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Weltraumsicherheit: Europa muss sich auch im Orbit verteidigen können

od Tanissa Conradi

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Europa-Union Hessen

Prof. Dr. Kreft zeigte auf, wie stark Europas Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität von weltraumgestützten Systemen abhängen und welche Herausforderungen sich daraus ergeben. Zugleich wurde betont, dass Europa seine Fähigkeiten ausbauen muss, um im globalen Wettbewerb souverän und handlungsfähig zu bleiben. Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Weltraum zunehmend ein strategischer Schlüsselraum internationaler Politik ist.

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Am 4. Mai, dem internationalen „Star Wars Day“, begrüßte die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit der Europa-Union Hessen, vertreten durch Frau Wiegand-Fleischhacker zum Thema Weltraumsicherheit. Das bewusst gewählte Datum unterstrich mit einem Augenzwinkern die Ernsthaftigkeit des Themas: Der Weltraum ist längst keine ferne Vision mehr, sondern eine zentrale sicherheits- und geopolitische Dimension für Europa.

Zu Beginn machte Prof. Dr. Kreft deutlich, dass moderne Gesellschaften ohne Satelliten faktisch nicht mehr funktionsfähig wären. Navigation, Kommunikation, Wettervorhersagen, Finanzsysteme, Katastrophenschutz und Landwirtschaft hängen heute maßgeblich von weltraumgestützten Infrastrukturen ab. Damit ist der Weltraum zu einer kritischen Infrastruktur geworden, deren Ausfall gravierende Folgen hätte.

Gleichzeitig verwies er auf den wachsenden geopolitischen Wettbewerb im All. Die USA dominieren weiterhin mit großem Abstand die globalen Investitionen, gefolgt von China, dessen Ausgaben jedoch schwer abschätzbar sind. Europa liegt trotz technologischer Stärke zurück und sieht sich strukturellen Herausforderungen gegenüber: institutionelle Zersplitterung zwischen EU, ESA und Nationalstaaten, Abhängigkeiten, insbesondere von den USA, sowie eine vergleichsweise schwach entwickelte private Raumfahrtindustrie.

Technologische Entwicklungen haben den Zugang zum Weltraum grundlegend verändert. Die Kosten für Raketenstarts sind stark gesunken, während die Miniaturisierung neue Möglichkeiten eröffnet. Moderne Starlink-Satelliten, können inzwischen nur noch die Größe eines Schuhkartons haben. Begünstigt wurde diese Entwicklung in den USA vor allem durch den früh geschaffenen regulatorischen Rahmen unter Präsident Ronald Reagan, aber auch unter Präsident Barack Obama, der einen Boom durch private Akteure förderte. Unternehmen wie SpaceX oder Blue Origin agieren oftmals mit staatlichen Institutionen als „Ankerkunden“, dies sorgt für Planungssicherheit.

Ein zentrales Thema war zudem die sicherheitspolitische Dimension von Weltrauminfrastruktur. Satelliten sind meist „dual-use“, also sowohl zivil als auch militärisch nutzbar. So werden beispielsweise Wetterdaten von der Luftwaffe aber auch für die Landwirtschaft genutzt. Besonders eindrücklich verwies Prof. Kreft auf den russischen Angriff auf die Ukraine: Bereits kurz vor Beginn der Bodenoffensive kam es zu gezielten Angriffen auf Satellitenkommunikation, die zeitweise zu erheblichen Störungen in Kommunikationsmöglichkeiten für Militär und Gesellschaft führten. Der Konflikt markierte zudem einen Wendepunkt, da erstmals ein privates Unternehmen, im konkreten Fall durch den Einsatz von Starlink-Systemen, maßgeblichen Einfluss auf das Kriegsgeschehen nahm.

Europa verfügt mit Programmen wie Galileo, Copernicus und Egnos über bedeutende technologische Kompetenzen. Dennoch bestehen Defizite, etwa beim Zugang zum Weltraum. So fehlt ein eigener Weltraumbahnhof in Europa. Zudem lassen US-Unternehmen wie Starlink etwa alle zwei Tage Raketen starten, während die europäische Ariane-Rakete nur fünf bis sieben Mal im Jahr startet. Hinzu kommt, dass für die Ariane bislang wiederverwendbare Trägersysteme fehlen, was die Kosten erhöht.

Auch Risiken im Orbit wurden intensiv diskutiert. Weltraumschrott stellt eine wachsende Bedrohung dar, mit Geschwindigkeiten von bis zu 80.000 km/h können selbst kleinste Teile erheblichen Schaden verursachen. Die ESA verfolgt daher eine ambitionierte „Zero Debris“-Strategie bis 2030. Weitere Gefahren reichen von Cyberangriffen und Signalstörungen (Jamming) bis hin zu Anti-Satelliten-Waffen.

In politischer Hinsicht betonte Prof. Kreft die Notwendigkeit deutlich erhöhter Investitionen und klarer Zuständigkeiten. Raumfahrt sei ein Zukunftssektor mit großem wirtschaftlichem Potenzial, dessen Skalierung jedoch häufig am fehlenden Kapital scheitere. Gleichzeitig müsse die gesellschaftliche Relevanz stärker vermittelt werden, da vielfach noch das Bewusstsein für die Bedeutung des Weltraums fehle.

Ein „Weckruf“ sei jedoch inzwischen erfolgt: Der Krieg in der Ukraine, wachsende Zweifel an der Verlässlichkeit internationaler Partner sowie die zunehmende strategische Konkurrenz hätten in Europa zu einem Umdenken geführt. Initiativen wie steigende Verteidigungsausgaben im Weltraumbereich und ein Rekordbudget der ESA zeigen, dass Europa begonnen hat zu handeln.

Abschließend fasste Prof. Kreft prägnant zusammen: „Wer seine Interessen auf der Erde schützen will, darf den Weltraum nicht anderen überlassen.“

Die anschließende Diskussion griff unter anderem Fragen zur industriellen Skalierung, zu regulatorischen Rahmenbedingungen sowie zur Rolle staatlicher Förderung auf. Dabei wurde deutlich, dass erfolgreiche Raumfahrtpolitik ein Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und Forschung erfordert.

Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich, dass Weltraumsicherheit kein Nischenthema mehr ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für Europas Handlungsfähigkeit und Souveränität im 21. Jahrhundert.

 

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Kontakt

Tanissa Conradi

Tanissa Conradi
Referentin Politisches Bildungsforum Hessen 
tanissa.conradi@kas.de +49 611 - 15 75 9814

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