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Umbrüche, Reformen, Krisen: Die deutsche und europäische Wirtschafts- und Währungsgeschichte hat mehrere Meilensteine hinter sich. Auf Geschichtsbewusst beleuchten Fachleute die Hintergründe, Ursachen und Folgen der historischen Entwicklungen aus wissenschaftlicher Perspektive – und analysieren, was sich daraus für Gegenwart und Zukunft schlussfolgern lässt.
Die Ordnung der Wirtschaft im Sinne einer Wettbewerbsordnung schützt die Einzelnen vor der Allmacht des Staates und der Konzentration wirtschaftlicher Macht. Beides ist interderpendent. Das Werk des Juristen und Wirtschaftswissenschaftlers Franz Böhm lässt sich auf diese Grundgedanken zurückführen. Böhm war einer der wichtigsten Köpfe der Sozialen Marktwirtschaft und hatte großen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik der CDU in der Nachkriegszeit. Der Zentralrat der Juden in Deutschland würdigte ihn 1970 mit dem Leo-Baeck-Preis als „Vater der Wiedergutmachung“.
Mitten in der größten Not der Nachkriegszeit, nach den Entbehrungen des Hungerwinters 1946/47, veröffentliche der Nationalökonom Alfred Müller-Armack (1901–1978) mit seinem Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ ein kraftvolles Plädoyer für die Rückkehr zu freien Märkten. Sein Modell einer „Sozialen Marktwirtschaft“ verstand er dabei nicht als bloßes Wirtschaftskonzept, sondern als wichtigen Baustein für den freiheitlich-demokratischen Neuanfang Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der bis heute andauernde Prozess der Europäischen Integration wurde nach dem Zweiten Weltkrieg initiiert, um Frieden, Stabilität und Wohlstand zu fördern. Gerade in einer Zeit, in der sich Europa erneut mit Krieg auf dem eigenen Kontinent und einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft beschäftigen muss, lohnt sich der Blick zurück auf die Personen und Umstände, die diesen Prozess angetrieben haben. In den Jahren nach 1945 suchten die Staaten in Westeuropa vor allem nach einem Weg, um die verheerenden Konsequenzen von Nationalismus und Protektionismus zu überwinden. Ordoliberale Ideen spielten dabei eine entscheidende Rolle.
75 Jahre nach seiner Einführung ist das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft über politische Lager hinweg anerkannt, es dient jedoch als „Allerweltslabel“, das an politischer Schlagkraft eingebüßt hat. Aktuell sind wir weit entfernt von einer konsequenten Umsetzung marktwirtschaftlicher Prinzipien, dabei verdeutlicht der Blick auf die historischen Errungenschaften der Bundesrepublik, welche Potentiale die freiheitliche Wirtschaftsordnung für die Gestaltung von Zukunftsaufgaben bereithält.
Elfte Ausgabe von Zeitgeschichte AKTUELL
Bei einer Fachkonferenz diskutierten Historiker, Politikwissenschaftler, Politiker und Journalisten über die Gründungsmotive für die EGKS und den Stellenwert der Energiepolitik in den bilateralen Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Seit den 1970er Jahren wurden Ludwig Erhards Leistungen von kritischen Stimmen angezweifelt und gerieten zum Teil sogar in Vergessenheit. In der Tat war der am 4. Februar 1897 in Fürth geborene Kaufmannssohn und erste Wirtschaftsminister der Bundesrepublik nicht der alleinige Urheber des deutschen „Wirtschaftswunders“, ja überhaupt ist diese Bezeichnung bei einem nüchternen Blick auf die ökonomischen Fakten und verglichen mit ähnlichen Entwicklungen in den Ländern Westeuropas fraglich. Dennoch sind Erhards große Verdienste um die Liberalisierung der westdeutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkries unbestreitbar; gerade nach dem Ende des Nachkriegsbooms zeigten sich die positiven Folgen seiner Politik der Produktivitäts- und Wettbewerbsorientierung für die Wirtschaftsentwicklung der Bundesrepublik.
Die Einführung des Euro-Bargeldes am 1. Januar 2002 stellt einen Meilenstein der europäischen Währungsgeschichte dar. Sie war der vorläufige Endpunkt der Bemühungen der europäischen Staaten um eine gemeinsame Währung, die in ihrem Kern bereits auf die Römischen Verträge (1957) zurückgehen. In heutiger Perspektive ist jedoch klar, dass weitere Schritte erforderlich waren, um den Euro langfristig als gemeinsame Währung der (allermeisten) EU-Mitgliedstaaten zu etablieren. Insbesondere die während der europäischen Staatsschuldenkrise (2010–2015) ergriffenen Maßnahmen waren so weitreichend, dass man getrost von einem „Euro Version 2.0“ sprechen kann.
Seit dem 19. Jahrhundert wurden Krisen zu einer Begleiterscheinung des wirtschaftlichen Wachstums, doch erst im Laufe des 20. Jahrhunderts setzte sich die Vorstellung durch, dass der Staat mit seinen Möglichkeiten Krisen bekämpfen solle. Während es mithilfe der staatlichen Krisenpolitik gelang, die sozialen Folgen von Wirtschaftskrisen abzumildern, ist jedoch der langfristige ökonomische Effekt dieser Maßnahmen aus wirtschaftshistorischer Perspektive fraglich.