Виступи на заходах

Verantwortung zur Veränderung

з Michael Braun
KAS-Symposium über das Reformprojekt Generation am 25. November 2005 in Berlin

Goethe und Thomas Mann hatten im hohen Alter keine Probleme mit der Altersvorsorge. Als gut situierte Repräsentanten des bürgerlichen Zeitalters waren diese „alten Meister“ zumindest finanzieller Sorgen ledig. Das ist heute anders. Nicht nur Künstler und Schriftsteller stehen dem Phänomen des demographischen Wandels weitgehend machtlos gegenüber. Sie können aber ebenso wie Soziologen, Politiker und Journalisten beschreiben, wie die Gesellschaft immer älter und die Zahl der Jungen immer kleiner wird. Sie können vor Fehlentwicklungen warnen und wertvolle Hinweise geben, wie man nicht nur „dem Leben Jahre hinzufügt, sondern auch den Jahren Leben“ (Paul Baltes). Vertreter dieser Disziplinen lud die Konrad-Adenauer-Stiftung zum IX. literarisch-politischen Symposium in ihre Akademie am Tiergarten, um über das Reformprojekt Generation und die Notwendigkeit einer Verantwortungs-gesellschaft zu diskutieren.

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v.l.n.r.: Prof. Dr. Meinhard Miegel, Prof. Dr. Günther Rüther, Prof. Dr. Paul Nolte

In den Vorträgen von Paul Nolte (FU Berlin) und Meinhard Miegel (IWG Bonn) wurde deutlich, dass die Zeit der jugendbewegten Spaßkultur offenbar vorbei ist. Zukünftig wird eine immer größer werdende Zahl von Alten von einer immer kleiner werdenden Zahl von Jungen versorgt werden müssen. Im Jahr 2050 wird sich die Zahl der über 80-jährigen verdreifacht haben, in China werden so viele über 65-jährige leben wie heute auf der ganzen Welt. Die Hälfte der Deutschen wird älter sein als 48 Jahre, die Gesamtbevölkerungszahl wird um 8 Millionen sinken. Ein dramatischer Prozess: „Die ehemalige Bevölkerungspyramide wird bald ein Bevölkerungsbaum sein, mit dünnem Stamm und dicker Krone“ (Paul Nolte). Angesichts dieser Schieflage zwischen den Generationen ist es nötig, in Umkehrung bisheriger Denkgewohnheiten über die provozierende Frage von Paul Baltes nachzudenken, ob die Jungen vielmehr „die Alten beschützen“ und für deren soziale Sicherung aufkommen müssen. Der Generationenvertrag steht vor großen Herausforderungen, wenn die 40-jährigen von heute, die sogenannten Babyboomer der zwischen 1950 und 1964 Geborenen, die Rentner der Altersgesellschaft von morgen sein werden.

Die Frage ist, wie man diese Zahlen bewertet. Sicherlich muss man nicht mit Frank Schirrmacher postulieren, ein „Methusalem-Komplott der Alten gegen die Ideologie der Jungen“ zu schmieden. Demographie ist hilfreich, um auf Entwicklungen der Zukunft mit Augenmaß vorbereitet zu sein. Sie sollte aber kein Anlass für Demagogie sein, sondern ein Appell zur Verantwortung. Wenn wir an der Schwelle zu einer Altersgesellschaft stehen, dann darf und sollte diese keine Angstgesellschaft werden.

Das Reformprojekt Generation wird vermutlich kein Projekt zur fortlaufenden Verbesserung der Lebensverhältnisse sein können. Sondern eine notwendige Maßnahme zur „Selbsttherapie“ der Gesellschaft – wie Meinhard Miegel sagt – und zu ihrer Reformierung, die ohne wechselseitige Verantwortung der Solidargemeinschaft der Generationen nicht funktionieren kann. Was wir als geistige Grundvoraussetzung brauchen, um die Probleme der Zukunft anzugehen, ist Paul Nolte zufolge eine „Verantwortung zur Veränderung“.

Die Rolle der Literatur ist dabei besonders wichtig. Schriftsteller sind in der demographischen Reformdiskussion weder Therapeuten noch Futurologen. Sie sind aber als „Fachleute für das inwendige Altern“ (Thomas Steinfeld) immer wieder konsultiert worden, wenn es den Beweis anzutreten galt, dass die Definition des Lebens mehr ist als Jugend und Alterslosigkeit. Am Echo der Schriftsteller – von Louis Begley über Brigitte Kronauer bis Durs Grünbein – wird deutlich, wie lebendig die Tradition der Literatur in der Beschäftigung mit dem Alter noch ist. Die Büchnerpreisträgerin Brigitte Kronauer, die in Berlin las, beschreibt in ihren Erzählungen die „sachten Verschiebungen im Geistigen, im Gefühlsleben“ alter Menschen und kritisiert die „Macht innerer Schablonen“ über Alterszugehörigkeiten. So sind es eben die Schriftsteller, die beschreiben, durch welche Erinnerungen die Generationen verbunden und durch welche sie getrennt sind. Eindringlich beschrieb der Münchner Literaturwissenschaftler Oliver Jahraus den Wandel, der sich vom Jungwerden der Alten in der ersten Jugendbewegung der deutschen Literatur, dem Sturm und Drang, zum Altwerden der Jungen in der Gegenwartsliteratur vollzogen hat. An Werken von Thomas Hürlimann und Monika Maron machte Jahraus deutlich, dass das kulturelle Phänomen der Jugend ein Effekt des Alters ist. In diesem Sinne war es in der abschließenden, von Wolfgang Herles (ZDF „aspekte“) geschickt moderierten Podiumsdiskussion eine Forderung an die politische Kultur, die Verantwortung der Generationen füreinander und miteinander zu fördern.

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Dr. Susanna Schmidt

Dr

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