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„Der Syrienkrieg wird ein globales Problem werden“

Experten diskutierten über die Auswirkungen des Syrienkriegs

In der Türkei haben seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien mehr als 1,5 Millionen Menschen Zuflucht gesucht. Ein Teil lebt in Flüchtlingscamps doch etwa 1,4 Millionen sind in der Türkei verstreut. Prof. Dr. Murat Erdogan von der Hacetepe Universität in Ankara, bezeichnet die Situation als eine der schlimmsten Krisen, die die Welt bisher gesehen habe. „Der Syrienkrieg wird ein globales Problem werden“, sagte er bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin.

Experten und Wissenschaftler befassten sich in der Diskussionsrunde mit den Auswirkungen der Flüchtlingskrise auf die Türkei und die Region Kurdistan-Irak. Aufgrund der Krise in dem von Assad regierten Land ist das menschliche Leid der Syrer groß, so Erdogan, und ein Ende sei nicht in Sicht. Laut einer jüngst erschienen Studie des Forschungscenters Migration und Politik der Hacettepe Universität (HUGO) seien 53 Prozent der Jugendlichen unter 18 Jahren, die in die Türkei geflüchtet sind, von den Folgen des Krieges betroffen. „Sie können keine Ausbildung anfangen und nur 15 Prozent gehen zur Schule“, erklärt Erdogan, Initiator der Studie. Einer der Gründe sei die Sprachbarriere. Obwohl die Türken Mitgefühl für die jungen Menschen und ihrer Situation hätten, beschwerten sich viele über die ökonomische Belastung, die die Flüchtlingspolitik mit sich bringe. „Längst geht es nicht mehr um einen Machtkampf zwischen dem syrischen Präsidenten und der Opposition“, sagte Erdogan. Der Islamische Staat (IS) und andere Faktoren würden den Konflikt komplexer machen.

"Der Syrienkonflikt ist in viele Unterkonflikte aufgesplittert. Der übergeordnete Konflikt Regime gegen große Teile der Bevölkerung verblasst langsam vor dem Hintergrund verschiedener Kräfte, die in Syrien und der Region gegeneinander kämpfen", sagte der Syrienexperte Dr. Carsten Wieland. Verschiedene Kräfte würden gegeneinander kämpfen. Dr. Walter Posch, stellvertretender Forschungsgruppenleiter Naher/Mittlerer Osten und Afrika der Stiftung Wissenschaft und Politik, erläuterte die Konflikte zwischen der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) und kleineren kurdischen Parteien in Syrien, die von dem Präsidenten der Autonomen Region Kurdistans (KRG), Masud Barzani, unterstützt werden. Die PYD stehe der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahe und verfüge über einen schlagkräftigen militärischen Arm, der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG).

Ein weiterer Akteur, der nicht zu unterschätzen sei, ist der IS. „Der IS finanziert sich über verschiedene Einnahmequellen und betreibt eine funktionieren Kriegswirtschaft“, sagte Wieland. Dazu gehörten auch Ölverkäufe. Gerade der Nord-Irak verfüge über die zehntgrößten Ölreserven der Welt, sagte Prof. Dr. Friedbert Pflüger, Geschäftsführender Inhaber der Kurdish-German-European Business Alliance GmbH in Erbil und Berlin. Auch die Gasvorkommen seien enorm. Ein Faktor, der bei den Auseinandersetzungen ebenfalls eine Rolle spiele. Nicht nur diese ökonomischen Gründe hätten zu einer Annäherung der Türkei mit den Kurden geführt, sondern die Kurden würden auch seit längerem eine Aussöhnung mit dem Nachbarland anstreben. „Die Türkei ist zu einem guten Patron geworden“, sagte der Experte. Doch die Freundschaft sei getrübt. „Denn die Kurden sind enttäuscht über die zu späte oder halbherzige militärische Hilfe gegen die IS-Bedrohung“, so Pflüger.

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