Historische Parkanlagen und Gärten erzählen Geschichte. Sie sind Orte voll von Erinnerungen, Denkmäler vergangener Gestaltungsideale und gleichzeitig ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Doch die Folgen des Klimawandels stellen diese einzigartigen Kulturlandschaften zunehmend vor existenzielle Herausforderungen.
Wie können historische Gärten und Parkanlagen auch in Zukunft gewahrt werden?
Diese Frage diente als Grundlage der Kooperationsveranstaltung „Welterbe bewahren – Klimawandel in historischen Gärten” mit der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau” und dem Förderverein „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau e.V”.
Den Auftakt gestaltete Dr.-Ing. Claudius Wecke von den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen. Er schilderte eindrücklich die Folgen der klimatischen Veränderungen für historische Gartenanlagen. Besonders Gehölze leiden unter niederschlagsarmen Wintern, langanhaltenden Trockenperioden und zunehmenden Hitzewellen. Gewässer trocknen zunehmend aus und der Pflegeaufwand wächst stetig. So habe insbesondere die Zahl notwendiger baumpflegerischer Maßnahmen und Fällungen stark zugenommen. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, setzen die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen auf umfangreiche Anpassungsstrategien. Vorgestellt wurden unter anderem Boden- und Blattanalysen, Messungen der Bodenfeuchtigkeit, sowie ein umfassendes Monitoring von Wasser- und Bodenverhältnissen. Einen wichtigen Baustein bildet dabei das Wassermanagement mit Grundwassermessungen, Tröpfchenbewässerung und der Optimierung von Bewässerungszeitpunkten. Auch innovative Ansätze wie der Einsatz von Gießrobotern kommen inzwischen zum Einsatz. Vorallem der Schutz alter Bäume, die nicht nur das historische und atmosphärische Erscheinungsbild prägen, sondern mit ihrer kühlenden Wirkung einen bedeutenden Beitrag zum Mikroklima leisten, muss gewährleistet werden.
Wie sich klimatische Herausforderungen konkret im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau auswirken, zeigte der Vortrag von Cord Panning, Geschäftsführer und Parkdirektor der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“. Am Beispiel des UNESCO-Welterbes, schilderte er die tiefgreifenden und dramatischen Veränderungen, insbesondere die Dürrejahre seit 2018 deutlich gemacht hätten, dass traditionelle Pflegekonzepte allein nicht mehr ausreichen.
Panning erklärte, dass historische Parks kontinuierlicher Pflege und einer Weiterentwicklung bedürfen. Die steigende Zahl von Baumverlusten habe zu einem Umdenken geführt. Statt ausschließlich auf den Erhalt bestehender Strukturen zu setzen, müsse künftig stärker beobachtet werden, welche Arten den veränderten Klimabedingungen standhalten. Dabei spielen wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso eine Rolle wie praktische Erfahrungen vor Ort. Wissenstransfer, Austausch und die Bereitschaft zu einer „gleitenden Transformation“ seien entscheidende Voraussetzungen, um historische Parkanlagen für kommende Generationen zu bewahren.
Im dritten Vortrag stellte Holger Rothamel Ergebnisse das DBU-Forschungsprojekts zur Klimaanpassung historischer Gärten vor. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass die Herausforderungen des Klimawandels einen grundlegenden Paradigmenwechsel erfordern. Er beschreib, dass historische Gärten lebendige Systeme seien, die sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen müssen.
Rothamel erläuterte zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit historischer Anlagen. Dazu gehören die Verbesserung der Bodenqualität durch Kompostwirtschaft, die Förderung natürlicher Verjüngungsprozesse sowie der Ausbau von Regenwasserzisternen und unterirdischen Wasserspeichern. Zudem gewinnen klimaangepasste Baumarten zunehmend an Bedeutung. Dabei richtet sich der Blick verstärkt auf Arten aus Süd- und Osteuropa, die mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen könnten. Gleichzeitig betonte Rothamel die Bedeutung regionaler Baumschulen und die gezielte Anzucht geeigneter Gehölze. Ziel sei es, historische Gartenanlagen auch unter veränderten klimatischen Bedingungen langfristig zu erhalten, ohne, dass sie ihren Charakter verlieren.
In der anschließenden Diskussion wurden einige Fragen aus dem Publikum aufgegriffen und einzelne Themen vertiefend beleuchtet. Zum Abschluss lenkte Claudius Wecke den Blick auf die Bedeutung verlässlicher staatlicher Unterstützung. Statt zeitlich begrenzter Projektförderungen brauche es stabile Finanzierungsmöglichkeiten, um Ideen und Innovationen aus der Gärtnerschaft nachhaltig umzusetzen. Mit diesem nachdenklichen Impuls und einem klaren Appell für langfristige Perspektiven ging die Veranstaltung zu Ende.
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