Hartleb ist Politikwissenschaftler und Extremismusforscher. Er lehrt und forscht zu Populismus, Extremismus, Terrorismus und Radikalisierung. Der Terrorismusexperte ist Autor zahlreicher Publikationen und Bücher, etwa über „Einsame Wölfe“, zuletzt über „Teenager-Terroristen“. Seit September 2025 ist er Professor für Internationale Beziehungen an der Modul Universität Wien.
Zu Beginn der Fortbildung stellte Hartleb klar, dass ein Jugendlicher nicht Extremist oder Terrorist wird, weil er „böse“ ist, sondern weil ihm die Falschen zuerst Halt gegeben haben. Dies rechtfertige die Taten nicht, ordne allerdings die Datenlagen Europols ein, nach der zwei Drittel der Terrorverdächtigen in Europa unter 19 Jahren sind.
Entscheidend für die Radikalisierung Jugendlicher sei das Potential des Internets, mit Gewalt konfrontiert zu werden. Je nach dem, wie früh die Kinder und Jugendlichen Zugang zum Internet erhalten, bestehe die Gefahr, bereits in jungen Jahren Inhalte schlimmster Gewalttaten zu sehen. Hartleb berichtete von dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland im März 2019, bei dem 51 Menschen getötet wurden. Der Täter übertrug die Tat über einen Live-Stream auf Facebook, sodass theoretisch jeder diese Tat verfolgen konnte. Wenn Jugendliche regelmäßig freien Zugang zu Bildern und Videos solcher Gewalt haben, könne eine Abstumpfung für Gewalt eintreten, welche wiederum eine tatsächliche Tatverübung begünstigen könne, so Hartleb.
Deswegen sei es nur natürlich, dass gerade so intensiv über ein Verbot ausgewählter Plattformen für eine bestimmte Altersgruppe diskutiert wird. Jedoch hält Hartleb eine Gegenbewegung zu den gefährlichen Inhalten, die in den sozialen Medien geteilt werden, für viel wichtiger. So müsse auch in den Schulen intensivste Aufklärungsarbeit geleistet werden, um bei den Kindern und Jugendlichen ein Verständnis dafür aufzubauen, warum eine freie Demokratie so besonders ist und was eine Diktatur für das eigene Leben eigentlich bedeutet.
Interessant zu betrachten sei, wer sich am meisten radikalisiert und vor allem wer am meisten Anschläge begeht, so Hartleb. Dies seien nämlich vor allem junge Männer. Dazu führte er die Täter von Hanau, Halle, München und Oslo an und erklärte anschließend, dass die Tat bei diesen sowie vielen weiteren auch auf eine persönliche Kränkungsgeschichte zurückzuführen sei. Dies meine, dass die meisten Täter Erfahrungen von persönlicher Zurückweisung erlebt hätten, mit denen sie nicht umgehen konnten. Zudem seien Jungs bzw. Männer anfälliger für Gewaltspiralen, was durch das Spielen von Online-Videospielen, die ebenfalls von mehr Jungs als Mädchen gespielt werden, verstärkt werde. Auch der feste Glaube an eine Ideologie und an einen Führer scheine bei Jungs entscheidender zu wirken.
Für Lehrerinnen und Lehrer bedeute dies, weiterhin aufmerksam zu sein und auf typische Verhaltensmuster, wie Abschottung oder auch aggressives Verhalten zu achten. Hartleb machte deutlich, er sehe es kritisch, dass Vereine zunehmend drohen gesellschaftlich wegzubrechen. Um dem übermäßigen Medienkonsum vieler Jugendlichen entgegenzuwirken, könnten Lehrerinnen und Lehrer daher den Anreiz privater sportlicher oder künstlerischer Aktivitäten fördern, damit Betroffene in Gruppendynamiken finden. Denn persönliche Schicksale würden dann eine Radikalisierung begünstigen, wenn die Jugendlichen niemanden haben, der ihnen Halt gibt.
Als vorstellbar beschrieb Hartleb die Dynamik, die Schülerinnen und Schüler dafür zu sensibilisieren, untereinander auf den anderen zu achten, weil es für Lehrkräfte eben so schwierig sei, dicht an den oder die Einzelne heranzukommen. Zudem könnten Lehrerinnen und Lehrer darüber nachdenken, mit konkreten Fallbeispielen zu arbeiten und gemeinsam mit den Klassen die Komplexität der Fälle zu erarbeiten.
Bei der Feststellung, wie entscheidend Tik Tok in der Meinungsbildung vieler Jugendlicher geworden sei, stimmten die Teilnehmer dem Referenten sofort zu. Hartleb hält es angesichts der Tatsache, welche Fake News, Verschwörungstheorien und extremistischen Ideologien dort verbreitet werden, für essenziell, mit den Schülerinnen und Schülern zu üben, gefälschte Inhalte zu erkennen und sich im Allgemeinen eine kritische Haltung gegenüber veröffentlichten Inhalten anzueignen.
Im zweiten Teil der Fortbildung gab es eine intensive Fragerunde, bei der die Lehrerinnen und Lehrer ihre Fragen sowohl an den Experten richten als auch sich untereinander austauschen konnten.
Тэмы
Пададзена
Politisches Bildungsforum BremenПра гэтую серыю
Фонд імя Конрада Адэнаўэра, а таксама яго адукацыйныя установы, цэнтры падрыхтоўкі й замежныя прадстаўніцтвы штогод прапануюць тысячы мерапрыемстваў па разнастайных тэмах. Аб асобных найбольш важных канферэнцыях, падзеях і сімпозіумах мы даем аператыўную і эксклюзіўную інфармацыю на сайце www.kas.de. Тут, побач з абагульняючымі рэзюмэ зместу, можна знайсці дадатковыя матэрыялы, такія як графікі і выявы, рукапісы прамоў, відэа- і аўдыёзапісы.