Im September 1938 wurde das Konzentrationslager Neuengamme in Hamburg-Neuengamme errichtet. Ursprünglich gedacht als Außenlager des KZ Sachenhausen kamen im Dezember 1938 100 Häftlinge aus Sachsenhausen nach Neuengamme, um in einer stillgelegten Ziegelei, die die Schutzstaffel (SS) gekauft hatte, Zwangsarbeit zu leisten. Mit dem Besuch Heinrich Himmlers im Januar 1940 kam der Beschluss, das Lager weiter auszubauen.
Die Schülerinnen und Schüler wurden von Guides der Gedenkstätte über das Gelände geführt und bekamen Arbeitsaufträge, mit denen sie selbst die Geschichte des Lagers über die freizugängliche Ausstellung nachvollziehen konnten.
Der Tag begann für die Schulgruppen in den Hauptgebäuden der Gedenkstätte, bei denen es sich um ehemalige Unterkunftsgebäude für Häftlinge des Lagers handelt. Hier bekamen sie einen allgemeinen Überblick über die Geschichte des Lagers sowie die dortigen Umstände. So handelte es sich bei dem Konzentrationslager Neuengamme um kein direktes Vernichtungslager, wie zum Beispiel Auschwitz, sondern es gehörte zu den Lagern, in denen die Vorgehensweise der Nationalsozialisten der „Vernichtung durch Arbeit“ galt. Zudem waren die Inhaftierungsgründe meist politischer Art, beispielsweise Partisanenmitgliedschaft, gerade bei sowjetischen Häftlingen oder eine kommunistische Gesinnung. Auch Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, „Asoziale“ und Kriegsgefangene wurden in das KZ-Neuengamme gebracht.
Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass circa 100.000 Menschen, darunter etwa 13.000 Juden, in Neuengamme inhaftiert waren. Neuengamme verfügte zudem über 80 Außenlager in der Nähe von Produktionsstätten und Baustellen, in die die Häftlinge gebracht wurden, um Zwangsarbeit zu leisten. Die Häftlinge, die aus ganz Europa kamen, mussten vor allem Arbeit in der Rüstungsproduktion, an Bunkern, Industrieanlagen und in der Trümmerbeseitigung leisten. Acht dieser Außenlager lagen im Stadtgebiet Hamburgs. Aber auch im Bremer Stadtgebiet mussten Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Zum Beispiel in der Bromberger Straße 117 in Gröpelingen. Dort war das Außenlager Schützenhof gelegen, wo die Häftlinge untergebracht waren, die Werft– und Aufräumungsarbeiten für die Deutsche Schiffs- und Maschinenbau AG Deschimag und den Krupp Konzern leisten mussten. Viele Unternehmen und Firmen beschäftigten die Zwangsarbeiter aus Neuengamme. Dazu zählen auch Volkswagen (VW), die Hamburger Schiffswerft Blohm & Voss, die Automobilwerke Büssing AG und die Valentin Betriebsanlage (U-Boot-Bunker Valentin) in Bremen-Farge.
Für die Häftlinge bestand der Alltag aus zwölf Stunden Arbeit und dies, bis auf Sonntagnachmittag, jeden Tag. Die meist körperlich schwere Arbeit mussten sie bei einer katastrophalen Ernährung leisten. So bekamen die Häftlinge morgens eine Schüssel Suppe, wobei das wenig enthaltene Gemüse häufig verfault war und am Abend etwas Brot, welches die SS bei einer nahegelegenen Bäckerei kaufte. Diese streckte vor dem Backen den Teig mit Sägespänen, um einen noch höheren Profit erzielen zu können. Richtung Kriegsende lag die Brotration für einen Häftling nur noch bei etwa 80 Gramm.
Als mit am härtesten galt die Zwangsarbeit an einer Lehmgrube für eine Kieselsteinfabrik auf dem Gelände des KZ. Der Guide erklärte den Gruppen, dass anhand von dieser Arbeit besonders deutlich werde, dass es den Nazis nicht um Produktivität ging, sondern darum, die Häftlinge „durch Arbeit zu vernichten“. Denn obwohl die Herstellung von Ziegelsteinen schon längst teils automatisiert hätte stattfinden können, mussten die Häftlinge beispielsweise die schweren Steine per Lohren selbst anschieben. Als weiteres Beispiel erzählte er den Schülerinnen und Schülern von dem „Kommando Elbe“. Die SS wollte, dass das Lager per Schiff erreichbar ist, damit die produzierten Rohstoffe über die Elbe nach Hamburg gebracht werden konnten. Da Hamburg zur „Führerstadt“ werden sollte, war der Rohstoffbedarf hier besonders hoch. Dafür sollte ein Stichkanal zu dem Lagergelände gebaut werden. Diese schwere Arbeit mussten die Häftlinge bei jeder Wetterlage und unter ständiger Schikane und Misshandlung leisten. Sehr viele Häftlinge überlebten durch die schwere Arbeit, die Drangsalierung und das unzureichende Essen nicht. Die Zahl der Todesopfer kann heute aufgrund unvollständiger Dokumentierungsdaten auf circa 43.000 nur geschätzt werden.
Bei dem Gang über das Gelände des Konzentrationslagers schauten sich die Schulgruppen das „Haus des Gedenkens an“, in welchem die Namen der Toten Neuengammes auf weißen Stoffbahnen geschrieben stehen. Mit der Räumung des Lagers im Frühjahr 1945 vernichtete die SS einen großen Teil der Unterlagen, wodurch bisher nur etwa die Hälfte aller Todesopfer in Neuengamme anhand der Totenbücher festgestellt werden konnte. Auch die ehemaligen Fabrikgebäude, der erhaltene Grundriss der Gefängniszelle des Lagers und das Haus des letzten Lagerkommandanten Max Pauly sahen die Schülerinnen und Schüler während der Führung.
Im Anschluss nutzten sie die Möglichkeit, sich eigenständig durch die Ausstellung zu bewegen und rundeten so die Exkursionen mit den Themenfeldern ab, die sie durch die Erklärungen des Guides besonders beschäftigten.
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