Das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern unterscheidet sich in einem wesentlichen Faktor von allen anderen Wahlen des Wahljahres 2026: Mit der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig existierte ein Amtsbonus, auf den die Kandidatinnen und Kandidaten in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Berlin verzichten mussten.
Nachdem die SDP bei der Landtagswahl 2021 39,6 Prozent erreichte, gab es seit 2024 immer wieder seriöse Umfragen, welche die SPD bei 19 Prozent sahen – zuletzt im Herbst 2025 nach Daten von Infratest dimap. Langsam und stetig verbesserten sich die Umfrageergebnisse der Partei. Im Vorfeld der Wahl konnten sich 37 Prozent der Befragten vorstellen, die SPD zu wählen (Infratest dimap). Anzumerken ist, dass weder die Bundespolitikerinnen und -politiker, die Arbeit in der Bundesregierung noch die Zufriedenheit mit der Bundes-SPD seit dieser Zeit systematische Verbesserungen zeigen, was auch für die Bewertung der CDU gilt. Daher weist die Forschungsgruppe Wahlen darauf hin, dass 59 Prozent der Wahlberechtigten die landespolitische Situation für maßgeblich für ihre Wahlentscheidung halten. Werte, die im Übrigen fast bei allen Landtagswahlen ähnlich sind. Nur in seltenen Ausnahmefällen ist ein direkter Zusammenhang zwischen der politischen Stimmung im Bund mit Auswirkungen auf das Wahlverhalten bei einer Landtagswahl auszumachen. Dies macht in Mecklenburg-Vorpommern auch die Bewertung der Parteien und Spitzenpolitikerinnen und -politiker in Bund Land deutlich: Schwesig erhält einen Wert von +1,3; Klingbeil von -1,6. Die SPD in Mecklenburg-Vorpommern kommt auf +1,3 die SPD im Bund auf -0,4 (auf einer von +5 bis -5 reichenden Skala; Forschungsgruppe Wahlen).
Die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg werden von viel Pessimismus begleitet, der allerdings in Sachsen-Anhalt und Berlin nochmal stärker ausgeprägt ist. Die Bewertung der wirtschaftlichen Lage und der Ausblick auf die Zukunft haben sich im Zeitverlauf deutlich verschlechtert. So sagen aktuell 11 Prozent der Befragten die Wirtschaftslage im Land sei gut. Diese depressive Grundstimmung ist zwar nochmal auf niedrigem Niveau abgesunken, begleitet das Land aber schon länger. Bereits 2016 sagten lediglich 25 Prozent, die Wirtschaftslage sei gut, 2021 waren es 16 Prozent. Auch die Einschätzung, wie gut Mecklenburg-Vorpommern auf die Zukunft vorbereitet sei, wird von Wahl zu Wahl kritischer gesehen. Sagten noch 2016 und 2021 knapp die Hälfte, das Land sei gut auf die Zukunft vorbereitet, sind 2026 noch 35 Prozent dieser Meinung (Forschungsgruppe Wahlen). Damit korrespondiert, dass vor allem die Anhänger der AfD die wirtschaftliche Lage ausgesprochen negativ bewerten. So sagen rund 90 Prozent die wirtschaftliche Lage sei weniger gut bzw. schlecht. Allerdings war Mecklenburg-Vorpommern auch in der Vergangenheit nicht das Land der Optimisten. Von 1998 bis 2016 überwog (wenn auch nur knapp) die Anzahl der wirtschaftlichen Optimisten die der Pessimisten (Infratest dimap).
Im Unterschied zu Sachsen-Anhalt und Berlin halten sich positive wie negative Einschätzungen gegenüber der Zufriedenheit mit der Landesregierung etwa die Waage. 51 Prozent sind sehr zufrieden/zufrieden und 47 Prozent weniger/gar nicht zufrieden. Doch auch hier schlägt sich die deutlich verschlechterte Wahrnehmung nieder. Die Zufriedenheit ist gegenüber der Vorwahl deutlich um 13 Prozentpunkte zurückgegangen. .
Alle Grafiken und Tabellen, auf denen die Wahlanalyse beruht, finden Sie im Anhang des Dokuments.