ein philosophierender Weltbürger, für den Reisen und Sehen im Beschreiben der Welt zusammenfallen.

Nootebooms literarische Kunst entfaltet sich vor allem in seinen Romanen. Rituale, 1984 in einem DDR-Verlag, 1985 in der Bundesrepublik erschienen und 1989 verfilmt, das in Los Angeles geschriebene Berlin-Epos Allerseelen (1999), der in Australien und Österreich spielende Liebesroman Paradies verloren (2004) und vor allem Die folgende Geschichte (1996) behandeln weltbürgerliche Themen, kulturelle Rituale und die Suche nach den Letzten Dingen. Im letztgenannten Roman schläft ein Altphilologe in Amsterdam ein, wacht in Lissabon wieder auf und begegnet am Ende auf einem Schiff Figuren aus seiner Vergangenheit – auf einem Totennachen.

Neben den Romanen und Gedichten hat sich Nooteboom auch als wachsamer politischer Zeitgenosse gemeldet. Sein Berlin-Reisebuch Berlin 1989 | 2009 ist persönliche Chronik und historischer Kommentar der einst geteilten, nunmehr wiedervereinigten Stadt, aufgebaut auf Erfahrungen aus über fünfzig Jahren. Im Januar 1963 bekam er in Ostberlin einen ideologischen Stadtführer in die Hand gedrückt, in dem noch Respekt vor der „Schutzmauer“ gefordert wurde. Im November 1989 erlebte er den Fall dieser Mauer. Während die Menschen in den Westen strömten und Trabis auf dem Kurfürstendamm fuhren, ging er in den Ostteil der Stadt und beobachtete dort die unmittelbaren Folgen der Selbstbefreiung des Volkes. Zwanzig Jahre später las er, ein „Mann, in Worte eingewickelt“, in einem Lokal „Zum Nußbaum“ Zeitungen „randvoll mit Krise“.

Cees Nooteboom, so Norbert Lammert bei seiner Laudatio auf den Literaturpreisträger der Konrad-Adenauer-Stiftung 2010 in Weimar, ist eine „große, kräftige Stimme im polyphonen Chor der europäischen Literatur“. Als Bürge eines wertbewussten Europas kann der Autor gewissermaßen Berge versetzen. In den niederländischen Bergen in der gleichnamigen Novelle wird die Provinz Limburg, der südliche Zipfel der Niederlande, kartografisch so langgezogen, dass das Land über den Balkan bis zur griechischen Grenze verläuft und als interkultureller Musterkorridor Europas gelesen werden kann.

Im Alter von 92 Jahren ist Cees Nooteboom am 11. Februar 2026 auf seiner Lieblingsinsel Menorca verstorben. „Er weiß es, vor dem Ende kommt / alles noch einmal vorbei, erst dann darf er / gehen und wer weiß auch lachen als Waise im Dunkeln, / die hängt an den Füßen von Versen“, heißt es in dem Band Abschied (2021).

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