Adenauers Vision unter Druck
Es hätte also durchaus eine schöne, normale Feierveranstaltung werden können, wenn sich nicht ein allgemeines Unbehagen einschliche, dass die Fundamente der Politik Konrad Adenauers, die zugleich die Fundamente der Bundesrepublik sind, von außen, aber auch von innen ins Wanken gebracht würden. Die neue Unsicherheit, die sich durch unser Leben zieht, und der Versuch, sich an Konrad Adenauer aufzurichten, war in jedem Redebeitrag zu spüren. Wenn Stefan Vesper; Vorsitzender der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, Abraham Lehrer, den Vorsitzenden der Synagogengemeinde Köln in seiner Auftaktansprache eigens begrüßt, dann tut er dies auch angesichts der Gefährdung jüdischen Lebens in Deutschland, das Konrad Adenauer so entscheidend gefördert hat.
Nathanael Liminski, Landesminister und Chef der Staatskanzlei in Düsseldorf, behandelte gleich das, was neuerdings „der Elefant im Raum“ genannt wird, also das Problem, an das alle denken, das aber nicht gerne ausgesprochen wird: die insgesamt erratische, aber zunehmend von Europa sich abwendende neue Geopolitik der USA. Für Adenauer war „der Westen“ die entscheidende Formel zur Überwindung der verhängnisvollen Außenpolitik Deutschlands, die in zwei Weltkriege führte. Der Westen ist für viele Beobachter heute wegen der Trumpschen Politik imperialer Einflusszonen, zu denen Europa nicht mehr gehört, keine Einheit mehr. Das ist insbesondere für der klassischen Christdemokratie Verbundene ein Schock. Liminski wies darauf hin, dass „der alte Fuchs“ schon wusste, dass die USA eines Tages die Bürde, für die Sicherheit der freien Welt zu sorgen, nicht mehr allein tragen wollen werden. Deswegen drängte er auf die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, die dann nicht zustande kam.
Adenauers europäische Leitidee und ihr bleibender Anspruch
Überhaupt Europa. Auch Norbert Lammert, nun Ehrenvorsitzender der KAS (die neue Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer war auch anwesend), hob auf Adenauers visionäre Vorstellung der „Vereinigten Staaten von Europa“ ab. Aber dieser war auch Pragmatiker genug, um zu wissen, dass es dazu Zeit braucht. Lammert betonte, dass Adenauer in fast allen großen Entscheidungen, mit denen er die Standards der deutschen Politik gesetzt hat – keine politische Persönlichkeit in Führungsverantwortung ist seitdem von diesen Standards abgewichen – sich nicht nach den augenblicklichen Stimmungen gerichtet hat, im Gegenteil hat seine politische Urteilskraft ihn Entscheidungen treffen lassen, die zu ihrer Zeit „umstritten“ waren und sich erst im Nachhinein als richtig erwiesen. Auch wieder so eine Unsicherheit: Man ahnt, dass im heraufziehenden Zeitalter des Populismus solche Entscheidungen nicht mehr möglich sein werden. Adenauer hat an der Freiheit festgehalten, auch wenn dies die Wiedervereinigung verzögert hat – weil der damalige Preis für sie, Neutralität im Schatten der UdSSR, zu hoch gewesen wäre.
Für Lammert ging mit dem heutigen Tag eine Ära als Vorsitzender der Stiftung zu Ende, er bekam sehr viel Applaus für sein Lebenswerk, das er mit dem Satz umschrieb: „Seinem (Adenauers) Vermächtnis bleiben wir verpflichtet!“
David McAllister, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Europaparlaments, führte die Gedanken zu Europa weiter. Europa weiterentwickeln und hin zu den Vereinigten Staaten von Europa zu bringen, heißt für ihn, die Visionen Adenauers auszuführen. Das bedeutet im Einzelnen, die Zusammenarbeit der Staaten da zu vertiefen, wo es „konkreten Mehrwert“ hat, rückzubauen, wo dies nicht der Fall ist. Es heißt, offen zu sein für neue Mitglieder, vor allem aber, eine Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zustande zu bringen, damit Europa auf eigenen Füßen stehen kann. Man solle transatlantisch bleiben, aber schneller europäisch werden, eine schöne Formel, die aber nach Konkretisierung verlangt. Auch die deutsch-französische Achse wurde beschworen, die leider gerade in Verteidigungsfragen in den letzten Jahren wenig stabil war.
Dialog über Europas Zukunft
Im Anschluss an seinen Impuls stellte sich David McAllister dem Gespräch mit den beiden Sprecherinnen vom Jugendbeirat der KAS, Lili Pöschel und Luisa Tiesies. Sie konnten zunächst unter Moderation der Journalistin Sandra Wahle ihre Vorstellungen von Europa und Konrad Adenauer formulieren und dann McAllister befragen, wie Europa weitergebracht werden könnte. Bemerkenswert war, dass dieser eine neue „Europäische Verteidigungsgemeinschaft“ am Ende dieses Jahrzehnts forderte. Das ist ambitioniert, aber die augenblickliche Lage schafft Zwänge, die alle Entscheidungen beschleunigen könnten.
Die Schlussworte formulierte Bettina Adenauer im Namen aller Enkel und Urenkel des großen Jubilars und ließ das Publikum Einblick in die Geburtstagsbräuche im Hause Adenauer nehmen.
Dieser Tag war also mehr als eine Gedenkstunde. Es war eine Selbstversicherung europäischer Demokraten, die Geschicke des Kontinents ganz im Sinne Adenauers selbst in die Hand zu nehmen, sich zu behaupten gegen die neuen Autokraten von West und Ost und seinen Werten treu zu bleiben. Beim 200. Geburtstag werden unsere Nachfahren klarer sehen, ob dies gelungen ist.
Musikalisch eingerahmt wurde die Veranstaltung von einem aus Altstipendiatinnen und Altstipendiaten zusammengesetzten Klavierquartett, das meisterlich (natürlich) Beethoven spielte, das Kaiserquartett von Haydn, musikalische Grundlage unserer Nationalhymne, und Mahlers Klavierquartett a-Moll.
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