"Putin kann keine Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in seiner direkten Nachbarschaft dulden."
Interview mit der Osteuropahistorikerin Ricarda Vulpius anlässlich des vierten Jahrestags des russischen Überfalls der Ukraine.
Zwischen Stromausfällen und Drohnenalarm: Ricarda Vulpius berichtet über den Alltag ukrainischer Kollegen und Kolleginnen im Krieg und die Arbeit der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission. Sie erklärt, warum die Ukraine lange eine „übersehene Nation“ war, analysiert Putins Geschichtsnarrative und beantwortet die Frage, wie echte Solidarität mit der Ukraine heute aussehen kann.
23. Februar 2026
Interviews
Picture Alliance/dpa
Februar 1956: Chruschtschows Geheimrede und die Grenzen der Entstalinisierung
Reformhoffnungen und Gewalt in der Sowjetunion und Ostmitteleuropa
Als Nikita Chruschtschow im Februar 1956 auf dem 20. Parteitag der KPdSU mit Josef Stalin abrechnete, löste er ein politisches Erdbeben aus. Seine Kritik am „Personenkult“ nährte Hoffnungen auf Reformen – und schürte zugleich Ängste vor Kontrollverlust. Von Moskau über Ost-Berlin bis Budapest zeigte sich bald: Die Entstalinisierung hatte klare Grenzen.
Robert Kindler
19. Februar 2026
Essay
F.A.Z.-Foto / Wolfgang Haut
Liberalismus und Demokratie
Zur Revision der Verhältnisbestimmungen von Carl Schmitt, Ernst-Wolfgang Böckenförde und Jürgen Habermas. Eine aktualisierende Skizze.
Carl Schmitts Theorie, die Liberalismus und Demokratie strikt trennt, beeinflusst heute den geopolitischen Diskurs, insbesondere in autoritären Regimen. In Auseinandersetzung mit Schmitts Werk entwickelten Staatsrechtler in der Bundesrepublik Deutschland Gegenpositionen, die Grund- und Menschenrechte sowie die unabdingbare Verbindung von Demokratie und Liberalismus betonen. Ausgehend von diesen Autoren, plädiert der Autor für die Macht des Rechts und den Vorrang politischer Liberalität.
Prof. Reinhard Mehring
10. Februar 2026
Essay
Gemma Levine/Getty Images
Was war der Cold War Liberalism?
Zur historischen Eigenart, inneren Spannung und aktuellen Relevanz eines skeptischen Liberalismus
Angesichts einer global diagnostizierten Krise des Liberalismus fragen Historiker und Politikwissenschaftler nach dem intellektuellen Erbe liberaler und konservativer Denker des 20. Jahrhunderts. Der Beitrag rekonstruiert die oft missverstandenen Ideen und Überzeugungen der Cold War Liberals zwischen Antitotalitarismus, Wertepluralismus und sozialstaatlicher Verantwortung, lotet ihre ethischen und politischen Grundannahmen aus und fragt nach ihrer Tragfähigkeit für eine Gegenwart, in der Optimismus, Fortschrittsglaube und institutioneller Konsens brüchig geworden sind.
Prof. Joshua Cherniss
4. Februar 2026
Essay
KAS / Giuseppe Moro
Wenig Neues vom „Alten“
Drei Neuerscheinungen zum 150. Geburtstag Konrad Adenauers
Norbert Frei: Konrad Adenauer. Kanzler nach der Katastrophe. C.H. Beck Verlag, München 2025;
Friedrich Kießling: Adenauer. Dreieinhalb Leben. dtv, München 2025;
Holger Löttel: Konrad Adenauer. Leben in Zeiten des Umbruchs. BeBra Verlag, Berlin 2025.
Dr. Philip Rosin
28. Januar 2026
Rezension
Die Neuordnung der Welt | Gefahren für die Demokratie | Antisemitismus und Antizionismus
"In der Debatte" bietet einen Blick ins politisch-historische Feuilleton im Januar 2026 – analysiert, bewertet, ordnet ein und fasst zusammen.
"In der Debatte" wirft im Januar 2026 einen Blick auf diese Themen: Europa erlebt durch Trumps Drohungen zunehmende Unsicherheit über die Verlässlichkeit der USA, ist jedoch aufgrund eigener politischer und wirtschaftlicher Stärke nicht vollständig machtlos. Demokratien geraten zusätzlich unter Druck, da autoritäre Bewegungen und extremistische Gruppen gesellschaftliche Normen verschieben. Gleichzeitig verschärfen sich antisemitische und antizionistische Tendenzen in verschiedenen politischen Milieus und führen zu einer bedrohlichen Normalisierung im öffentlichen Diskurs.
Reflexion der Nationalgeschichte durch das Brennglas der Literatur
„Kiesels Sondierung der Zeugnisse ist ein ernstes Memento und eine starke Anregung für die Geschichtswissenschaft“.
Helmuth Kiesel: Schreiben in finsteren Zeiten. Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933-1945. C.H. Beck, München 2025.
Prof. Reinhard Mehring
20. Januar 2026
Rezension
picture alliance / Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld
Probleme deutscher und europäischer Sicherheitspolitik
Die Bundeswehr zwischen nationalen Interessen und internationaler Verantwortung
Die deutsche Sicherheitspolitik steht angesichts der verschlechterten internationalen Rahmenbedingungen vor wachsenden Herausforderungen. Eng eingebettet in NATO und EU muss sie nationale, europäische und transatlantische Interessen immer wieder neu austarieren. Wilfried von Bredow zeigt in der 21. Ausgabe von Zeitgeschichte AKTUELL, wie diese Spannungen unmittelbare Folgen für Auftrag, Ausrüstung und Rolle der Bundeswehr haben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Deutschland und Europa ihre sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit unter veränderten strategischen und technologischen Bedingungen sichern können.
Wilfried von Bredow
8. Januar 2026
Zeitgeschichte AKTUELL
Europas Zukunft | Trumpismus, MAGA & Grand Old Party | Krise der Mitte | Hannah Arendt
"In der Debatte" bietet einen Blick ins politisch-historische Feuilleton im Dezember 2025 – analysiert, bewertet, ordnet ein und fasst zusammen.
„In der Debatte“ wirft in der Dezember-Ausgabe einen Blick auf verschiedene Themen: Europa steht vor einer doppelten Herausforderung – der geopolitischen Marginalisierung und einer inneren Polarisierung. Ohne strategische Eigenständigkeit, neue Narrative und die Rückbesinnung auf demokratische Werte droht eine autoritäre Wende. Wie kann die Zukunft der MAGA-Bewegung und der Republikanischen Partei aussehen, kann der Trumpismus Bestand haben. Die politische Mitte existiert weiterhin in einem Spannungsfeld. Hannah Arendts Mahnung zur aktiven Freiheit bleibt aktueller denn je.
Denise Lindsay M.A.
17. Dezember 2025
In der Debatte
KALUZA+SCHMID
Angriff auf den Westen: Postkoloniale Theorie in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
Beiträge und Positionen zu den Hintergründen und Auswirkungen des Postkolonialismus auf Demokratie und Freiheit
Eurozentrismus, Imperialismus und ein kolonialistisch-rassistischer Westen: Schlüsselbegriffe der postkolonialen Theorie haben Eingang in alle Bereiche der Gesellschaft gefunden. Eine radikale Identitätspolitik soll mittels „Dekolonisierung“ die vermeintlichen kolonialen Kontinuitäten und die angeblich epistemische Gewalt des Westens bekämpfen, gefährdet jedoch das Fundament der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Über die Hintergründe und Annahmen des Postkolonialismus, vor allem den hier grassierenden Antisemitismus, informieren in diesem Reader renommierte Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, Publizisten und Journalisten. Sie erläutern den postkolonialen Angriff auf das Wertefundament des Westens, auf Menschenrechte, Universalismus, Aufklärung, Freiheit und Demokratie.