Виступи на заходах

Experte spricht über rechtsextreme Geschichtsauffassungen

Unter dem Titel „Die Instrumentalisierung der Geschichte durch rechtsextremistische Kreise“ sprach Dr. Michael Kohlstruck, Politik- und Antisemitismusforscher an der Technischen Universität Berlin, am Dienstag in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung über geschichtspolitische Argumentationen heutiger Rechtsextremer. Dabei stellte der Referent zwei Thesen auf. Erstens, stellte Kohlstruck fest, seien Rechtsextreme an einer Rehabilitierung der NS-Zeit interessiert. Dies sei aber nur ein Teilziel.

Letztlich gehe es ihnen um “ die hohe Wertschätzung der nationalen Vergangenheit im Ganzen“. Dies gehe auf ein zentrales Element der rechtsextremen Weltanschauung zurück, das „organisch-völkische“ Denken.

Vor 50 Zuhörern in Berlin erläuterte Kohlstruck diesen beiden Thesen, indem er zunächst das völkische Konzept von Volk und Nation darstellte. Dieses sei ein Kern allen heutigen rechtsextremen Denkens. Mit der Zäsur 1945 hatte das völkische Denken seine Legitimität verloren. Seitdem stünden Rechtsextreme vor der Herausforderung, die nationale Geschichte der Deutschen wieder so zu erzählen, dass daraus das ihrer Auffassung nach gültige Wesen der Deutschen abgelesen werden könne. Damit stehen sie vor der Aufgabe, die herrschende Bewertung des NS als ein Verbrechenssystem zu relativieren.

Der Referent zitierte unter anderem Friedrich Ludwig Jahn (1778 bis 1852), neben ‚Turnvater‘ auch Politiker und Staatstheoretiker, der das Wort ‚Nation‘ ablehnte und‚ Volkstum‘ als Begriff einführte. Demnach ist das „Gemeinsame des Volks seine Wiederzeugungskraft, seine Fortpflanzungsfähigkeit. Dadurch waltet in allen Volksgliedern ein volkstümliches Denken und Fühlen, (…) Ahnen und Glauben. Das bringt alle die einzelnen Menschen des Volks, (…) in der Viel- und Allverbindung mit den übrigen zu einer schönverbundenen Gemeinde.“

Da mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Bekanntwerden der NS-Verbrechen das „völkische Konzept“ von Grund auf entwertet war, machen sich heute Rechtsextreme weiter für eine Verständnis von Volk als einer Gemeinschaft von Gleichartigen und gleich Empfindenden stark. Das Volk, nicht die einzelne Person ist die basale Größe ihrer Weltanschauung. Völker haben in ihrer Sicht konstante Eigenarten und sie haben das Recht, ihren „Volksgeist“ auszuleben und zu steigern. Interessant war die Parallele, die der Referent zwischen Fichtes Vorstellung eines Fortlebens nach dem Tod von Individuen in ihrem Volk und aktuellen rechtsextremen Postulaten zog: Der Aufruf „Werde unsterblich“, der per Video im Internet verbreitet wird, folgt der Tradition des romantischen Konzeptes von Volk.

Von rechtsextremen Publizisten, so Kohlstruck, werde das NS-Regime „entmoralisiert“. Sie sehen die Verbrechen der Nazis als „historischen Normalfall“, der im Krieg nun mal passiere. Wichtig, sagte der Referent, sei dass die Rechtsextremen die NS-Verbrechen nicht leugneten, sondern diese in der Rückschau gleichstellten mit anderem Unrecht. Ihre Hauptstrategie besteht heute nicht darin, das historische Geschehen zu bestreiten, sondern die dominanten Erinnerungsdiskurse und Geschichtsdarstellungen sowie deren Urheber als unglaubwürdig erscheinen zu lassen.

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Renate Abt

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Landesbeauftragte und Leiterin Politisches Bildungsforum Berlin

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