Виступи на заходах

Journalistentreffen in Antalya

з Ulrich W. Sahm

Workshop mit palästinensischen und israelischen Journalisten

Drei Organisationen, Konrad Adenauer Stiftung, Jerusalem, das Peres Center for Peace (PCP) und das International Palestinian Center for Comunication (IPCC) mussten alle ihre bürokratischen wie diplomatischen Künste aufwenden, um im türkischen Antalya jeweils acht Presseleute zu einem Workshop zusammenzubringen.

Wenn palästinensische und israelische Journalisten aus den benachbarten Städten Ramallah und Jerusalem einander treffen wollen, kann man nicht einfach eine Kneipe bestimmen und einen Tisch bestellen. Drei Organisationen, Konrad Adenauer Stiftung, Jerusalem, das Peres Center for Peace (PCP) und das International Palestinian Center for Comunication (IPCC) mussten alle ihre bürokratischen wie diplomatischen Künste aufwenden, um im türkischen Antalya jeweils acht Presseleute zu einem Workshop zusammenzubringen.

Während Ronen und Rotem nur zum Ben Gurion Flughafen bei Tel Aviv fahren brauchten um nach dem üblich-umständlichen Sicherheitscheck die türkische Chartermaschine zu besteigen, mussten Faten und Andere aus den palästinensischen Gebieten eine halbe Weltreise von zweitägiger Dauer auf sich nehmen, um über die Allenby-Brücke nach Jordanien auszureisen, von Amman nach Istanbul zu fliegen und von dort nach Antalya. Israel erteilt Palästinensern aus den PA Gebieten nur ausnahmsweise die Genehmigung, nach Israel einzureisen oder gar den Ben Gurion Flughafen zu benutzen, während es wegen mehrfacher Morde an Israelis in den palästinensischen Gebieten ein generelles Verbot für Israelis gibt, nach Ramallah oder Bethlehem zu fahren.

Nicht erst seit Scharons verkündeter „Abtrennungspolitik“ gibt es eine de facto Abtrennung, sogar zwischen Presseleuten, die noch am ehesten vermitteln und auf beiden Seiten willkommen sein sollten. Schon seit Ausbruch der Intifada sind Mauern, geistige Sperrwälle und unüberwindbare psychologische Zäune errichtet worden. Ein direkter Dialog ist kaum mehr möglich. Nur dank der logistischen wie finanziellen Hilfe, etwa der Adenauer Stiftung, kann wieder die Basis für eine Kooperation geschaffen werden, sei es per Telefon oder Email, solange persönliche Begegnungen vor Ort weiterhin fast unmöglich sind, es sei denn die Betroffenen riskieren eine Verhaftung oder gar ihr Leben.

Das entworfene Programm für die „Sessions“ in Antalya, diente nur als Gerüst. Die besprochenen Themen dienten vor Allem als Aufhänger für Gruppendynamik. Der auf beiden Seiten angesehene israelische Journalist Dany Rubinstein hatte vorgeschlagen, dass jeder bei der Vorstellung seiner Person auch ein paar Worte zur Herkunft seines Namens sagen sollte. Das allein führte zu manchen Überraschungen. Shternberg, Rubinstein und Seltenreich sind deutsche Namen, auch wenn die Vorfahren aus Russland, Polen kamen oder über Südamerika nach Israel eingewandert sind. Das ist Teil der bekannten jüdischen Geschichte. Doch bei den Palästinensern, die ihre Bodenständigkeit als politisches Programm betonten, entlarvten allein die Namen eine eher nicht-palästinensische Abstammung. So führte Adnan Joulani seinen Familiennamen auf einen iranischen Geistlichen zurück, dessen weitverzweigte Nachfahren in Ländern von Pakistan bis Irak und Türkei am Terror beteiligt seien. Bassem Eid, der bekannte Journalist und Menschenrechtler, demonstrierte bemerkenswertes Desinteresse am Dorf Salame, von wo seine aus Ägypten stammende Familie 1948 geflüchtet sei. Das ehemalige arabische Dorf ist heute eine gleichnamige Gasse im Flohmarkt von Jaffo.

Zur Vorstellung der Teilnehmer gehört offenkundig auch der Versuch, Schuldzuweisungen gegen die andere Seite auszusprechen und das eigene „Leiden“ in den Vordergrund zu schieben. Ein Palästinenser beschrieb in aller Ausführlichkeit, wie er schon mehrmals von israelischen Kugeln getroffen und verletzt worden sei. Ein Israeli verursachte betretenes Schweigen und dann mitfühlenden Applaus, als er verkündete: „Im Restaurant Maxim in Haifa habe ich fünf Familienangehörige verloren.“

Am ersten Konferenztag kam es zu Spannungen, nachdem ein Palästinenser eine schriftlich vorbereitete „Deklaration“ auf arabisch verlas. Es war eine gehässige Anklageschrift gegen die israelische Pressezensur und die Weigerung des Presseamtes, palästinensischen Journalisten Freizügigkeit in Israel zu gewähren. Dass auch die israelischen Journalisten ihre Mär von Problemen mit der israelischen Bürokratie erzählen könnten, interessierte den Palästinenser genau so wenig wie Ratschläge, die Zensur zu umgehen. Er wollte eine politische Deklaration in den Raum stellen.

Dieses „politische Flagge zeigen“ löste sich erst gegen Mitternacht am Strand auf. Die israelischen wie palästinensischen Teilnehmer waren sich persönlich offenbar sehr sympathisch. Sie saßen kunterbunt gewürfelt auf den Strandliegen. Es herrschte ausgelassene Stimmung. Die Palästinenser rissen einen Witz nach dem Anderen: über den am Morgen noch zum unantastbar demokratisch gewählten Präsidenten deklarierten Jassir Arafat... Damit war das Eis gebrochen und damit erübrigten sich an den darauffolgenden Tagen die überflüssigen politischen Positionierungen.

Nun konnten auch die Präsentationen beider Seiten sachlicher diskutiert werden. Bei den Palästinensern wurde das offizielle staatlich gelenkte palästinensische Fernsehen als „völlig unrepräsentativ“ abgetan. Es versende nur Propaganda „und wird von niemandem angeschaut“. Von Bedeutung sei vor allem der in Qatar angesiedelte Sender Al Dschesira, denn der werde mehr als jeder andere TV-Sender gesehen. Auch bei den palästinensischen Zeitungen ergab sich ein eher trübliches Bild der Ohnmacht der eigenen Medien. Von den rund drei Millionen Palästinensern lesen gemäß Erhebungen nur 11,3 Prozent täglich eine Zeitung. Im Gazastreifen lesen 40 % (im Westjordanland 24 %) gar keine Zeitung. So erklären sich die winzigen Auflagen palästinensischer Zeitungen, lediglich 15.000 Exemplare bei El Kuds und nur 2000 Exemplare bei Al-Hayat. Dabei kostet eine Zeitung am Kiosk nur 20 Cents. Dem steht bei etwa 6 Millionen Israelis die Boulevardzeitung Jedijot Achronot mit einer Auflage von einer halben Million Exemplaren am Wochenende zum Preis von 2 Euro gegenüber. Allein die angesehene linksliberale Zeitung „Haaretz“ bestehe darauf, dank ihrer weltweit bekannten Korrespondenten Amira Hass und Gideon Levy, über die Beschwernisse der Palästinenser zu berichten. Doch die Zeitung zahle dafür einen hohen Preis. Täglich verliere sie deshalb Abonnenten.

Allgemeine Übereinstimmung herrschte bei der Feststellung, dass die palästinensische Bevölkerung durch ihre Zeitungen besser über die Verhältnisse in Israel informiert sei, als umgekehrt. Palästinensische Zeitungen veröffentlichen ausgiebig Übersetzungen aus der hebräischen Presse, während die anwesenden israelischen Journalisten ein völliges Desinteresse der israelischen Leserschaft an den Verhältnissen in den palästinensischen Gebieten beklagten. Ebenso tendierten die israelischen Journalisten dazu, die eigenen Medien entweder als „von der Regierung gelenkt“ oder von „kommerziellen Interessen“ geleitet zu rügen. Dem konterten die palästinensischen Journalisten, dass ihre Presse geknebelt werde. Obgleich es offiziell keine Zensur gebe, sei es schon passiert, dass Geheimdienstchefs und Politiker in den Redaktionen persönlich erschienen seien, um dem Chefredakteur Vorschriften zu machen, wo und wie er Berichte über Arafat zu platzieren habe. Positiv wurde registriert, dass heute Kritik an Arafat möglich sei, was früher undenkbar war. „Die PA will nach wie vor die Medien zensieren. Dies gelingt ihr aber nicht mehr. Die Unzufriedenheit der Palästinenser überwiegt der Angst vor persönlicher Bedrohung seitens der PA“, sagte ein Palästinenser.

Bassem Eid, Leiter einer von ihm gegründeten palästinensischen Menschenrechtsorganisation, berichtete von blanken Lügen in der palästinensischen Presse und Einschüchterungsversuchen Arafats. So berichtete das palästinensische Fernsehen über die Beerdigung eines Opfers der Israelis. Am folgenden Tage annoncierte die Familie des angeblichen Opfers, dass ihr Sohn lebe. Wer ist da also beerdigt worden? Niemand weiß es. 300 Palästinenser seien seit Beginn der Intifada von den eigenen Leuten umgebracht worden, würden aber als „Märtyrer“, Opfer der Israelis dargestellt. Eid forderte ein Ende der Propaganda. Er beklagte, dass keiner seiner weltweit verbreiteten Reports jemals in einer palästinensischen Zeitung abgedruckt worden seien. Selbst finanzierte Annoncen seiner Organisation würden verweigert, unter dem falschen Vorwand, dass die israelische Zensur sie abgelehnt hätte, was nachweislich eine Lüge der Chefredaktionen palästinensischer Zeitungen gewesen seien.

In den letzten Minuten gab es einen weiteren Eklat. Einer der israelischen Reporter hatte gegen den Willen einiger Teilnehmer gefilmt und eingestanden, einen Bericht im israelischen Fernsehen veröffentlichen zu wollen. Die meisten störte es nicht, aber sein Verhalten wurde als „unethisch“ kritisiert. Denn am ersten Tag wurde deutlich gesagt, dass alles bei dem Workshop gesagte „off the record“ sei, also „unter Drei“. Doch dann gestand ein palästinensischer Teilnehmer, dass er seine Kontakte verlieren könnte, wenn herauskäme, dass er sich mit israelischen Kollegen getroffen hätte. Er redete sogar von Lebensgefahr für sich und seine Familie.

So drehte sich erneut das Blatt. Während anfangs die Palästinenser alle Schuld für ihre Misere der israelischen Seite zuschoben, stellte sich zum Abschluss heraus, dass ihnen von ihren eigenen Leuten eher akute Gefahr drohe.

Vielleicht weil beide Seiten ausreichend Gelegenheit hatten, ihren Frust über die Medien und Zustände in ihrem Land abzulassen, und weil sie sich am letzten Abend im Restaurant „Hannover Pascha“ beim gemeinsamen Rauchen einer Wasserpfeife persönlich noch näher gekommen sind, hofften schließlich alle, dass diese Begegnung im Rahmen eines „Presseklubs“ in Jerusalem fortgesetzt werden könne.

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Dr. Alexander Brakel

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Leiter des Auslandsbüros in Israel

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